Städtetipp Korbach: Hinter der Stechbahn erscheint die Kilianskirche zwischen den Fachwerkhäusern.
Hinter der Stechbahn erscheint die Kilianskirche zwischen den Fachwerkhäusern. Bild © Vogel

Die Hessentagsstadt Korbach hat eine Spalte, die größte Goldlagerstätte in Deutschland und einen eigenen "Dackel". Ist das Landesfest vorbei, wird im kommenden Jahr wieder ein eigener kleiner Hessentag gefeiert - vor historischer Kulisse.

Jedes Jahr Hessentag in der eigenen Stadt - was für den Steuerzahlerbund nach Horrorvorstellung klingt, ist für die Korbacher ein kleiner Traum, der wahr wurde: Im Anschluss an das Landesfest 1997 in Korbach fragte man sich in der Kreisstadt Waldeck-Frankenbergs: "Das ist ja super, warum machen wir das eigentlich nicht öfter?" Also wurde das Altstadt-Kulturfest in den Gassen der Stadt ins Leben gerufen, das seit nunmehr 20 Jahren mit Begeisterung gefeiert wird. Ab dem 25. Mai ist es nun wieder Zeit für den großen Bruder - den 58. Hessentag. Doch auch abseits solcher Festivitäten lohnt sich ein Besuch in Hessens einziger Hansestadt.

Korbach liegt eine gute Viertelstunde vom östlichen Ufer des Edersees und des Nationalparks Kellerwald entfernt. Von Kassel fahren Sie mit dem Auto eine knappe Stunde, von Marburg ebenfalls. Einmal angekommen, ist die Kernstadt mit historischem Zentrum und 18.500 Einwohnern überschaubar und problemlos zu Fuß zu erkunden. Zum Bummeln und Eisessen gibt es eine frisch renovierte Fußgängerzone. Sie erstreckt sich vom Bahnhof aus durch das Berndorfer Tor, von den Korbachern herrlich schnörkellos "das Loch" genannt, bis zur Altstadt mit Fachwerkhäusern und kleinen Gassen.

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Das schönste Gebäude

Am Rathausplatz, der Schnittstelle zwischen Fußgängerzone und Altstadt, stehen sich zwei der markantesten und schönsten Gebäude Korbachs gegenüber. Auf der einen Seite prangt das historische Rathaus mit dem gotischen Treppengiebel, das 1377 das an der einstigen Grenze zwischen Alt- und Neustadt errichtet und nach dem großen Stadtbrand im 17. Jahrhundert wieder aufgebaut wurde. Kleiner Wermutstropfen: In den Siebzigern bekam das imposante Gebäude einen, nun ja, damals "zeitgemäßen" und somit aus heutiger Sicht wenig schmeichelhaften Anbau verpasst. Doch halten wir uns damit nicht lange auf, sondern drehen wir uns lieber um.

Denn kaum weniger beeindruckend ist vis-à-vis das dreistöckige, weiß-blau strahlende "Lebach'sche Haus", das größte Fachwerkgebäude Korbachs - und das schönste. Das 1595 gebaute und ebenfalls nach dem Stadtbrand wiederhergestellte Haus mit der liebevoll restaurierten Fassade beherbergt seit 1987 die Stadtbücherei. Neben dem klassischen Verleih finden hier regelmäßig Autorenlesungen, Poetry Slams und Vorträge statt - natürlich auch während des Hessentags.

Städtetipp: Das ist die Stadtbücherei in Korbach.
Die Stadtbücherei ist im größten Fachwerkhaus von Korbach beheimatet. Bild © Vogel

Das Highlight

So einfach es klingt: die Altstadt. Schaut man sich vom Rathaus aus um, befindet man sich schon mittendrin: Im Mittelalter duellierten sich hier Ritter in Lanzenturnieren, heute ist die Gegend rund um die Stechbahn das Ausgehviertel Korbachs. In vorderster Front der historischen Hauptstraße reihen sich die Fachwerkhäuser mit Kneipen, Restaurants und Hotels aneinander, in den Gassen sind niedliche Cafés versteckt.

Gesäumt wird die Altstadt von einem grünen Ring, der zwischen der alten und der "neuen" Stadtmauer entlang führt. Hier ist auch die Freilichtbühne einen Blick wert, die in den Sommermonaten von Amateuren gespielte Theaterstücke präsentiert.

