Christoph Lottermann, Jasmin Rose und Martin Welker

Briefmarken sammeln kann jeder! Diese drei Hessen haben sehr ausgefallene Hobbys und teilen ihre Leidenschaft mit anderen Menschen im Netz.

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24 Stunden die Wand oder den Fernseher anstarren, tagein, tagaus die gleiche Leier nach mittlerweile einem Jahr Pandemie. Nur logisch, dass da Langeweile aufkommt, und die will bekämpft werden. Da sind kreative Hobbys gefragt. Das Motto: Hauptsache, es macht Spaß und entspannt. Und wenn man dann seine Leidenschaft noch mit Gleichgesinnten in den sozialen Netzwerken teilen kann? Umso besser. Drei Menschen aus Hessen berichten.

"Lego ist mein Yoga" - Christoph Lottermann

"A teacher with a passion for bricks" - ein Lehrer mit Leidenschaft für Steine - so beschreibt sich Christoph Lottermann auf seinem Instagram-Account. Der 41-Jährige aus der Nähe von Darmstadt hat gut 1.500 Follower und ist den bunten Steinen verfallen. Angefangen hat das lange vor der Pandemie, im Jahr 2008. Da hat Lottermann seine Examensarbeit über Star Wars geschrieben - und sich zur Belohnung ein bisschen passendes Lego-Set gekauft. Zur Ablenkung.

Fotos von Christoph Lottermann

Danach folgt eine lange Pause bis 2017. Lottermanns Hund wird krank und muss operiert werden. Eine schwere Zeit. Der Lehrer sucht Ablenkung und findet sie erneut beim Bauen. Kurz darauf beginnt er, seine bunten Werke auf Instagram zu veröffentlichen. Seine Motive habe er stets im Kopf, sagt Lottermann. Dann packe er Steine, Kamera und Klebestreifen zum Fixieren in eine große Lego-Dose und suche eine geeignete Location für das Foto. Auch auf Klassenfahrten.

Fotos von Christoph Lottermann

"Ganz witzig" - das sei der Kommentar seiner Schülerinnen und Schüler zum außergewöhnlichen Hobby. Das Interesse an seinem Hobby habe er auch schon im Unterricht genutzt und mit einer 7. Klasse Gedichte aus Lego nachstellen lassen. Die Ergebnisse hat er gefilmt und auf Youtube veröffentlicht.

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Der Lehrer fotografiert seine Lego-Männchen in seiner Heimat - auf dem Heinerfest, auf einem Feld in Mühltal (Darmstadt-Dieburg) oder im Klassenzimmer seiner Schule in Darmstadt. Bei kniffligen Motiven bekommet er Unterstützung von seiner Freundin. Sie habe ihn als Lego-Freak kennengelernt und versorge ihn mit Material aus ihrem Nähfundus, so Lottermann. So kann es schon mal vorkommen, dass sie für ein besonders kniffliges Motiv kleine Schwämmchen zurechtschneidet und mit Farbe betupft. Alles für die kleine, große Lego-Show.

Fotos von Christoph Lottermann

Seit der Corona-Pandemie verbringe er mehr Zeit mit seinem Hobby, berichtet Lottermann. Der Stress sei durch Homeschooling ein anderer geworden, er nehme sich seine Auszeiten jetzt bewusster: Lego sei für ihn wie Yoga.

"Ich gebe meinen Pflanzen Komplimente" - Jasmin Rose

Jasmin Rose aus Hattersheim (Main-Taunus) bezeichnet sich selbst als proud plantmom – als stolze Pflanzenmutter. Ursprünglich wollte sie nur ihre neue Wohnung mit ein bisschen frischem Grün dekorieren. Das ist etwas aus dem Ruder gelaufen. "Es hat angefangen und nicht mehr aufgehört", erinnert sich Rose und lacht. Mehr als 100 Pflanzen beherbergt die 22-Jährige mittlerweile in ihrer Wohnung.

