Spiele-Erfinder Klaus Teuber (rechts) spielt mit seinem Sohn das Spiel Catan

Vor 25 Jahren entstand in einem Keller in Hessen das Brettspiel "Siedler von Catan". Entwickelt hat das Spiel Klaus Teuber aus Roßdorf. Heute ist es in der ganzen Welt bekannt und gehört zu den beliebtesten Brettspielen überhaupt. Dabei wollte es zuerst niemand haben.

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Jens Zehrbachs Siedlung wächst und wächst. In Sekundenschnelle gibt er die Karten aus, würfelt, handelt, überlegt sich seine Strategie. An diesem Tag geht es für den Mann aus Lautertal um das Gewinnen. Bei einem Turnier in Seligenstadt kann er sich für die deutsche "Catan"-Meisterschaft qualifizieren. Seit 1996 spielt er das Brettspiel. Was als Familienbeschäftigung begann, wurde über die Jahre zu einer Art Profession.

Als er entdeckte, wie gut er in dem Spiel ist, fing er an, Turniere zu spielen, besiegte immer mehr Mitspieler und schaffte es schließlich in das Finale der deutschen Meisterschaft. Aktuell führt er die Rangliste der besten deutschen Spieler an. Trotzdem wurde ihm bisher nie langweilig: "Jedes Spiel ist anders, jeder Gegner ist anders. Man muss bei jedem Spiel lernen, die Gegner einzuschätzen, zu verstehen, wie tauscht mein Mitspieler, wie kann ich ihn beeinflussen."

Übersetzt in 41 Sprachen, vermarktet in 70 Ländern

Die Begeisterung für das Strategiespiel  ist nicht nur in Deutschland sehr groß. Auch in vielen anderen Ländern werden Turniere veranstaltet. "Catan" gilt neben "Monopoly" als stärkste Brettspielmarke der Welt. Übersetzt in 41 Sprachen wird das Brettspiel mittlerweile in 70 Ländern vermarktet. Ein Erfolg mit dem Spielerfinder Klaus Teuber niemals gerechnet hätte: "Ich dachte anfangs, dass das Spiel zwar Spaß macht, aber vielleicht auch zu komplex ist, um erfolgreich zu werden", sagt der 69-Jährige.

Anfang der 90er Jahre beginnt er das Spiel zu entwickeln. Er ist fasziniert vom Volk der Wikinger, das über die Meere segelt, Island und Grönland entdeckt. Bilder schwirren ihm im Kopf, er will diese Welt irgendwie einfangen und in einem Spiel beleben. Damals ist Teuber Zahnarzttechniker. In seiner Freizeit entwickelt er Ideen, bastelt aus Schere und Papier Spielfelder, sägt kleine Figuren aus, schmirgelt und malt.

Mit dem Micky-Maus-Heft zum Erfolg

Seine Prototypen testet er an seiner Familie, immer hoffend, dass diese genauso gefesselt Inseln besiedelt, Städte baut und Weizen erntet. "Die meisten meiner früheren Prototypen hatten oft viele Mängel. Meine Frau hat sich dann immer irgendwann verabschiedet."

Bei "Catan" ist das anders, die Familie ist schnell überzeugt von den sechseckigen Ländereien. "Man merkte die Begeisterung, die Mechaniken haben gut funktioniert, der Spielfluss war schnell da", erinnert sich Sohn Benjamin. Für Teuber war der Sohn zu einem der wichtigsten Kritiker geworden.

Um herauszufinden, wie viel Spaß das Spiel dem Jungen tatsächlich macht, wendet Teuber einen Trick an. In unmittelbarer Nähe des Sohnes platziert er die neuste Ausgabe des Mickey-Maus-Hefts. Greift Benjamin nach dem Heft, deutet Teuber das als Signal dafür, dass das Spiel noch zu langweilig ist.  

Verlage lehnen das Spiel ab

Vier Jahre lang arbeitet Teuber an seinem Besiedlungsspiel, dann reicht er seine Prototypen bei verschiedenen Verlagen ein. Teuber ist zu dem Zeitpunkt schon ein Bekannter in der Szene. Drei seiner Werke: "Barbarossa, Adel verpflichtet" und "Drunter und Drüber" waren zuvor mit dem Spiel des Jahres ausgezeichnet worden.

