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Yogis praktizieren in der Neuen Galerie in Kassel

In Kassel gehen Yogis ins Museum und verbinden den Sonnengruß mit der Kunst. Beim herabschauenden Hund entsteht ein ganz neuer Blick auf die Gemälde an der Wand. Nur Umkippen kann teuer werden.

Manche machen Yoga mit Bier oder schwitzen bei 40 Grad, in Kassel gehen Yogis ins Museum. Rund 20 Frauen und ein Mann tragen an einem windigen Februarmorgen ihre Yogamatten in die Neue Galerie. Ruhe und Weite gibt es im Kunsttempel, sagt Yoga-Lehrerin Tatjana Bernet, gute Bedingungen für Körpermeditation und Muskeldehnung. Zusammen mit Karolina Golaszewska bietet sie seit rund zwei Jahren "Sonnengruß" und "Krieger" zwischen Gemälden an.

Wackeln wird mit Alarm-Ton bestraft

Die Neue Galerie hat einen von Joseph Beuys eingerichteten Raum mit der Installation "The Pack", zu deutsch "Das Rudel": Hinter einem alten VW-Bus reihen sich DDR-Sportschlitten, auf denen jeweils Fett und eine Filzdecke liegen. Es wäre ein symbolischer Ort für Yoga.

Die Yoga-Lehrerinnen Karolina Golaszewska und Tatjana Bernet.

Unser Sportgrüppchen geht aber in einen anderen Ausstellungsraum, wir legen die Matten aus mit Blick auf den "Tod der Kleopatra" von Hans Makart. Überlebensgroß liegt die sterbende Kleopatra mit leidendem Blick zum Himmel und hält eine todbringende Natter vor ihrer Brust. Die erste Schwierigkeiten ist, bei den Übungen nicht zu vergessen, dass es sich bei den Bildern nicht um bunte Tapeten handelt. Jedes Fuchteln und unvorsichtige Ausstrecken der Arme aktiviert die Lichtschranke vor den Gemälden und wird mit einem Piep-Ton bestraft. An der Pforte wisse man dann schon Bescheid, erklärt die Lehrerin.

Um das Gleichgewicht nicht zu verlieren, kann ich Kleopatra anvisieren oder die tote Dienerin zu ihren Füßen. Als die Beine anfangen zu brennen schaue ich auf das Gemälde mit "Florentinische Kinder", ein Knabe spielt hingebungsvoll Laute für ein perlenbehangenes Mädchen. Der Raum hilft als Ablenkung vom Schmerz.

Po in die Luft, Blick aufs Bild

Beim "Herabschauenden Hund", wenn der Po in der Luft und der Kopf am Boden hängt, geht der Blick zwischen den Beinen auf das "Portrait von Mary Stuck", die lasziv über die Schulter schielt. Eine neue Perspektive, die sonst nur erreichbar wäre, wenn man im Handstand durch die Ausstellung läuft.

Weitere Informationen

Yoga im Museum

Der Yoga-Kurs in der Neuen Galerie findet jeden Sonntag um 10.30 Uhr statt. Um Voranmeldung wird gebeten.

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In Hessen gibt es nur in Kassel Yoga im Museum fest im Programm. Wenn Museumsbesucher durch die Hallen laufen, glauben sie schon mal, das Ganze sei eine Performance, sagt Lehrerin Bernet. Stören würden sie sich aber nicht daran. An diesem Sonntagmorgen läuft kein Besucher durch die Yogagruppe. Die Yogis haben mit der Übungsstunde auch den Museumseintritt bezahlt. Eine Win-Win Situation: So kommen sonntags auch am Morgen Besucher in die noch leeren Hallen.

Zur Sicherheit ein Platz in der Mitte

Yoga-Ungeübte sollten sicherheitshalber nicht den Platz an der Wand wählen, das könnte sonst teuer werden. Als zum Ende der Stunde die "Dreiecksposition" dran ist, kippel ich nach rechts Richtung einer Szene aus Dantes "Göttlicher Komödie" - die Hölle besetzt mit halbnackter Prominenz aus den griechischen Mythen in pathetischen Posen. Fast hätte mein Arm zwischen den siechenden Nackten gesteckt.

Als ich meine Bedenken vor der Zerstörung eines sehr alten Gemäldes später Lehrerin Karolina Golaszewska beichte, lacht sie nur: Das zeige doch, dass ich mich mit eigener Stärke wieder fangen kann.