Demo gegen Rechts

Mehr als 10.000 Menschen sind in Kassel zu Protesten gegen einen Aufzug von Rechtsextremen auf die Straße gegangen. Auf der Gegenseite kam nur eine kleine Gruppe von Neonazis zusammen.

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Tausende Menschen demonstrieren gegen Rechts in Kassel
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Weniger als zwei Monate nach dem Mord an Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke ist es in der nordhessischen Stadt zu einem Aufzug Rechtsextremer gekommen. Die Kleinstpartei "Die Rechte" hatte zu einer Demonstration aufgerufen. Ein Bündnis gegen Rechts reagierte darauf mit zahlreichen Gegenveranstaltungen.

An einem großen Protestmarsch am Vormittag sowie an weiteren Veranstaltungen im Laufe des Tages beteiligten sich nach Angaben der Polizei mehr als 10.000 Menschen. Die Proteste verliefen friedlich. Die Veranstalter, ein breites Bündnis verschiedener Gruppen aus Kassel, zogen ein positives Fazit zum Ende der Veranstaltungen: "Danke an alle. Der Tag war ein voller Erfolg", teilten sie via Twitter mit. Sie sprachen von 15.000 Teilnehmern.

Auch Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) zeigte sich sehr zufrieden: "Gemeinsam können wir stolz sein auf dieses eindrucksvolle Zeichen. Unsere Stadt, die vor 75 Jahren durch den vom nationalsozialistischen Deutschen Reich angezettelten schrecklichen Zweiten Weltkrieg fast vollständig in Trümmern lag, hat aus der Geschichte gelernt." Er dankte den Einsatzkräften der Polizei, die zum friedlichen Verlauf der Gegendemo beigetragen hätten.

Demo der Rechten startete mit Verzögerung

Die Demonstration der Rechtsextremen war, mutmaßlich wegen umfangreicher Kontrollen der Polizei, mit rund zwei Stunden Verspätung losgezogen. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich etwa 120 Menschen an dem Protestzug unter dem Motto "Gegen Pressehetze, Verleumdung und Maulkorbfantasien".

Demonstrationszug der Partei "Die Rechte" in Kassel.

Die meisten Teilnehmer waren aus Nordrhein-Westfalen angereist, aber auch aus Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern. Bei ihrem Protestzug wurden die Rechten eng von der Polizei begleitet, um Zusammenstöße mit Gegendemonstranten zu verhindern. Zwischenfälle wurden bislang nicht bekannt. Noch bei der Anreise wurde nach Polizeiangaben ein Teilnehmer festgenommen. Der Grund: Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

In den sozialen Netzwerken wurde ein Banner der rechten Demonstranten diskutiert, das die Beschriftung "Nationale Gegenofenssive" trug. Ob es sich dabei nur um einen Schreibfehler oder eine bewusste Provokation mit den Begriffen "Ofen" und "SS" handelte, ist unklar. Die Polizei teilte auf Twitter mit, dass diesbezüglich Ermittlungen eingeleitet wurden.

Die Hauptkundgebung der Gegendemonstranten sollte ursprünglich auf dem gleichen Platz stattfinden wie die der Rechtsextremen. Nach Auflagen durch die Stadt musste der rechtsextreme Aufzug dann jedoch außerhalb der Innenstadt stattfinden, jeweils auf verschiedenen Flussseiten der Fulda. Nur eine Brücke verbindet die beiden Areale. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot in der Stadt, um die verschiedenen Gruppen voneinander getrennt zu halten.

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Einschränkungen beim ÖPNV

Nach Angaben der Polizei sind inzwischen alle Veranstaltungen beendet. Die Sperren wurden am Abend abgebaut, und der Verkehr in Kassel sollte wieder normal verlaufen.

Die Regionalbusse des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) und die RegioTram sollten ab 20 Uhr wieder fahrplanmäßig unterwegs sein. Wegen der Demonstrationszüge kam es im Kasseler Nahverkehr zu Einschränkungen und Fahrtausfällen auf vielen Linien. Regionalbusse fuhren zeitweise nur zwischen dem Stadtrand und den Zielen im Umland. Zudem kam es zu Straßensperrungen. Die Polizei riet, den Bereich weiträumig zu umfahren.

Walter Lübcke (CDU) war am 2. Juni vor seinem Haus in Wolfhagen im Landkreis Kassel erschossen worden. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Der 45-jährige Stephan Ernst hatte die Tat zunächst gestanden und später sein Geständnis widerrufen. Er sitzt in Untersuchungshaft.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Wir sind viele, wir sind bunt!"

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 20.07.2019, 19:30 Uhr