Wanderschuhe auf einer Wiese

Wandern ist derzeit total angesagt: In der Corona-Pandemie wollen viele Menschen raus in die Natur. Doch da sind einige Regeln zu beachten: Wanderprofis geben Tipps für Pipi und Picknick in Wald und Wiese.

Was mache ich, wenn ich unterwegs mal muss? Wohin mit meinem Müll? Und was sollte ich auf jeden Fall auf meiner Wanderung vermeiden? Wanderexpertinnen und -experten erklären, wie man es richtig macht und räumen auch gleich mit ein paar Irrtümern über Eierschalen, Liegewiesen und "abgeschiedene Plätzchen" auf.

Wie umgehen mit der Notdurft?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-Reporter Tobias Weiler: "Klopapier am besten gar nicht benutzen."

Klopapier im Wald
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Planung ist alles, da sind sich die Expertinnen und Experten aus den hessischen Wanderregionen einig. Nicht immer gibt es öffentliche Toiletten auf der Wanderstrecke. In Corona-Zeiten ist je nach Inzidenz zusätzlich die Gastronomie auf der Route geschlossen. Cornelia Dörr, Geschäftsführerin der TourismusRegion Wetterau GmbH schlägt vor, sich Wanderwege danach auszusuchen, ob am Anfang und am Ende der Strecke Toiletten vorhanden sind.

"Vor Corona hat man geplant, wo ich die schönste Aussicht habe und wo ich das beste Schnitzel auf meiner Runde bekomme. Jetzt muss ich eben andere Schwerpunkte bei der Planung setzen, es ist leider so."

Auch Robert Carrera vom Wege-Management der Wisper Trails im Wispertaunus appelliert beim Thema Notdurft an vorausschauende Planung. "Am besten macht man die großen Geschäfte Zuhause." Fäkalien in der Natur hätten durch den Zuwachs an Wanderinnen und Wanderern zugenommen. Einige müssten erstmal lernen, wie sie sich zu verhalten haben. "Dass man sich nicht direkt auf oder an den Weg setzt, wenn man mal unterwegs muss." Und wenn es doch mal unbedingt sein muss, dann empfiehlt Carrera, das benutzte Toilettenpapier mit einem Stein abzudecken, damit es nicht später durch die Gegend fliegt.

"Es heißt ja Notdurft und in der Not muss man dürfen. Also man kann es keinem Menschen absprechen", sagt Rolf Frischmuth, Geschäftsführer beim Zweckverband Naturpark Vulkanregion Vogelsberg. Wichtig sei aber der Abstand, also mindestens zehn Meter fernab der Strecke in den Wald oder in den Busch zu gehen. Seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen klagten ihm manchmal ihr Leid über Fäkalien auf den Wanderstrecken. "Unmittelbar hinter die Ruhebank, wo die Leute sich hinsetzen wollen, um ihr mitgebrachtes Brot zu essen, das muss nicht sein." Frischmuth überlegt für seinen Naturpark Komposttoiletten anzuschaffen.

Wohin mit dem Müll?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-Reporter Tobias Weiler: "Mandarinenschalen verrotten zu langsam."

Müll auf einer Wiese am Wegesrand
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Carolin Pfaff vom Naturpark Taunus fasst das notwendige Verhalten auf einer Wanderung in einer einfachen Formel zusammen. "Wenn man sich so verhält, wie in seinem eigenen Garten, dann ist eigentlich schon ganz viel gewonnen, für alle Beteiligten." Aber gerade in der Corona-Zeit liege wesentlich mehr Müll auf den Wanderstrecken des Naturparks Taunus. Auch Katharina Happel von der Rhön GmbH kann das bestätigen. "Proportional zu den wachsenden Wandererzahlen ist auch der Müll in der Natur gestiegen." Mehr Müll fällt auch im Naturpark Vulkanregion Vogelsberg an, sagt Wanderexperte Rolf Frischmuth. Allerdings werde in 99 Prozent der Fälle der Müll in den Abfalleimern entsorgt. Auf dem zentralen Bereich des Hoherodskopfs etwa, gebe es Müllcontainer mit einem Umfang von insgesamt zehn Kubikmetern. Die müssten seit der Corona-Pandemie nicht mehr nur einmal im Monat geleert werden, sondern dreimal.

Gewisse Denkfehler bei der Müllentsorgung sollten Wanderinnen und Wanderer unbedingt vermeiden, sagt Robert Carrera von den Wisper Trails. Er rät ab, Obst- und Eierschalen in die Natur zu werfen. "Weil man einfach davon ausgeht, dass es kompostierbar ist. Dass das Zeug aber ewig lange braucht, bis es sich zersetzt, daran wird selten gedacht." Außerdem seien etwa Mandarinenschalen meistens gespritzt.

Was sollte man sonst noch beachten?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-Reporter Tobias Weiler: "Immer schön auf den Wegen bleiben!"

Ein wenige Tage altes Rehkitz liegt im Gras.
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Alle Wanderexpertinnen und -experten betonen: Es ist wichtig, auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben - aus vielfältigen Gründen. Viele Wildtiere hätten gerade Nachwuchs bekommen. Es könne für Tierbays aller Art den Tod bedeuten, wenn sie aufgescheucht würden. Deshalb seien auch Hunde an der Leine zu führen.

Aber auch die Interessen von anderen Menschen müssten berücksichtigt werden. Robert Carrera von den Wisper Trails erlebt oft, dass Menschen sich während der Wanderung einfach auf Wiesen begeben, ohne darüber nachzudenken, dass es sich dabei häufig um Privatgrundstücke und meist Futterwiesen von Landwirtinnen und Landwirten handele.

"Wenn man eine solche Wiese als Liegewiese nutzt," mahnt Carrera, "dann ist das Gras plattgedrückt und für die Bauern verloren." Die hätten sowieso seit den trockenen Sommern enorme Probleme, ausreichend Futter für ihre Tiere zu bekommen. Auch sollten Wanderinnen und Wanderer ihre Hunde nicht frei über diese Wiesen laufen lassen. Denn Hundekot könne zu schweren Erkrankungen bis hin zum Tod von Weidetieren führen.

Carolin Pfaff, die auch für die forstliche Beratung im Naturpark Taunus zuständig ist, führt noch zwei weitere Gründe an, warum wir auf unserer Wandertour auf den Wegen bleiben sollten. Zum einen gebe es abseits der Strecken schützenswerte Pflanzen und Moose. Zum anderen gebe es gerade im Taunus viele frei gewordene Forstflächen. Die Wiederbewaldung sei wichtiger denn je, so Pfaff. "Wenn da was gepflanzt wird und die Wandertruppe geht drüber, oder jemand fährt dort Fahrrad oder im Winter Schlitten, dann ist das auch kaputt."

Sendung: hr4, 21.05.2021, 12:46 Uhr.