hetzerischer Kommentar auf Facebook
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Hass gegen Flüchtlinge hat es 2017 in Hessen vor allem auf Facebook gegeben. Online-Hetze machte im vergangenen Jahr den größten Teil der 50 Straftaten gegen Asylbewerber aus. Wir dokumentieren alle Fälle auf einer Hessenkarte.

Die hessischen Staatsanwaltschaften ermittelten im vergangenen Jahr 60 Mal wegen Straftaten gegen Flüchtlinge. In zehn Fällen ließ sich der Verdacht einer Straftat nicht erhärten beziehungsweise entschieden die zuständigen Staatsanwälte, dass keine Volksverhetzung in einem Facebook-Post vorlag oder kein verfassungswidriges Zeichen verwendet wurde.

In unserer interaktiven Hessenkarte dokumentieren wir die Fälle, sofern die Angaben der Staatsanwaltschaften dies zuließen. Die Behörden gaben unterschiedlich detaillierte Auskünfte.

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Häufig keine Tatverdächtigen gefunden

In der Summe bleiben 50 überwiegend verbale Angriffe gegen Asylbewerber. In sechs Fällen von fremdenfeindlicher Hetze wurden Strafbefehle verhängt, in drei Fällen die Verfahren gegen Zahlung einer Geldsumme an gemeinnützige Organisationen eingestellt. Etliche Ermittlungen verliefen im Sande, weil die Polizei keinen Tatverdächtigen fand.

Allein 41 Mal wurden die Ermittler wegen vermeintlich oder tatsächlich volksverhetzender Äußerungen im Internet tätig. In den allermeisten Fällen wurden Facebook-Posts und -Kommentare zur Anzeige gebracht.

Weniger Sachbeschädigungen

Der wesentliche Unterschied zu unseren Statistiken über Straftaten gegen Flüchtlinge in den vergangenen Jahren ist das Ausmaß der fremdenfeindlichen Online-Hetze: 2017 lag die Zahl der Straftaten mit 50 zwar deutlich unter denen aus dem Jahr 2016 (79 Straftaten) und 2015 (67 Straftaten).

Vor allem aber gab es 2016 noch 14 Fälle von Sachbeschädigungen (im Vergleich zu vier im Jahr 2017), drei Brandstiftungen (2017: eine) und drei tatsächlichen oder versuchten Körperverletzungen (2017: eine). Auch die Zahl der Fälle von erwiesener Volksverhetzung ist von 36 (2016) auf 32 (2017) gesunken. Doch deren prozentualer Anteil an der Gesamtzahl ist gestiegen. Mehr zum Entstehen der Karte erfahren Sie hier.

"Kanacken", "Neger", "Dreckspack"

Die Vielzahl von Kommentaren über "scheiß Kanacken", "scheiß Neger" und "dieses Dreckspack", all die Forderungen nach einer Wiedereröffnung der Konzentrationslager Auschwitz und Dachau für Flüchtlinge in der Hessen-Statistik spiegelt die Verrohung in der gesamtgesellschaftlichen Debatte über Zuwanderung und Asylrecht wider.

So erfreulich es ist, dass tätliche Angriffe gegen Flüchtlinge oder ihre Unterkünfte geringer wurden, so stellt sich doch weiterhin die Frage: Woher kommt der Hass?

Sendung: hr-iNFO, 08.05.2018, 6.00 Uhr