Überregional bekannt ist Bad Hersfeld besonders wegen den jährlichen Festspielen in der Stiftsruine. Aber auch darüber hinaus hat die kleine Stadt viel zu bieten: die älteste Kirchenglocke Deutschlands, ein interaktives Museum und den Erfinder des Dudens.

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Fachwerkhaus in Bad Hersfeld

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Mitten in Deutschland findet man die Festspielstadt Bad Hersfeld. Sie ist Kreisstadt des Landkreises Hersfeld-Rotenburg im Nordosten von Hessen und wird je nach Definition zu Nordhessen oder zu Osthessen gezählt. Dieses Jahr ist Bad Hersfeld Veranstaltungsort des 59. Hessentages. Nach über 50 Jahren kehrt der Hessentag wieder in die Festspielstadt zurück. Vom Freitag bis zum 16. Juni finden zahlreiche Konzerte und Veranstaltungen statt. Mehr als 1.000 Programmpunkte soll es geben.

Bad Hersfeld möchte außerdem Vorreiter in Sachen Klimaschutz in Hessen sein. Mit dem Projekt "Klimafreundlicher Hessentag" sollen die realen Emissionen und Auswirkungen eines Hessentags auf die Umwelt ermittelt werden. Mit intelligenter Straßenbeleuchtung, sogenannten "Humble Lampposts" werden die Umweltdaten gemessen.

Doch auch außerhalb großer Events lohnt sich ein Besuch in der kleinen Stadt. Von Kassel fährt man mit dem Auto knapp eine Stunde nach Bad Hersfeld, von Fulda aus sind es ungefähr 45 Minuten. Erstmal in der Stadt angekommen, lässt sich aber alles problemlos zu Fuß erkunden.

Das schönste Gebäude

Neben seinem Ruf als Festspielstadt ist Bad Hersfeld auch als Kurort bekannt. Vor über 100 Jahren begann die Entwicklung der Stadt zum Kurort mit der Neubohrung der Lullusquelle. Vor allem das Kurhaus im Jugendstil und der preisgekrönte Kurpark sind echte Hingucker.

100 Jahre nach seiner Entstehung wurde der alte Kurpark einer umfassenden Verjüngung unterzogen und präsentiert sich seitdem in neuer Gestalt. Unter dem Motto "Park der Jahreszeiten" sind verschiedene Themengärten entstanden. Der Zauber der verschiedenen Jahreszeiten begleitet die Besucher durch den Park und macht ihn nicht nur für Kurgäste zum beliebten Ausflugsziel. 2008 wurde der Park der Jahreszeiten als zweitschönster Park Deutschlands ausgezeichnet. Auch im Rahmen des Hessentages soll der Park genutzt werden.

Kurhaus und Park: Bad Hersfeld
Im linken Flügel des Kurhauses finden regelmäßig Kurkonzerte statt. Außerdem dient der Konzertsaal als Außenstelle des Standesamtes. Im rechten Flügel sitzt die Kurverwaltung. Bild © Stadt Bad Hersfeld

Das Highlight

Ein richtiger Hingucker ist die Bad Hersfelder Altstadt. Hier reiht sich ein Fachwerkhaus an das nächste. Gleich über 216 denkmalgeschützte Gebäude gibt es. Besonders sehenswert ist das Rathaus der Stadt. Es wurde 1371 im Stil der Gotik erbaut und im 17. Jahrhundert im Stil der Renaissance erweitert und umgebaut.

Auch die Evangelische Stadtkirche ist ein absolutes Muss bei einem Besuch in Bad Hersfeld. Ihr markanter Kirchenturm ist das Wahrzeichen der Stadt. Direkt gegenüber der Kirche findet man das Küsterhaus. Es ist das älteste Fachwerkhaus Bad Hersfelds und stammt aus dem Jahr 1452.

Bad Hersfeld: Altstadt Rathaus
Die Rückseite des Rathauses. Das Rathaus ist seit dem 14. Jahrhundert Sitz der Stadtverwaltung von Bad Hersfeld. Bild © Michelle Goddemeier

Das Original

Bekannt geworden ist die Stiftsruine vor allem als Kulisse der Bad Hersfelder Festspiele. Seit 1951 finden die Spiele in der Ruine schon statt. Jährlich von Juli bis September sind die Stücke auf einer 1.300 Quadratmeter großen Bühne zu sehen. Damit ist sie eine der größten Bühnen Europas.

