Eine Familie sitzt auf einem Hügel

Rausgehen ist das neue Ausgehen - und ganz besonders wandern boomt. Dabei immer den nötigen Corona-Abstand zu halten, ist auf den üblichen Strecken im Taunus oder auf der Wasserkuppe schwierig. Wir verraten ein paar Geheimtipps, die noch nicht überlaufen sind.

Hessen hat für Wanderinnen und Wanderer viel mehr zu bieten, als die bekannten Routen auf dem Rheinsteig, dem Großen Feldberg oder im Roten Moor. Wir stellen Ihnen schöne Wanderstrecken fernab des Trubels vor.

Wandern in der Rhön

Extratour Milseburg: Wer einen traumhaften Ausblick genießen möchte, für den empfiehlt Katharina Happel von der Rhön GmbH die Extratour auf die Milseburg. "Dort oben auf dem Basaltgipfel gibt es relativ wenig Bewuchs, der Blick öffnet sich mehr oder weniger 360 Grad rundum." Geeignet sei die 10,7 Kilometer lange Tour auch für Familien mit Kindern, wenn sie nicht mehr ganz klein sind. Immerhin gibt es 400 Höhenmeter zu meistern - typisch für die hessische Rhön, sagt Katharina Happel. "Wir sind sehr kuppenlastig, von daher kommt man da nie ganz um die Höhenmeter herum." 

Extratour Mühlentour: Ein etwas längerer Wanderweg und somit eher nicht geeignet für einen Ausflug mit Kindern ist die Extratour Mühlentour. Die 17,5 Kilometer lange Strecke ist laut Rhön-Expertin Happel allerdings meistens etwas weniger besucht und sehr schön. "Sie führt vorbei an alten Mühlen und durch kleine, schöne, gemütliche, romantische Bachtäler." Normalerweise sind die Mühlen auch Gaststätten, in Corona-Zeiten bleibt je nach Inzidenz womöglich nur die schöne Optik.

Rhön-Rundwege: Fernab des Trubels wandern ist laut Katharina Happel von der Rhön GmbH auch sehr gut auf den zahlreichen Rhön-Rundwegen möglich - solange man nicht in die Gegend des Roten Moors oder der Wasserkuppe geht. Die Rundwege starten immer von Wanderparkplätzen und variieren von der Länge zwischen 3 und 20 Kilometern. Happel empfiehlt zum Beispiel die Rhön-Rundwege bei Hilders oder auch bei Tann. Dort könne man die Wanderung außerdem mit einem Besuch im Museumsdorf verknüpfen.

Wandern in der Wetterau

Bäume spiegeln sich in einem See

Rundweg Wildfrauhaus: Auf der 5,5 Kilometer langen Strecke oberhalb Gederns wandern Sie an einem mit Wasser gefüllten, ehemaligen Steinbruch vorbei. "Kinder können auch an etwas sanfteren Stellen mit den Füßen reingehen", berichtet Cornelia Dörr von der TourismusRegion Wetterau GmbH und betont die Ruhe. "Da ist niemand. Das könnte man als Kontrapunkt zum Feldberg setzen, denn da kann man auch an einem Wochenende allein sein." Die Wetterau sei generell nicht so überlaufen

Schäfer- und Magerrasen-Route: Einer der Lieblingswege der Wetterau-Wanderexpertin Cornelia Dörr ist die zwölf Kilometer lange Schäfer- und Magerrasen-Route, die um Nidda und den Steinbruch Michelnau herumführt. "Da hat man unglaublich schöne Fotomotive und oben auf der Anhöhe ganz tolle Fernblicke." Dörr hebt markante Waldstücke auf der Route hervor, in denen man spüre, dass man im Vogelsberg ist. "Da liegen bemooste Gesteinsbrocken im Wald, an denen man vorbei steigt. Also es ist nicht immer nur langweilig auf gerader Strecke, sondern es ist auch wirklich hügelig, mit Ebenen, mit Wald, Auen und Fernblicken."

Limesrundweg: Wenn Sie auf Ihrer Wanderung auch etwas über Natur, Römer und Germanen erfahren möchten, dann empfiehlt Ihnen Cornelia Dörr den archäologischen-naturkundlichen Limesrundweg bei Limeshain-Rommelhausen. Auf 3,8 Kilometern bekommen Wanderinnen und Wanderer auf Infotafeln Einblicke in die Welt der Römer und Germanen. Außerdem gibt es kleine Holzskulpturen, die mit Motorsägen geschaffen worden sind. Diese Skulpturen würden Kinder und Erwachsene ansprechen, sagt die Wetterau-Expertin. Der Limesrundweg ist barrierefrei.

