Andrea Kuhlenschmidt sitzt in ihrem Linienbus am Steuer.

Andrea Kuhlenschmidt ist Wiesbadens jüngste Busfahrerin. Und die 25-Jährige ist auch eine der wenigen Frauen in diesem Beruf. Mit einer eigenen Facebook-Seite will sie außerdem dafür sorgen, dass Pendler in Wiesbaden pünktlich ankommen.

Es ist 6:40 Uhr: Dienstbeginn für Andrea Kuhlenschmidt bei der ESWE in Wiesbaden. Die 25-Jährige freut sich auf den Arbeitstag, denn ihre Tour fährt sie mit dem über 18 Meter langen Gelenkbus. Vor zwei Jahren hat sie ihre Ausbildung zur Busfahrerin abgeschlossen. Am Anfang ihrer Karriere war es noch eine große Herausforderung, mit einem so langen Fahrzeug durch die Wiesbadener Innenstadt zu kurven. "Das hätte ich am Anfang nie gedacht, dass ich irgendwann mal einen Gelenkbus fahren kann. Jetzt macht es mir riesigen Spaß!"

Traumberuf: Busfahrerin

Für Andrea Kuhlenschmidt ist Busfahren mehr als nur irgendein Beruf. Wenn sie früher in den Schulbus einstieg, beneidete sie immer die Fahrer für ihren Job. "Schon damals dachte ich, dass ich mal irgendwann selbst so ein großes Fahrzeug fahren möchte. Auch wenn es viel Verantwortung mit sich bringt." Mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht verrät die 25-Jährige, dass sie "die Busfahrersitze schon immer cool" Fand. Andrea liebt die Abwechslung in ihrem Beruf, die verschiedenen Routen, die immer wechselnden Fahrgäste und vor allem das Gefühl, Menschen pünktlich an ihr Ziel gebracht zu haben.

Für ihren Traumjob ist die gebürtige Hamburgerin sogar extra in die hessische Landeshauptstadt gezogen. Im Internet findet sie 2017 die freie Stelle bei der Wiesbadener Verkehrsgesellschaft ESWE und beginnt kurze Zeit später ihre Ausbildung. Davor hatte sie in einer Bäckerei gearbeitet.

Pünktlich ankommen dank eigener Facebook-Seite

In ihrem Job spielt vor allem eine Sache eine große Rolle: Pünktlichkeit. Andrea Kuhlenschmidt legt großen Wert darauf, dass ihre Fahrgäste das gewünschte Ziel pünktlich erreichen, auch wenn sie selbst nicht immer Einfluss darauf hat: "In der Wiesbadener Innenstadt ist zu den Hauptverkehrszeiten immer viel los, und dafür können dann auch die Busfahrer nichts."

Als Service für Pendler unterhält sie eine eigene Facebook-Seite und gibt dort der Öffentlichkeit Infos zur aktuellen Verkehrslage. Unter dem Namen "ÖPNV Wiesbaden Liveticker" postet sie mehrmals täglich, wo es sich aktuell staut und gibt Tipps, wie man diese am besten umfahren kann. "Wenn ich Bus fahre, dann bekomme ich aktuelle Meldungen über Funk und kann diese dann anschließend posten."

Nicht für alle Frauen ein attraktiver Beruf

Andrea Kuhlenschmidt lebt für ihren Beruf, doch nicht viele Frauen folgen ihrem Beispiel. Unter den 730 Angestellten bei der Wiesbadener Verkehrsgesellschaft ESWE gibt es nach eigener Auskunft nur 39 Frauen. Und der Trend zeigt sich auch in anderen hessischen Städten. Eine der größten nordhessischen Verkehrsgesellschaften, KVG Kassel, beschäftigt 200 Mitarbeiter im Busbetrieb, von denen gerade mal 10 Frauen hinter dem Steuer sitzen. Ähnlich sieht es auch bei der Hessischen Landesbahn aus. Von 248 Busfahrern sind gerade mal neun Frauen.

Woran das liegt? Andrea hat eine Vermutung: "Viele Frauen trauen sich vielleicht nicht, so einen so großen Bus zu lenken und oder sie sind einfach nicht sehr technikbegeistert." Für Andrea ist Busfahren jedoch kein reiner Männerberuf: "Die Zeiten ändern sich. Frauen sind Pilotinnen und Männer Altenpfleger. Es gibt keine typischen Männer- oder Frauenberufe mehr."

Trotzt schwieriger Bedingungen ein Traumjob?

Generell fehlt es in der Branche an Mitarbeiten. Viele Busfahrer, besonders auch bei privaten Unternehmen, sind eher unzufrieden mit dem Job und streiken wiederholt für bessere Arbeitsbedingungen.

Andrea Kuhlenschmidt hat nie an ihrem Berufswunsch gezweifelt und hofft auf mehr weibliche Unterstützung: "Ich würde mir wünschen, dass mehr junge Leute und vor allem Frauen sich als Busfahrer ausbilden lassen. Es ist ein toller Beruf mit einer großen Verantwortung." So sehen das auch die Verkehrsgesellschaften in Hessen. Mit Werbebannern und Imagefilmen versuchen Busbetriebe wie die Hessische Landesbahn GmBH mittlerweile, den Beruf auch für Frauen attraktiver zu machen.