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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fulda steuert wegen Corona auf Karneval-Absage zu

Fuldaer Fastnacht droht komplett auszufallen

Kann man in Pandemie-Zeiten ruhigen Gewissens Karneval feiern? Die Diskussion beschäftigt auch die Narren in Hessen. In Fulda soll das bunte Treiben wahrscheinlich ausfallen. An anderen Orten überlegen die Organisationen noch.

Karneval trotz Corona im Winter feiern? Die bundesweite Debatte wird auch in Hessen geführt - und zwar mit höchst unterschiedlichen Meinungen. Während sich einige Narren in Städten mit bedeutenden Umzügen noch Bedenkzeit einräumen, deutet in Fulda – einer der Fastnachtshochburgen - alles auf eine Absage der gesamten Session hin.

Dabei geht es nicht nur um den von der Fuldaer Karnevalgesellschaft (FKG) organisierten Rosenmontagszug, der alljährliche Zehntausende Zuschauer anzieht. Es betrifft auch sämtliche Saalveranstaltungen vom Beginn der närrischen Zeit (11. November) bis Aschermittwoch (17. Februar 2021).

"Fastnacht in Fulda wird's nicht geben"

"Fastnacht in Fulda - das wird es nicht geben. Da gehe ich fest von aus", sagte FKG-Präsident Michael Hamperl am Mittwoch auf Nachfrage. Er wolle der endgültigen Entscheidung bei einer Sitzung am 31. August zwar nicht vorgreifen. Aber er als Mandatsträger könne es nicht zulassen und die Verantwortung für Saalfastnacht und Umzüge übernehmen. "Für Karnevalisten ist das sehr traurig. Aber letztlich möchte auch keiner für einen neuen Hotspot mit Kranken, gar Toten und einem lokalen Lockdown verantwortlich sein."

Auch für den neuen Karnevalsprinz von Fulda, der sich den Spaß alljährlich viel Geld kosten lässt, sei eine abgespeckte Session und Feiern mit angezogener Handbremse schließlich kein Vergnügen, befand Hamperl. Letztlich gehe es aber um den Gesundheitsschutz. In dieser Frage schließe er sich ganz der Einschätzung und Skepsis von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an.

Der CDU-Politiker soll laut einem Medienbericht am Dienstag in einer Konferenz des Gesundheitsausschusses gesagt haben: "Ich kann mir Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie, schlicht nicht vorstellen. Das ist bitter, aber so ist es."

Maskenball bekäme neue Bedeutung

An anderen Orten in Hessen hält man sich mit einem Entschuss noch zurück. "Es ist noch zu früh für eine Entscheidung. Wir warten erstmal ab und fangen nicht an, ein halbes Jahr vorher über eine mögliche Absage zu sprechen", sagte Axel Heilmann, Präsident des Großen Rates, der Dachorganisation der mehr als 50 Karnevalsvereine in Frankfurt. Man wolle sich die Möglichkeit offenhalten, Veranstaltungen durchzuführen.

Man müsse unterscheiden, welche Formen und Formate von Feiern möglich seien, sagte Heilmann. "Da bekommt der Begriff Maskenball vielleicht eine vollkommen neue Bedeutung", scherzte er in Anspielung auf die Maskenpflicht. Umzüge an der frischen Luft und Saalveranstaltungen dürfe man zudem nicht über einen Kamm scheren, sagte Heilmann. Anfang November wolle der Große Rat Frankfurt eine Beurteilung der Corona-Lage vornehmen.

In Frankfurt findet alljährlich der Umzug – immer sonntags – mit dem meisten Publikum in Hessen statt. Laut Veranstalter besuchen je nach Wetterlage 200.000 bis 400.000 Menschen den Umzug.

Abwarten beim Springerzug in Herbstein

Ein paar Nummern kleiner ist zwar alljährlich der Springerzug in Herbstein (Vogelsberg). Dafür ist der Umzug an Rosenmontag einer der ungewöhnlichsten im Land - mit einem bunt verkleideten närrischen Vortänzer, der nach einem alten Tiroler Brauch stundenlang durch die Stadt läuft und springt.  

Umzüge Fastnacht Herbstein

In Herbstein halten sie sich auch noch ein Hintertürchen auf. "Wir warten ab, da wir im Vergleich zu anderen Orten nicht den Zeitdruck haben. Wir bereiten erstmal alles wie gewohnt vor und wissen, dass wir bis Ende Dezember noch absagen können", sagte der Vorsitzende der Fastnachtsvereinigung, Manuel Hensler.

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„Karneval lässt sich nicht verbieten.“ Zitat von Manuel Hensler, Fastnachtsvereinigung Herbstein
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Denn erst im Januar wird die Krone des "Bajazz" in Herbstein alljährlich versteigert. Hensler betonte auch, dass man nichts veranstalten werde, was die Gesundheit der Menschen gefährde. Doch er gab zu bedenken: "Karneval lässt sich nicht verbieten. Es ist für viele Menschen ein Fest wie Weihnachten und Ostern." Die Anhänger würden schon für sich persönlich Mittel und einen verantwortbaren Weg finden.

Sendung: hr4, 19.08.2020, 12.30 Uhr