Strick mit Henkersknoten an einem Ast in schwarz-weiss.

Halloween ist eine amerikanische Erfindung - aber schön Gruseln kann man sich auch in Hessen. Hier sind sieben Ausflugstipps zu ruchlosen Rittern, gottlosen Nonnen und menschenfressenden Mädchen.

Wie wäre es mit einer Nachtwanderung oder einem abendlichen Spaziergang? Die meisten Orte lassen sich gut zu Fuß oder sogar mit dem Auto erreichen.

Gersfeld: Gottloses Dorf in der Rhön
Trendelburg: Das Grab der Riesin
Zierenberg: Gruselige Hochzeit in der Wichtelkirche
Kassel: Verfluchte Löwenburg
Braunfels: Kannibalischer Spuk
Kelkheim: Gespenstisches Kloster
Fränkisch-Crumbach: Rastlose Ritter

Gersfeld: Gottloses Dorf in der Rhön

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zum hr1.de Audio hr1-Gruselhörspiel: Der Fluch der Nonnen vom Roten Moor

Das Rote Moor mit Halloween-Umrahmung
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Die Bewohner des Dorfes Poppenrode in der Hohen Rhön ertränkten einst fromme Nonnen im Dorfteich, um an deren Kirchenschatz zu gelangen, so geht die Sage. Gottes Rache war grausam: Er lies den Teich übersprudeln, bis das ganze Dorf ertrunken und im Moor versunken war.

Heute ist das Rote Moor ein Naturschutzgebiet und kann gefahrlos auf einem drei Kilometer langen Rundweg erkundet werden. Er verläuft teilweise auf Bohlen und ist damit auch rollstuhlgerecht. Wer mehr Zeit und Kondition mitbringt kann die 18 Kilometer lange "Extratour Rotes Moor" antreten.

Weitere Informationen

Startpunkt

NABU-Haus am Roten Moor
Wanderparkplatz "Moordorf"
36129 Gersfeld (Rhön)

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Trendelburg: Das Grab der Riesin

Geheimnisvolle Orte in Hessen

Einst soll im Reinhardswald der Riese Kruko gehaust haben. Er hatte drei Töchter: Trendula, Saba und Brama. Da Trendula den heidnischen Göttern treu blieb, kam es nach dem Tod des Vaters zu handfesten Auseinandersetzungen mit ihren beiden christlich getauften Schwestern. Besonders Brama hatte unter ihrer Schwester Trendula schwer zu leiden und erblindete vom vielen Weinen. Die Schwestern ließen schließlich neue Burgen (die Sababurg und die Bramburg auf dem anderen Weserufer) bauen, um sich von ihrer Schwester zu trennen. Aus Zorn erwürgte Trendula ihre Schwester Saba. Sie selbst wurde daraufhin vom Blitz erschlagen.

Dieser Ort - der "Nasse Wolkenbruch" - ist ein noch heute beeindruckender Erdtrichter mit einem See in 45 Metern Tiefe. Er kann auf einem schmalen Pfad umrundet werden. Der kurze Weg führt vom Parkplatz "Wolkenbruch" dorthin.

Man kann das Grab aber auch als Abstecher in eine größere Wanderung rund um Trendelburg einbauen, zum Beispiel auf den Weg in den Ortsteil Gottsbüren. Dort gibt es eine Wallfahrtskirche, die ihre eigene Gruselgeschichte hat: Angeblich war im 14. Jahrhundert der Leichnam Christi in den Wäldern um Gottsbüren gefunden und in dieser Kirche aufgebahrt worden.

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Startpunkt

Parkplatz Wolkenbruch an der L763 zwischen Trendelburg und dem Ortsteil Friedrichsfeld.

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Zierenberg: Gruselige Hochzeit in der Wichtelkirche

Geheimnisvolle Orte in Hessen

So geht die Sage: Einst verliebte sich ein listiger Wichtelkönig in ein junges Mädchen aus Zierenberg und begegnete ihr in Menschengestalt. Doch die beiden trennte ihr unterschiedlicher Glaube und nur unter der Bedingung, dass er Christ werde, sollte die Hochzeit stattfinden. Eigens für die Vermählung baute er eine kleine Kirche aus funkelndem Bergkristall an der Quelle des Heilerbachs. Doch für das Mädchen blieb die schöne Kirche kalt und seelenlos, so dass es die Ehe ablehnte. Darauf verwandelte sich die Kirche in graues Basaltgestein. Das ist zumindest die Version, wie sie auf der Seite des Naturparks Habichtswald erzählt wird.

Die Wichtelkirche ist Teil des Naturschutzgebiets Dörnberg, das wiederum zum Naturpark Habichtswald gehört. Vom Infozentrum aus führt ein kurzer Spaziergang dorthin. Eine größere Wanderung ist die "Extratour Zierenberg" auf dem Habichtswaldsteig, ein 16,5 Kilometer langer Rundweg.

Weitere Informationen

Startpunkt

Naturparkzentrum Habichtswald
Auf dem Dörnberg 13
34289 Zierenberg

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Kassel: Verfluchte Löwenburg

Geheimnisvolle Orte in Hessen

Christian von Eschwege war ein mutiger, tapferer junger Jagdjunker und ein treuer Vasall des Kurfürsten Wilhelm I. Dieser ließ Ende des 18. Jahrhunderts die Löwenburg mitten im Bergpark Wilhelmshöhe im Stil einer mittelalterlichen Ritterburg errichten. Der Regent wünschte auch, dort begraben zu werden und zwar nach mittelalterlichem Brauch. Es sollte einen großen Leichenzug geben, angeführt von einem Ritter in schwarzer Rüstung. Diese Aufgabe übernahm Christian von Eschwege.