Pflanzen statt Deko: Jasmin Rose in ihrer Wohnung.

Aus Langeweile im Corona-Lockdown habe sie vor etwa einem Jahr begonnen, Fotos von ihren Pflanzen bei Instagram hochzuladen. Dadurch sei ihre Leidenschaft noch gewachsen. Regelmäßig fotografiere sie ihre Schätze, kleine in der ausgestreckten Hand, größere auf einem Holztisch. "Bei großen Pflanzen kriege ich sonst einen Zitterarm", erklärt Rose.

Kleine Pflanzen fotografiert Rose in der Hand, für größere muss ein Holztisch her.

Speziellere Pflanzen bekomme sie über Kleinanzeigenportale von Privatleuten oder aus einer Raritätengärtnerei um die Ecke. Und auch in der Instagram-Community werde mit Pflanzen gehandelt. Hier bekomme sie immer mal einen Ableger - für Geld, aber auch im Tausch gegen andere kleine Pflänzchen.

Insgesamt fünf Stunden pro Woche investiert Rose in die Pflege ihrer Gewächse - da ist der Aufwand für die Instagram-Fotos noch nicht einberechnet. Auf die Frage, ob auch sie mit ihrem Pflanzen spreche, muss Rose lachen und gesteht: "Ich führe keine Gespräche, aber neue Blätter und einen Wachstumsschub belohne ich mit Komplimenten."

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"Meine Modelle werden zum Mitnehmen einfach eingetuppert" - Martin Welker

Martin Welker aus Rauschenberg (Marburg-Biedenkopf) ist Straßenwärter bei der Verkehrsbehörde Hessen mobil. In seinem Fall kann man wirklich davon sprechen, dass Leidenschaft und Beruf sehr nah beieinander liegen. Schon als Kind habe er mit seinem Vater an einer Modelleisenbahn gebaut, erinnert er sich. 2010 habe er dann bei Hessen Mobil seine Ausbildung begonnen und aus Langeweile das erste Modell gebaut: einen Unimog, den er auch an der Arbeit gefahren sei.

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Audioseite Martin Welker über sein Modellbau-Hobby

Martin Welker
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Aus dem Unimog sind mittlerweile mehr als 300 Modelle geworden, dazu eine Straßenmeisterei und eine kleine Autobahnmeisterei. Sein Modellbauzimmer platze aus allen Nähten, berichtet Welker und lacht. Kurzerhand habe er diverse Modelle beim Vater und bei der Oma gelagert.

Zwei Schneepflüge: einmal in klein und einmal in groß

Besonders beeindruckend sind Welkers Fotos mit Modellen im Maßstab 1:87 und ihren großen Vorbildern. Hier achtet Welker auf Detailgenauigkeit: "Hat das Fahrzeug Euro5- oder Euro6-Norm, stimmt die Beklebung?" Von seinem Arbeitgeber hat er die Erlaubnis, Logos und Bilder der Originalfahrzeuge zu nutzen, in der internen Mitarbeiterzeitschrift wurde er schon porträtiert.

Für seinen Arbeitstag packe er von Zeit zu Zeit passende Modelle ein - in einer Tupperdose, damit nichts kaputt gehe. Dann werde eine passende Location gesucht, fotografiert und das Foto bei Instagram hochgeladen. Über das Netzwerk knüpft er auch Kontakte zu anderen Modellbau-Fans.

Die Modelle von Martin Welker und ihre großen Vorbilder.

Für Nachwuchs ist übrigens schon gesorgt: Welker ist Vater von vier Jahre alten Zwillingen. Die Jungs seien zwar noch zu klein für die filigrane Arbeit, dürften sich aber schon mal am Lego versuchen. Das Bauen und Zugucken habe offenbar eine beruhigende Wirkung, erzählt Welker: "So brav wie im Modellbauzimmer sind sie nirgends."

Sendung: hr4, 01.05.2021, 09.15 Uhr