Schnee in Hessen

Im vorigen Winter schmolzen die Hoffnungen auf eine Wintersportsaison coronabedingt dahin. Fast überall herrschte Stillstand. In diesem Winter hoffen die Skilift-Betreiber, dass alles besser wird - trotz massiv steigender Corona-Zahlen.

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Beim Gedanken an Eiseskälte und Dauerfrost wird ihnen warm ums Herz. Die Macher in Hessens Skigebieten erwarten gerade nichts sehnlicher als Naturschnee und durchgefrorene Böden. Auf denen bleibt - wenn schon nicht genug vom Himmel kommt - wenigstens der Kunstschnee liegen. Er bildet schließlich die Grundlage für Ski-, Snowboard- und Schlittenfahrer auf den Mittelgebirgshängen in Nord-, Ost- und Mittelhessen.

Das Wetter muss nur noch seinen Beitrag leisten, damit die Wintersport-Saison Fahrt aufnehmen kann. In den meisten Skigebieten laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren oder sind bereits auf der Zielgeraden.

Schnee lässt zwar aktuell noch auf sich warten. Aber mit Blick aufs Wochenende könnte im Bergland etwas fallen. "Möglich, dass die Höhenlagen angezuckert werden", berichtet Sabine Krüger vom Deutschen Wetterdienst. Kälter wird es auch. Im Bergland soll es nachts gefrieren.

Pandemie soll nicht zur Spaßbremse werden

Das Wetter ist das eine, Corona das andere. Die Liftbetreiber hoffen, dass sich die Corona-Pandemie nicht wieder als Spaßbremse für die Wintersport-Saison entpuppt. In fast allen Skigebieten fiel die vorige Saison komplett aus. Und dabei war es ein so schneereicher Winter, der beste Bedingungen für eine traumhafte Saison bot.

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Audioseite Vorbereitungen auf die Wintersportsaison in Hessens Skigebieten.

Skigebiet Willingen
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Die bangen Blicke gehen angesichts der dramatisch steigenden Corona-Zahlen immer wieder zur Politik. Dort werden die Regeln aufgestellt, was mit der Pandemie und dem Infektionsgeschehen vereinbar ist. Die Wintersport-Gebiete eint der feste Glaube: Diese Saison wird nicht erneut von der Politik auf Eis gelegt. Einen Lockdown soll es nicht mehr geben.

Hessen fordert "sportartspezifisches Hygienekonzept"

In der aktuellen Corona-Schutzverordnung (Paragraph 20) des Landes Hessen werden Skilifte unverändert als Sportstätten eingestuft. Für sie muss lediglich ein "sportartspezifisches Hygienekonzept" vorliegen. Von 2G oder 3G ist dort nicht die Rede. Es können also Ungeimpfte die Skilifte nutzen, wenn dieser Paragraph nicht noch verschärft wird. Doch danach sieht es derzeit nicht aus, wie die Landesregierung erklärte.

Da der Skibetrieb an der frischen Luft stattfinde, sei er ungefährlicher mit Blick auf Infektionrisiken. Zudem müsse man sich fragen, ob strengere Regeln verhältnismäßig seien, sagte Regierungssprecher Michael Bußer auf Anfrage. In Skihütten und der Gastronomie gilt hingegen 2G.

In Willingen (Waldeck-Frankenberg), Hessens größtem Skigebiet mit 17 Pistenkilometern, haben bereits im September Vorbereitungen begonnen. Wiesen und Hänge wurden präpariert, Zäune ab- und Schneekanonen aufgebaut. Sessellifte, Seil- und Kabinenbahnen wurden gecheckt. Pistenraupen warten in den Depots auf ihren Einsatz.

Skilift

Gute Vorsaison trotz später Öffnung in Willingen

Willingen war in der Vorsaison das einzige größere Skigebiet, das in Hessen noch öffnete. Erst Anfang März gestattete die Politik das Pisten-Treiben. Denn: Der Skibetrieb wurde in den Verordnungen nicht mehr als Freizeiteinrichtung, sondern als Sportstätte eingestuft. Am 8. März erfolgte der Saison-Startschuss. Es kamen immerhin noch zu 42 Lifttage zusammen. "Es war letztlich eine relativ gute Saison", bewertet Skigebiets-Sprecher Jörg Wilke.

In dieser Zeit und der Sommer-Saison (mit Liftbetrieb für Biker und Wanderer) habe sich das Corona-Konzept bewährt. Tickets wurden über einen Online-Shop verkauft, um Kontakte zu vermeiden. Weil immer nur ein gewisses Kontingent freigegeben wurde, wurde das Skigebiet nicht von Besuchern überrannt. Auch die Sessellifte wurde nicht komplett ausgelastet, um den Abstand bei Bergfahrten zu wahren. Das sportartspezifische Hygienekonzept bestand unter anderem darin, dass Hygiene- und Abstandsregeln sowie Maskenpflicht gefordert wurden.