Wandern im Spessart

Merneser Jossatal

Merneser Jossatal: Für Malin Plöger von der Spessart Tourismus und Marketing GmbH ist der Spessart generell ein Geheimtipp in Corona-Zeiten. "Tendenziell haben wir noch nicht das riesige Problem, dass wir total überlaufen sind." Es gebe Wanderwege, auf denen man nicht einer Person begegne. Der Naturpark Hessischer Spessart habe in den vergangenen Wochen neue Rundwanderwege angelegt, die sogenannten Spessartspuren. Eine besonders idyllische befindet sich laut Plöger im Merneser Jossatal. "Die Spessartspur läuft erst ein kleines Stück am Bach Jossa entlang, da ist auch noch ein Barfußpfad und eine Kneippanlage. Später geht es hoch in den Wald. Also man hat von den Naturlandschaften eine schöne Abwechslung." Der knapp sieben Kilometer lange Rundweg der Stadt Bad Soden-Salmünster sei nicht hoch frequentiert und auch für Familien mit älteren Kindern geeignet.

Niedermittlauer Bergkopp-Runde: Wer es lieber noch etwas kürzer mag, für den empfiehlt die Wander-Expertin die vier Kilometer lange Bergkopp-Runde bei Niedermittlau. Dieser Weg sei besonders im Spätsommer sehr schön aufgrund der Streuobstwiesen. Auch zur Apfelblüte ist die Bergkopp-Runde eine schöne Route, so Malin Plöger.

Quellwinkel Kinzig: Die mit 13,6 Kilometern etwas längere Wanderstrecke rund um die Sinntaler Ortsteile Sterbfritz und Weiperz geht vorbei an der Kinzigquelle. Die Route vereint laut Plöger das Landschaftsbild des Spessarts und der Rhön. "Man hat noch die bewaldeten Kuppen vom Spessart, hat aber auch schon den Blick in die Rhön an manchen Stellen - also sehr, sehr schöne Aussichtspunkte."

Wandern im Rheingau

Blick über den Rheingau

Himmelssteig bei Stephanshausen: Rheingau-Wander-Expertin Maren Gutberlet von der Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH sagt, generell weniger los ist auf Wegen, "auf denen man ein kleines Stückchen weg vom Rhein geht". Als Beispiel nennt sie den Himmelssteig bei Stephanshausen. Der Rundweg verläuft auf 12,7 Kilometern um die Höhengemeinde. Gutberlet ist vom abwechslungsreichen Himmelssteig begeistert, weil er "durch sehr schöne Taunuswälder, über Wiesen und Felder führt und man sehr weite Blicke hat, auch auf die anderer Rheinseite". Dieser Weg sei auch für Familien mit wanderwilligen Kindern machbar. Es gehe zwar ein bisschen auf und ab, so Gutberlet, die Höhenmeter hielten sich aber in Grenzen.

Schönste Weinsicht Burgruine Scharfenstein: Einen wunderbaren Blick ins Rheintal bis zum Rhein hat man laut Rheingau-Expertin Gutberlet von der Burg Scharfenstein aus. Der Wanderweg startet am Weinprobierstand in Kiedrich und führt in Serpentinen hoch zur Burg. "Das ist eine kleinere Runde," sagt Gutberlet, "die man wunderbar an einem Nachmittag ansteuern kann." Auf dem 3,3 Kilometer langen Weg seien zum einen auch nicht die Menschenmassen unterwegs, zum anderen seien die Wege durch die Weinberge breit genug, um den Corona-Abstand einzuhalten. "Da können wir guten Gewissens noch Gäste hinlocken."

Wisper Trail Wollmerschieder Grenzweg: Sehr beliebt sind die Wisper Trails im Wispertaunus. An Feiertagen wie Pfingsten ist es laut Robert Carrera vom Wege-Management der Wisper Trails schwierig, Menschenmassen aus dem Weg zu gehen. Allerdings sei der Wollmerschieder Grenzweg generell weniger besucht, weil er mit knapp acht Kilometern eher kürzer ist. Auf der Wanderung stößt man zum Beispiel auf die historische Grenze zwischen Kurmainz und dem Fürstentum Nassau. Außerdem verläuft der Wisper Trail durch die Grenzregion zu Rheinland-Pfalz. Carrera schätzt den Wollmerschieder Grenzweg so ein, dass ihn jeder laufen kann. Er sei gut geeignet für Familien mit Kindern. Auch ältere Leute könnten ihn gut wandern. Carrera empfiehlt aber gutes Schuhwerk für die naturbelassene Strecke. "Da sind auch schon mal matschige, unebene Stellen. Es ist erlebnisreich."