Wer sich durch die Nischen der Altstadt geschlängelt hat, gelangt am Ende der Stechbahn im Südosten zum Katthagen. Dort steht das älteste bewohnbare Fachwerkhaus der Stadt, das "Haus Nolden", auch als "Haus Schwalenstöcker" bekannt. Der Patrizierbau von 1593 ist eines der wenigen Gebäude der Stadt, das den großen Brand von 1664 schadlos überlebte.

Städtetipp Korbach: Die Stechbahn ist das Zentrum der Korbacher Altstadt.
Die Stechbahn mit dem alten Rathaus (li.) ist das Zentrum der Korbacher Altstadt. Bild © Vogel

Das Original

Ein echtes Original, im wörtlichen Sinn, ist die Korbacher Spalte. In der südlich der Stadt gelegenen Fossilfundstelle, die zu den bedeutendsten Deutschlands gehört, wurde einer unserer ältesten Vorfahren entdeckt - der "Korbacher Dackel". Der ist natürlich nicht wirklich ein Dackel, sondern ein säugetierähnliches Reptil, aber weil den Namen "Procynosuchus" ohnehin niemand aussprechen kann und das Lebewesen ein kleines bisschen wie ein Haustier aussieht, nennen die Waldecker ihn eben "Dackel".

Die Ablagerungen der 20 Meter tiefen und einen Kilometer langen Gesteinsspalte sind bis zu 250 Millionen Jahre alt - und damit älter als die ältesten Dinosaurier. Heute gibt es hier eine Besucherplattform, viele Funde sind zudem im preisgekrönten Wolfgang-Bonhage-Museum direkt neben der gotischen Kilianskirche ausgestellt.

Städtetipp Korbach: Die Korbacher Spalte.
Die Korbacher Spalte ist Teil eines Steinbruchs, in dem über mehrere Jahrhunderte Kalk abgebaut wurde. Bild © Vogel

Der besondere Ort

Im Westen der Altstadt reckt sich aus der alten Stadtmauer der Tylenturm, eines der Korbacher Wahrzeichen, in die Höhe. Benannt nach einer früher dort ansässigen Familie wurde der 25 Meter hohe Verteidigungsturm im 14. Jahrhundert als Teil der Stadtbefestigung gebaut.

Anlässlich des Hessentages 1997 wurde der Tylenturm mit einem aus Holz gezimmerten Aufgang und einer Dachkonstruktion versehen und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Von der kleinen Aussichtsplattform blicken Besucher auf die Stadt und darüber hinaus ins Waldecker Land. Zum Beispiel in Richtung des Eisenberges - dem Hausberg vor den Toren der Stadt.

Städtetipp Korbach
Der aus der Stadtmauer herausragende Tylenturm ist eines der ältesten Bauwerke Korbachs. Bild © Vogel

Der Insider-Tipp

Man kann Korbach nicht beschreiben, ohne über Gold gesprochen zu haben. "Goldrichtig!" ist der Werbespruch der Hansestadt, auf deren Gehwegen eine "Goldspur" von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten führt. Und der Eisenberg ist die Schatzkammer Korbachs: Hier befindet sich die größte Goldlagerstätte in Deutschland. Obwohl sie relativ klein ist, hat das Gestein nämlich einen bemerkenswert hohen Goldgehalt. 500 Jahre lang wurde hier Bergbau betrieben, vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit. Der kleine Ort am Hang des Berges, wo heute Korbachs Hautevolee wohnt, heißt - wenig überraschend - Goldhausen.

Auf dem Eisenberg angekommen, kann man durch ein paar Meter Wald zu einem Besucher-Bergwerksstollen schlendern, auf die Spitze des Berges zum Georg-Viktor-Turm wandern oder einfach nur im kleinen Café eine Cola trinken. Die beste der drei Optionen ist in jedem Fall der kostenlose Besuch des Turmes auf der Burgruine - die Aussicht ist nämlich fantastisch, und dennoch ist es dort nicht von Touristen überlaufen.

Städtetipp Korbach: Georg-Viktor-Turm auf dem Eisenberg bei Goldhausen.
Den Georg-Viktor-Turm auf dem Eisenberg bei Goldhausen können Besucher in den sonnigen Monaten kostenlos erklimmen. Bild © Vogel
Städtetipp Korbach: Der Ausblick vom Eisenberg.
Vom Georg-Viktor-Turm auf dem Eisenberg bei Goldhausen kann man Korbach aus der Ferne sehen - und sehr viel Grün. Bild © Vogel