Trotzdem werden die "Siedler von Catan" zunächst überall abgelehnt. "So eine Auszeichnung zählt oft nicht. Den Verlagen ist wichtig, dass sie mit dem Spiel Werbung machen können und es im Fernsehen gut aussieht", sagt er. Für die großen Verlage ist das Spiel zu überschaubar, die bemalten Landschaften und Holzhäuschen sehen zu simpel aus, die Geschichte der Wikinger zu antiquiert. Sie wollen stattdessen lieber spektakuläre Hotelketten oder Dinosaurier. Aber Teuber lehnt ab.

Spielstart mit 3.000 Exemplaren

Der kleine Kosmos Verlag entscheidet sich schließlich dazu, das Spiel in einer kleinen Auflage zur Nürnberger Spielwarenmesse am 2. Februar 1995 zu veröffentlichen. Innerhalb weniger Monate sind alle 3.000 Exemplare restlos ausverkauft.

Noch im gleichen Jahr folgt die Auszeichnung zum "Spiel des Jahres 1995". Auch in den folgenden Jahren bricht der Erfolg nicht ab, die Umsatzzahlen steigen und steigen. 1998 kann Teuber seinen Beruf als Zahnarzttechniker aufgeben und fortan komplett in die Welt der Spiele eintauchen.

Silicon Valley entdeckt "Catan"

Spiel Catan

Vor einigen Jahren erlebt "Catan" eine weitere Trendwelle. In den USA wird das Spiel plötzlich von der Techbranche im Silicon Valley entdeckt. Facebook-Chef Marc Zuckerberg outet sich als Fan, in der Fernsehserie "Big Bang Theory" wird es gespielt und LinkedIn-Gründer Reid Hoffman ist so begeistert, dass er sich eine eigene Silicon-Valley-Version von "Catan" entwickeln lässt. Er nutzt das Brettspiel sogar als Bewerbungsaufgabe für künftige Manager in seinem Unternehmen.

"Viele seiner Bewerber sind hochqualifiziert. Ich vermute, Hoffman sieht das Spiel als Chance, auch die emotionale Kompetenz zu testen", sagt Benjamin Teuber, der heute gemeinsam mit seinem Vater neue Spiele entwickelt.

Brettspiele gewinnen Marktanteile

Neben den USA sind China, Japan und Länder in Südamerika große Abnehmer des Spiels. "Catan" wurde inzwischen über 30 Millionen Mal verkauft. Allein in Deutschland ging das Spiel im Jahr 2018 über zwei Millionen Mal über die Verkaufstheke. Der Kosmos Verlag erwartet sogar noch eine Steigerung für das vergangene Jahr. Und das, obwohl im digitalen Zeitalter zu erwarten wäre, dass sich der Spielemarkt mehr ins Digitale verlagert.

Brettspiele wirken im Vergleich zu Online-Games eigentlich unzeitgemäß. Wer würfelt noch gerne um ein bisschen Lehm und Holz, wenn er auf der Konsole riesige Open-World-Landschaften erkunden kann? Doch die Zahlen zeigen das Gegenteil. In den letzten fünf Jahren ist der Brettspielmarkt kontinuierlich gewachsen.

Auch für die nächsten Jahre erwartet die Branche weiteres Wachstum. Hermann Hutter, Vorsitzender der Spieleverlage e.V. ist überzeugt: "Gerade im digitalen Zeitalter schätzen die Menschen persönliche Kommunikation und gemeinsame Aktivitäten auch ohne Elektronik und Digitales."

Mitspieler am Tisch versus Online über Konsole

Das sieht auch Turnierspieler Jens Zehrbach so: "Mir macht es wesentlich mehr Spaß, wenn meine Mitspieler direkt bei mir am Tisch sitzen, als Online oder über die Konsole zu spielen." Durch "Catan" haben sich bei ihm deutschlandweit viele Freundschaften entwickelt, wie er sagt. Auch deswegen will er wieder bei der "Catan"-Meisterschaft dabei sein. Denn dort kommen wieder alle zusammen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 24.01.2020, 16.45 Uhr