Christian Geselle

Nach etlichen Corona-Infektionen in einer Sammelunterkunft in Kassel-Bettenhausen müssen 60 Menschen in Quarantäne und eine Schule und ein Hort vorerst schließen. Auch in Hersfeld-Rotenburg bleiben Schulen zu.

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Nach 20 Corona-Infektionen in einer Flüchtlingsunterkunft in Kassel bleiben die rund 60 Bewohner des Heims im Stadtteil Bettenhausen nun für etwa zwei Wochen in Quarantäne. Das sagte Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) am Freitag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Jugenddezernentin Ulrike Gote (Grüne) und Gesundheitsamtsleiterin Regine Bresler im Kasseler Rathaus.

Die Betroffenen litten unter leichten Erkältungssymptomen, sagte Geselle. Keiner von ihnen habe deswegen ins Krankenhaus gemusst. Zwei Erkrankte arbeiten demnach bei Amazon in Bad Hersfeld und dem Logistiker Geodis im Kreis Schwalm-Eder. Sie hätten sich womöglich dort infiziert, hieß es. Gesichert ist das nicht.

Grundschule und Hort ebenfalls dicht

Die Unterkunft befindet sich in einem Kulturzentrum mit angrenzendem Hostel und einer Bar. Beide Bereiche blieben trotz negativer Tests der Belegschaft bis mindestens Ende Juni ebenfalls geschlossen, teilte die Einrichtung am Freitag mit. Man wolle kein unnötiges Risiko eingehen.

In der Stellungnahme des Kulturzentrums heißt es: "Besonders betroffen macht uns diese aktuelle Entwicklung, weil wir gerade einen neuen Bewohner bekommen haben: Gestern Nacht um 3 Uhr kam in der Unterkunft ein kleiner Junge zur Welt."

Schule und Hort geschlossen

Weil zwei der positiv getesteten Bewohner Grundschulkinder an der Losseschule in Bettenhausen sind, wurde die Schule inklusive Hort vorübergehend geschlossen, für die Kinder zweier Klassen wurde ebenfalls Quarantäne angeordnet. Wie es weitergeht, will die Stadt auf Basis weiterer Testergebnisse entscheiden. Es sei nicht auszuschließen, dass sich weitere Kinder angesteckt hätten, sagte der Rathauschef. Alle anderen Grundschulen starten am Montag wie geplant in den Regelbetrieb.

Der Fall zeige, dass Kassel trotz rückläufiger Zahlen in Sachen Coronavirus "noch nicht komplett über den Berg" sei, sagte Geselle. Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, muss das Gesundheitsamt nun alle Kontaktpersonen ermitteln und abtelefonieren. Das sei hochkomplex, erklärte die Leiterin Bresler. "Wir haben jetzt nur 20 Positive. Ich weiß nicht, wie man 700 bewältigen sollte."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Grundschule wegen Corona-Fällen in Kassel geschlossen

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Jugenddezernentin Gote sagte mit Blick auf die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft: "Sie haben nichts falsch gemacht. Es kann jeden von uns treffen, das Virus ist heimtückisch. Es helfen manchmal die besten Vorsichtsmaßnahmen nicht, sonst hätten wir diese Pandemie nicht."

Trotz Infektion in die Schule: Quarantäne in Hersfeld-Rotenburg

Auch an mehreren Schulen im Kreis Hersfeld-Rotenburg wurden am Freitag Infektionen mit dem Coronavirus bekannt. Betroffen sind zwei Klassen der Lingg-Schule, eine Gruppe der Ernst-von-Harnack-Schule in Bad Hersfeld sowie 21 Schülerinnen und Schüler der Kirchheimer Grundschule Aulatal.

Nach Aussage von Landrat Michael Koch (CDU) haben sich nicht alle Kontaktpersonen von Infizierten an die Quarantäne gehalten, einige Kinder seien trotzdem in die Schule geschickt worden. "Wir erleben hier ganz deutlich, wie das Fehlverhalten einzelner Personen im privaten Umfeld sich auf ganze Klassenverbände an unseren Schulen auswirkt", ärgerte sich Koch. Er erinnerte an die Quarantäne-Regeln: "Bei Verstößen sind Geld- und Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren möglich."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 19.06.2020, 16.45 Uhr