Demonstranten, die Plakate gegen den Autobahnausbau hochhalten. Auf dem Boden liegen vertrocknete Äste

Die A49 spaltet Mittelhessen: In Marburg haben Aktivisten 24 Stunden lang gegen den umstrittenen Autobahnausbau protestiert. Bei einer Infostunde in Stadtallendorf äußerten sich jedoch auch viele Anwohner positiv. Sie hoffen auf Entlastung.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Aktivisten protestieren 24 Stunden lang gegen A49-Ausbau

Eine junge Frau mit Gesichtsmaske neben dem Plakat "Danni bleibt - wir auch"
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Es soll ein bisschen "Waldfeeling" aufkommen, erklärt Tomma und zeigt auf ein paar vertrockenete Äste, die auf einem Platz in der Marburger Innenstadt verteilt sind. In der Mitte liegt ein Banner mit den Worten "Wald statt Asphalt – Danni bleibt".

Verschiedene Umwelt-Aktionsgruppen haben gemeinsam am Freitag auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz zu einer 24-stündigen Mahnwache aufgerufen, um erneut dafür zu kämpfen, dass der Autobahnausbau der A49 und die geplanten Rodungen im unweit gelegenen Dannenröder Forst (Vogelsberg) gestoppt werden. Zu den Organisatoren gehören unter anderem Fridays for Future, Greenpeace und das Aktionsbündnis "Keine A49".

"Wir wollen unsere Solidarität mit den Baumbesetzern zeigen", erklärt Tomma. Die 21 Jahre alte Studentin engagiert sich in Marburg bei Greenpeace. Nicht nur die geplanten Rodungen wolle man verhindern, meint Tomma, sondern allgemein darauf hinweisen, dass Deutschland dringend eine Verkehrswende brauche. "Gerade in den ersten zwei Corona-Wochen hat man ja gemerkt, wie leer die Straßen eigentlich sein könnten und wie schön die Städte dann wären", so die Aktivistin.

Aktivisten nennen Autobahnbau "totalen Wahnsinn"

Mit Plakaten und Parolen wollten die Aktivisten auf sich aufmerksam machen und mit Passanten ins Gespräch kommen. Zu einer Fahrraddemo am Freitagnachmittag erschienen laut Polizei rund 40 Menschen. Am Abend wurde außerdem ein Dokumentarfilm über die Baumbesetzungen im Hambacher Forst gezeigt. Die Polizei bezifferte die Teilnehmerzahl auf etwa 50. Rund zehn der Aktivisten übernachteten auf dem Platz. Am Samstagmittag beendeten sie ihre Aktion. Zu Zwischenfällen kam es laut Polizei nicht.

Die Chancen, den Bau der A49 durch solche Demonstrationen tatsächlich noch zu verhindern, stehen allerdings äußerst schlecht: Das Bundesverwaltungsgericht hat eine Klage von Umweltschützern endgültig abgewiesen. Einer junge Aktivistin, die ihren Namen nicht nennen möchte, ist das bewusst. "Aber für mich ist das ein Gewissensding, zu sagen, dass es hier einen Missstand gibt." Eine Autobahn sei angesichts der Klimakrise "totaler Wahnsinn", findet sie. Die A49 würde hauptsächlich wirtschaftlichen Interessen von großen regionalen Unternehmen wie Ferrero oder Fritz Winter dienen.

Verhärtete Fronten in der Bürgersprechstunde

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Verhärtete Fronten bei der A49-Bürgersprechstunde

Menschen beugen sich über Tische, auf denen Baupläne ausliegen
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Dass es auch ganz andere Ansichten zu dem Thema gibt, zeigte sich am Donnerstagnachmittag bei einer A49-Bürgersprechstunde in Stadtallendorf (Marburg-Biedenkopf). Die Baugesellschaft DEGES wollte erstmals die detaillierten Baupläne veröffentlichen und Fragen der Bürger beantworten.

Das Interesse war deutlich größer als von Seiten der Organisatoren erwartet, es erschienen rund 50 Menschen, die aus Kapazitätsgründen zum Teil vor der Tür bleiben mussten. Einige der Bürger sorgten sich, dass die Autobahn zu nah an ihren Wohnhäusern vorbeiführen könnte, andere wollten wissen, wo Fußwege entlangführen und wo man die geplante Trasse über- oder unterqueren kann.

Aus der Informationsveranstaltung entwickelte sich jedoch recht schnell eine hitzige Diskussion, die zeigte, wie verhärtete die Fronten zwischen Autobahngegnern und -befürwortern sind - und das zum Teil schon seit 40 Jahren. Einige langjährige Umweltschützer aus der Region waren gekommen und stellten kritische Fragen. Von anderen Ortsansässigen gab es wiederum sehr deutliche Zustimmung zum Bau.

Anwohner hoffen auf Entlastung: "Die Vorteile der A49 überwiegen"

Helmut Hein etwa wohnt in Stadtallendorf nicht weit weg von der Bundesstraße 454, die derzeit Schwalmstadt und Stadtallendorf verbindet und stark vom Durchgangsverkehr betroffen ist. Er ist der Meinung: Die Autobahn wird in der Region ganz dringend benötigt. "Es dauert schon viel zu lange, dass der Verkehr der Großbetriebe und auch alle Privatleute durch Stadtallendorf und die umliegenden Dörfer fahren müssen." Für ihn und seine Familie, aber auch für viele andere Menschen in der Gegend, sei der Autobahnanschluss eine große Entlastung.

Karte Nordhessen Dannenröder Forst mit geplanter A 49

Auch Udo Mertner verfolgt die Diskussion um die A49 schon seit Jahrzehnten und freut sich, dass sie nun gebaut werden kann. "Die Planung dauert jetzt schon so lange – und ich hoffe, dass ich die Fertigstellung in vier oder fünf Jahren überhaupt noch erleben kann." Dann wäre er 80 Jahre alt. "Ich werde es wahrscheinlich gar nicht mehr schaffen, auf diesem Abschnitt selbst zu fahren." Er habe durchaus Verständnis für die Kritik, die gerade besonders von jungen Umweltschützern laut wird, sagt er. Aber dennoch sei er überzeugt, dass die Vorteile gegenüber den Nachteilen überwiegen.

Sendung: hr4, hessenschaureport, 17.07.20, 14.30 Uhr