Liftbetreiber wollen mit Landkreis sprechen

"Es hat alles sehr gut geklappt", sagt Skigebietssprecher Wilke. "Wir sind überzeugt, dass wir auch in dieser Saison mit diesem Konzept für Individualsportler ein sicheres Ski-Vergnügen bieten können." Unter welchen Bedingungen? 2G oder 3G - das ist derzeit ungewiss. Die Liftbetreiber wollen erst noch mit dem Landkreis sprechen, ob es Verschärfungen über die Ansagen des Landes hinaus geben soll.

Susanne Schulten, Sprecherin der Wintersport-Arena Sauerland, zu der Willingen und das benachbarte Winterberg (Nordrhein-Westfalen) gehören, sagt: "Wir warten darauf, wie die Verordnungen aussehen. Unsere Konzepte liegen in der Schublade. Sie können an die dann geltenden Regelungen angepasst werden. Wir gehen davon aus, dass es auf 2G hinauslaufen wird."

"Das hätte sich nicht mehr gerechnet"

Auf der Wasserkuppe, Hessens höchstem Berg (950 Meter), herrscht ein ähnliches Bild wie in Willingen. Die Vorbereitungen laufen in der Ski- und Rodelarena. Schneekanonen werden in Stellung gebracht, Bügel an die Schlepplifte-Seile montiert und noch letzte Wartungsarbeiten erledigt. Die Betriebserlaubnis in der vorigen Saison kam zu spät für den Liftbetreiber Wiegand. "Das hätte sich für uns nicht mehr gerechnet", sagt Betriebsleiter Florian Heitmann in Gersfeld (Fulda).

Nun blickt Heitmann zuversichtlich der Saison entgegen, die dem Corona-Spuk ein Ende setzen soll. Ob 2G zu beachten ist, wonach Genesene und Geimpfte fahren dürfen, oder zusätzlich auch Getestete als 3G-Regel - das ist für Heitmann unerheblich: "Wir werden uns auf alles flexibel einstellen."

Ein Skifahrer fährt auf einer Skipiste auf der Wasserkuppe einen Hang hinab.

2G-Wunsch: Von Ungeimpften nichts kaputt machen lassen

Nicht weit von der Wasserkuppe entfernt im kleinen Skigebiet am Zuckerfeld ist Betriebsleiter Harald Jörges gedanklich schon einen Schritt weiter. Er hält 2G für "die richtige Lösung": "Wir wollen uns von den Ungeimpften ja nichts kaputt machen lassen", sagt er und hofft, dass er den Lift für die fünf Abfahrtsvarianten endlich wieder anstellen kann. "Es ist alles aufgebaut. Wir warten nur noch aufs passende Wetter, damit die Schneekanonen loslegen können."

Ganz auf Naturschnee versucht man sich im Skigebiet auf dem Hoherodskopf (764 Meter) im Vogelsberg zu verlassen. Dort werden die beiden Lifte an der Rennwiese und auf dem Breungeshainer Hang startklar gemacht. "Wir gehen davon aus, dass wir den Betrieb in diesem Winter ausüben können. Es sind schließlich Sportanlagen auf der frischen Luft. Und mit einem sicheren Konzept kann man den Betrieb gewährleisten", erklärt Jeremias Kümpel vom Skilift-Betreiber Wiegand in Rasdorf (Fulda).

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Corona-Regeln in Skigebieten

Als erstes deutsches Skigebiet startete am 19. November die Zugspitze (2.962 Meter). Nur Geimpfte und Genesene (2G-Regel) dürfen dort vorerst in die Bergbahnen steigen und müssen FFP2-Masken tragen. Die Kabinen fahren maximal mit zwei Dritteln der Gäste - für mehr Abstand. Wie das in anderen deutschen Skigebieten sein wird, ist noch offen. Auch in der bayerischen Rhön warten die Organisatoren auf Schnee und Planungssicherheit in Sachen Corona-Regeln. In Österreich ist die Lage ernst. Seit dem 22. November gilt ein Lockdown (bis 13. Dezember). Touristische Reisen nach Österreich sind erst danach möglich, berichten die Tourismus-Behörden. Aktuell gilt an Seilbahnen und in Hütten die 2G-Regel - allerdings dürfen nur die Einheimischen fahren. Tests (Antigen, PCR, Antikörper) reichen nicht. Einen Überblick zur Corona-Lage in der Alpenländern gibt etwa der ADAC.

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