Dass die schwarze Rüstung der Legende nach mit einem Fluch belegt war, der ihrem Träger den baldigen Tod bringt, konnte den Junker nicht schrecken und tatsächlich verstarb Christian von Eschwege kurze Zeit später – der Fluch hatte zugeschlagen. Die schwarze Rüstung ist erhalten und in der Löwenburg zu besichtigen – nach dem Ableben des letzten Schwarzen Ritters hat sie niemand mehr getragen. Der Legende nach steigt der schwarze Ritter übrigens alle 17 Jahre aus seinem Grab und durchstreift den Bergpark Wilhelmshöhe - so erzählt es die Webseite des Kurorts Bad Wilhelmshöhe.

Der Bergpark ist heute ein gut erschlossenes Touristenziel, das rund um die Uhr besucht werden kann. Die Löwenburg wird zur Zeit renoviert, einige Räume sind im Rahmen von Führungen zu erleben.

Weitere Informationen

Startpunkt

Besucherzentrum Wilhelmshöhe
Wilhelmshöher Allee 380
34131 Kassel
Der Weg durch den Bergpark bis zur Löwenburg dauert etwa eine Stunde. Für Gehbehinderte gibt es - nach Absprache - einige Behindertenparkplätze an der Burg.

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Braunfels: Kannibalischer Spuk

Ein Seil mit einem Henkersknoten hängt an einem Baum

Der Würgengel - ein verlassener und verwunschener Ort mitten im Wald. Kein Wunder, wenn man dort unheimliche Begegnungen hat, bei dieser Geschichte: Ein Mädchen frisst seine eigenen Eltern bei lebendigem Leibe auf - niemand weiß warum. Das Mädchen wird zum Tode verurteilt und in einem Baum erhängt. Besucher sehen sie manchmal noch heute dort hängen, hören ein Flüstern oder leises Weinen, das ist die Mutter. Auch der Vater wird manchmal gesichtet, er trägt einen langen schwarzen Mantel mit Kapuze - das erfährt man in einschlägigen Online-Foren.

Wer sich dagegen mehr für Industriegeschichte interessiert findet an der Grube Würgengel im Wald bei Braunfels Überreste des Tagebaus, in dem bis 1945 dem Erz abgebaut wurde.

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Startpunkt

Vom Sportplatz im Stadtteil Tiefenbach sind es etwa 20 Minuten, vom Parkplatz Obermühle in Braunfels etwa 30 Minuten zu Fuß.

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Kelkheim: Gespenstisches Kloster

Felsengruppe im Wald

Am oberen Hang des Berges Rossert stand einst ein Kloster, in dem lebten fromme Nonnen, die viel Gutes taten. Sie halfen den Menschen in der Nachbarschaft bei Krankheit und Hunger. Doch mit den Jahren wurden die Nonnen alt und starben. Danach zogen adlige Stifts-Fräulein in das Kloster ein, die nicht die Gesetze Gottes achteten. Sie hatten nur ihr Vergnügen im Sinn. Manchmal amüsierten sie sich sogar mit den Rittern von Eppstein und Falkenstein in den Wäldern.

Wieder einmal wurde das Jagdhorn geblasen. Die adligen Damen setzten einem weißen Hirsch nach, der sich in seiner Not im hohen Korn verstecken wollte. Ohne daran zu denken, dass sie die Ernte des Bauern vernichteten, stürmten sie auf das Feld und jagten den Hirsch bis auf den Rossert. Dort wehte plötzlich ein eiskalter Wind. Die Klostermauern stürzten zusammen. Der Sturmwind blies in die Herzen der Reiterinnen. Erbärmlich kalt wurde ihnen und sie erstarrten zu Stein. Die schroffen Klippen, die man heute auf dem Berg beim Kelkheimer Stadtteil Eppenhain sieht, sind natürlich die versteinerten Frauen. So erzählt es die Stadt Kelkheim auf ihrer Webseite kelkheim-entdecken.de.

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Startpunkt

Vom Stadtteil Eppenhain läuft man etwa eine viertel Stunde bis zum Aussichtspunkt Eppoblick, vom Natursteinwerk Fischbach aus sind es ca. 30 Minuten.

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Fränkisch-Crumbach: Rastlose Ritter

Burg Rodenstein, Reichelsheim i. Odenwald

Eines Tages geriet einer der Ritter der Burg Rodenstein mit einem Nachbarn in Streit, den er glaubte in einem Krieg ausfechten zu müssen. Seine schwangere Frau flehte ihn an, nicht zu gehen, denn sie fürchtete um sein Leben. Als sie ihn festhielt, stieß er sie von sich. Sie fiel unglücklich und starb zusammen mit ihrem ungeborenen Kind. Tags darauf erschien sie ihm als weiße Frau im Traum und verfluchte ihn dazu, mit dem Wilden Heer umherzuziehen und Krieg und Frieden anzukündigen.

Der Zug wurde noch bis ins späte 20. Jahrhundert als Männergeschrei mit Hufgeklapper, Büchsenknallen, Kettenrasseln und Hundegebell wahrgenommen, behauptet das Rodenstein-Museum auf seiner Webseite. Heute ist von der Burg jedenfalls nur noch eine Ruine übrig, auf einem Rundweg erzählen Hinweistafeln die Geschichte.

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Startpunkt

Vom Wanderparkplatz Rodenstein in Fränkisch-Crumbach läuft man etwa eine viertel Stunde zur Burg. Vom benachbarten Hofgut, einem Hotel, fünf Minuten.

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Sendung: hr1 am Vormittag, 27.10.2020, 9-12 Uhr