Bmx Park Darmstadt

Auf 2.550 Quadratmetern hat Darmstadt ein Freizeitparadies für BMX-Fahrer geschaffen. Skater dürfen die Anlage aber nicht befahren. Sie fühlen sich vernachlässigt. Die Stadt signalisiert Gesprächsbereitschaft.

Audiobeitrag

Audio

Audioseite Diskussionen um neuen BMX-Park

Bmx Park Darmstadt Rampe
Ende des Audiobeitrags

In Darmstadt ist eine neue Sportanlage der Superlative entstanden: ein BMX-Park, wie man ihn sonst nur aus der amerikanischen Profiliga kennt. Auf rund 2.550 Quadratmetern Fläche laden zahlreiche Holzrampen zum akrobatischen Biken ein.

Mit steilen Sprungschanzen und einem großen Betonbecken - der "Bowl" - bietet der Park verschiedene Schwierigkeitsgrade. Anfänger wie Fortgeschrittene sollen hier auf ihre Kosten kommen. Sogar ein inklusiver Bereich speziell für Rollstuhlfahrende wurde bedacht. Ein Traum für alle rollenden Freizeitsportler, möchte man meinen. Aber längst nicht alle dürfen die Anlage einfach so nutzen.

Videobeitrag

Video

zum Video Neuer Skatepark in Darmstadt

Skatepark in Darmstadt
Ende des Videobeitrags

Zutritt erstmal nur für Vereinsmitglieder

"Coronabedingt dürfen momentan nur Vereinsmitglieder auf das Gelände. Das sind noch Pandemie-Auflagen, um zu kontrollieren, wie viele Leute sich hier tummeln", sagt Nico Rett, Vorsitzender des 1. Darmstädter Skate- und BMX-Vereins, der die Anlage seit Anfang Mai verwaltet.

"Nach der Pandemie soll der Park aber irgendwann öffentlich zugänglich sein. Zumindest für BMXer." Und genau in dieser Exklusivität liegt für eine Vielzahl der Freizeitsportler in Darmstadt das Problem.

Bmx Park Skater verboten

Kein Zutritt für Skater und Scooter

Offiziell werden andere Rollsportarten wie etwa Skateboard- oder Scooter-Fahren in dem neuen Park nämlich nicht erlaubt. Bernd Neis von der Darmstädter Stadtentwicklung verteidigt diese Entscheidung mit Verweis auf mehrere Gründe.

Da wäre etwa die Frage nach der Größe: 2.500 Quadratmeter hätten für eine Kombi-Anlage, die von BMX-Fahrern und Skatern gleichermaßen genutzt wird, nämlich nicht ausgereicht, sagt Neis. Mehr Grünfläche hätte dafür weichen müssen. "Der Park hat aber auch für andere besuchende den Auftrag der Naherholung."

Außerdem, so Neis, steige die Unfallgefahr bei verschiedenen Rollsportarten auf ein und derselben Anlage. Er verweist stattdessen auf die bereits bestehende Skatebahn in unmittelbarer Nachbarschaft.

Skateboards sind zu laut

Ein weiterer Punkt: der Lärmschutz. Teil der neuen Anlage ist unter anderem eine sechs Meter hohe Lärmschutzwand. Sie soll Anwohner, Schulen und andere naheliegende Einrichtungen vor Lärmbelästigung schützen.

Ein TÜV-Gutachten bestätigt: Das Befahren der Rampen mit Fahrrädern liegt im akustischen Normbereich. Skateboards hingegen wären auf dem Holzparcours deutlich lauter.

Skaterszene enttäuscht

Dave Sattler gehört seit Jahren der Darmstädter Skaterszene an. Nun zu lesen, dass das Befahren des Megaparks mit dem Skateboard ausdrücklich untersagt ist, findet der 30-Jährige schade: "Als Skate-Community ist es natürlich verletzend, so etwas zu sehen."

Die "Bowl" etwa wäre für Skater durchaus reizvoll gewesen. Zumal die offizielle Skatebahn der Stadt, das KC Plaza, seit zehn Jahren Treffpunkt nicht nur der Darmstädter Skaterszene ist und damit mehr als nur ausgelastet. Sattler beobachtet, "dass die Community von Jahr zu Jahr größer wird. Es kommen immer mehr Skater dazu."

Skatebahn Plaza Darmstadt

Gleichzeitig ist die Plaza ein beliebter Treffpunkt für junge Familien geworden. Und so tummeln sich auf dem frei zugänglichen Gelände bei gutem Wetter erfahrene Skater neben Zehnjährigen auf Inline-Skates, Fünfjährigen auf Scootern und nicht selten Zweijährigen, die die ersten Fahrversuche auf ihren Bobbycars machen. Ein nicht immer ungefährliches Schauspiel.

"Hier gibt's keinen Beef"

Der Bedarf an einer weiteren Skate-Anlage scheint in Darmstadt also durchaus gegeben. Dass die Skate-Community bei dem 1,6 Millionen teuren neuen Park nicht mitbedacht wurde, wirkt auf den ersten Blick unverständlich. Zumal die BMX- und Skaterszene doch sehr nah beieinander liegen.

Von verpassten Chancen für die Darmstädter Skater will Sattler aber nichts wissen. Er beteuert: "Zwischen den Communities gibt's deswegen keinen Beef. Wir sind cool miteinander, und wenn wir ehrlich sind: Auf der Plaza dürfen offiziell weder Bikes noch Kinder unter acht Jahren fahren. Die Realität sieht anders aus."

Eine weitere Anlage für Skater wäre aus Sicht von Sattler dennoch angemessen. Die Stadt steht hier für ihn in der Bringschuld: "Als die Lincoln-Siedlung in Darmstadt neu gemacht wurde, wurde dort ein Skatepark abgebaut. Eigentlich mit dem Ziel, woanders nochmal aufgebaut zu werden." Doch das Projekt sei "irgendwie im Sand verlaufen. Wir Skater würden uns freuen, wenn das nochmal aufgegriffen würde."

Erweiterung der Skatebahn grundsätzlich nicht ausgeschlossen

Bernd Neis von der Darmstädter Stadtentwicklung zeigt sich gesprächsbereit, was eine Erweiterung des Plaza angeht. "Momentan gehen wir davon aus, dass die Pandemie für die hohe Auslastung der Skatebahn mitverantwortlich ist. Kinder haben ja kaum andere Möglichkeiten, Sport zu treiben."

Die Stadtentwicklungsgesellschaft als offizieller Betreiber der Sportstätten im Bürgerpark wolle die Nutzung der beiden Anlagen jetzt erst einmal beobachten. Neis könne sich aber durchaus vorstellen, die Skatebahn gegebenenfalls auszubauen.