Wandern in der Vulkanregion Vogelsberg

Wanderweg entlang eines Sees

Bergmähwiesenpfad: Wenn Sie Menschenmassen in Corona-Zeiten entgehen möchten, müssen Sie abseits des Hoherodskopfs wandern, da ist sich Rolf Frischmuth vom Zweckverband Naturpark Vulkanregion Vogelsberg sicher. Er empfiehlt die anderen Erhöhungen des Vogelsberges, zum Beispiel die Herchenhainer Höhe. Die ist gar nicht so weit vom Hoherodskopf gelegen, sagt Frischmuth, aber dort sei der Besucheransturm schon deutlich geringer, obwohl es auch eine ausnehmend schöne Stelle im Naturpark sei. "Auch sehr hochgelegen, also mit wunderbaren Fernsichten bis ins Rhein-Main-Gebiet, bis ins Kinzigtal hinein." Durch die Herchenhainer Höhe führt der Bergmähwiesenpfad, den Vogelsberg-Experte Frischmuth als besonders schön beschreibt. Der neun Kilometer lange Rundweg führt, wie es der Name vermuten lässt, durch herrliche Wiesen mit einer Vielfalt an Blumen, Kräutern und Gräsern.

Drei Seen Tour: Nicht nur auf der Höhe, auch in den Niederungen des Vogelsberges kann es laut Rolf Frischmuth sehr schön sein - zum Beispiel auf der Drei Seen Tour in Freiensteinau. Der Wander-Experte empfiehlt die Strecke, weil sie durch ausgedehnte Naturschutzgebiete und an großen Wasserflächen vorbeiführt. "Gerade in der jetzigen Zeit ist es sehr abwechslungsreich, viele Wasservögel brüten und Vogelarten ziehen durch, momentan gibt es viele Störche." Das Besondere: Die Tour, die am Nieder-Mooser See, am Ober-Mooser See und am Rothenbachteich vorbeiläuft, sei wie eine Acht angelegt. Man könne entweder die volle Distanz von zwölf Kilometern wandern, oder aber auch problemlos abkürzen auf acht Kilometer, oder sogar eine vier Kilometer lange Tour daraus machen.

Felsentour Herbstein: Auf dieser Wanderstrecke erfahren Sie den vulkanischen Ursprung des Vogelsberges, sagt Rolf Frischmuth. "Man erkennt den Vulkan nur noch an ganz wenigen Stellen, aber auf der Felsentour Herbstein kann man ihn noch erleben." Die ehemalige Lava des Vulkans, der Basalt, sei auf der Felsentour Herbstein besonders gut zu sehen.

Wandern im Taunus

Frau sitzt auf einer Bank und blickt auf die Burg Reifenberg

Wassertretanlage bei Bad Camberg: Wer in Corona-Zeiten im Taunus ohne Menschenmassen wandern möchte, muss den Großen Feldberg meiden. Carolin Pfaff vom Zweckverband Naturpark Taunus verweist zum Beispiel auf den Onlinewanderführer, um sich geeignete Strecken herauszusuchen. Besonders empfiehlt Pfaff aber die Wanderwege rund um die Wassertretanlage bei Bad Camberg. "Gerade mit Kindern ist es eine nette Sache", sagt Pfaff, "man kann dort mit eigener Körperkraft Wasser von A nach B bewegen." Die Holzeinrichtung sei gerade erst repariert worden, nebenan könne man in einer kleinen Hütte einkehren und sein mitgebrachtes Brot essen.

Rundwanderweg Libelle bei Usingen: Für den Wanderweg bei Usingen hat der Naturpark Taunus schon viele positive Rückmeldungen bekommen, so Pfaff. Paradoxerweise sei der Rundwanderweg total schön aufgrund der aktuellen Forstsituation mit vielen kahlen Stellen im Wald. "So traurig es ist, aber deshalb hat man natürlich auch momentan ziemlich viele Ausblicke über die Region. Für den Wald ist das natürlich nicht so positiv."

Wanderwege rund um den Aussichtsturm Pferdskopf: Auch rund um den Aussichtsturm Pferdskopf bei Schmitten-Treisberg gibt es laut der Taunus-Expertin einige gute Wanderwege, auf denen nicht so viel los ist. "Der Pferdskopf ist ein sehr schöner Aussichtspunkt, man kann hier weit gucken", so Carolin Pfaff.

Sendung: hr4, 21.05.2021, 12.46 Uhr