Doch die Stiftsruine hat noch mehr Geschichte zu bieten. Denn sie ist die größte romanische Kirchenruine der Welt. Ihre Gründung geht auf den Mainzer Bischof Lullus zurück, der 769 auf dem Gelände ein Kloster erbauen ließ. Einmalig ist vor allem die Lullus-Glocke im Katharinenturm der Stiftsruine. Sie wurde im Jahr 1038 hergestellt und ist somit die älteste gegossene Glocke Deutschlands.

Die an die 1000 Jahre alte Lullusglocke
Und noch eine Erinnerung an den Stadtgründer: Die an die 1.000 Jahre alte Lullusglocke (Archivfoto) im Katharinenturm der Stiftsruine. So alt ist keine andere datierbare, gegossene Glocke in Deutschland. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Im Rahmen des Hessentags bekommen Besucher die Möglichkeit, die Stiftsruine näher kennenzulernen. An zwei Samstagen (8. und 15. Juni) finden Tage der offenen Tür statt. Der Eintritt ist frei. Es soll eine moderierte Show geben, bei der die Besucher die Proben einzelner Stücke anschauen können. Auf der Bühne werden aber auch die stehen, die sonst hinter der Bühne arbeiten. Kostüm- und Maskenbildner, Ton- und Lichtspezialisten, Bühnenmeister und Requisiteure werden ihre Arbeit zeigen. Außerdem soll es Konzerte geben.

Stiftsruine Bad Hersfeld
Die Stiftsruine ist das Aushängeschild der Bad Hersfelder Festspiele. Bild © Michelle Goddemeier

Der besondere Ort

Die Themen Sprache und Kommunikation sind in Bad Hersfeld wichtig. Das geht vor allem auf die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner zurück. So brachte Konrad Duden während seiner 29-jährigen Dienstzeit als Direktor am Hersfelder Gymnasium das erste Wörterbuch der deutschen Sprache heraus: den Duden. Damit schaffte er die Grundlage für eine einheitliche deutsche Sprache.

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Auch auf der technischen Ebene ist Bad Hersfeld Vorreiter. Konrad Zuse trieb mit der Erfindung des Z1, des ersten Computers, letztlich die Beschleunigung der menschlichen Kommunikation voran. Ab 1957 baute sein Unternehmen, die Zuse KG, in Bad Hersfeld Computer auf Bestellung.

Konrad Zuse und Konrad Duden
Die beiden berühmten Konrads der Stadt: Konrad Zuse und Konrad Duden. Bild © Michelle Goddemeier

Alles rund um das Thema Sprache und Kommunikation können Besucher im wortreich-Museum erleben. Bundesweit einmalig ist die Ausstellung auf 1.200 Quadratmetern mit mehr als 90 Mitmach-Exponaten. An den Mitmachstationen können die Besucher mit Buchstaben Basketball spielen, in die Rolle eines Theater-Stars schlüpfen, mit den Augen schreiben oder einen Ball nur mit den Gedanken bewegen.

Die Ausstellung ist auf alle Altersgruppen ausgelegt, von der Vorschule bis zum Seniorenalter. Beim Hessentag wird es zahlreiche Führungen durch das Museum geben.

Bad Hersfeld: Wortreich
Im wortreich kommen Groß und Klein auf ihre Kosten. Die Ausstellung ist aufgebaut wie ein großes Buch mit elf Kapiteln. Bild © Michelle Goddemeier

Der Insider-Tipp

In der Altstadt von Bad Hersfeld betreibt Joachim Grebe das Traditionsunternehmen Carl Grebe. Das Besondere: Der versteckte Kellereingang mitten in dem Haushaltswarengeschäft. Über eine kleine Treppe gelangt man in den sogenannten Grebe-Keller. In dem ehemaligen Luftschutzbunker können Besucher Konzerte, Musicals und seit neuestem auch Ausstellungen besuchen.

Treppe Grebe-Keller Bad Hersfeld
Über diese kleine Treppe gelangt man in den Grebe-Keller. Bild © Michelle Goddemeier

Nach dem Krieg wurde der Gewölbekeller vor allem als Lagerort benutzt. Anschließend für private Feiern. Seit 2004 finden in dem historischen Keller ungefähr acht Veranstaltungen pro Jahr statt und die sind meist sehr schnell ausverkauft. "Die Atmosphäre hier ist eine ganz besondere", sagt Götz Geißler vom Verein Festspielgeflüster.

Im Grebe-Keller könne man auch mal Theaterstücke aufführen, die in anderen Lokalitäten nicht auf so eine große Begeisterung stoßen würden. Passend zum Hessentag können Interessierte eine Vernissage im Grebe-Keller besuchen.

Bad Hersfeld Grebe-Keller
Seit einem halben Jahrtausend gibt es den Keller in Bad Hersfeld schon. Bild © Michelle Goddemeier