Awo Kreisverband in Frankfurt

Über die mittlerweile insolvente Tochterfirma AWO Protect soll die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt Millionen von der Stadt kassiert haben. Nun wird das Ausmaß des entstandenen Schadens deutlich.

Durch die Insolvenz der in die AWO Affäre verwickelten Sicherheitsfirma AWO Protect sind bislang Erstattungsansprüche von 4,3 Millionen Euro entstanden. Der daraus berechnete Schaden bezieht sich auf Forderungsanmeldungen von Gläubigern in Höhe von knapp 2,5 Millionen Euro. Das teilte der Insolvenzverwalter Frank Mößle dem hr auf Anfrage mit. Der Insolvenzverwalter hat nun begonnen, von den Verantwortlichen Geld zurückzufordern.

Vom ehemaligen Geschäftsführer der AWO Protect, Klaus Roth, fordert er 3,9 Millionen Euro. Gegen Roth ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen Betrugs- und Untreueverdachts.

Grünen Landtagsabgeordneter Burcu im Visier

Auch einen Politiker hat der Insolvenzverwalter im Visier. Der grüne Landtagsabgeordnete Taylan Burcu hatte öffentlich zugegeben, er habe von der AWO Protect 41.000 Euro Gehalt bekommen, ohne streng genommen für die AWO Protect eine Arbeitsleistung erbracht zu haben. Das habe allerdings nur formale Gründe gehabt, er habe für die damals neu gegründete AWO ProServ GmbH in Wiesbaden gearbeitet. Ob er das Geld zurückzahlen wird, bleibt offen. Dem hr anwortete Burcu auf Anfrage, er könne sich "aufgrund laufender Klärungen" dazu nicht äußern.

Die AWO Protect bildet den Ausgangspunkt der AWO-Affäre. Bei der Bewachung von zwei Flüchtlingsheimen fanden mutmaßlich Betrügereien im großen Stil statt. Über die AWO Protect soll die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt Millionen von der Stadt kassiert haben. Die ehemalige AWO-Führung steht zudem im Mittelpunkt eines Skandals um überhöhte Einkommen und Luxus-Dienstwagen, der im vergangenen Jahr öffentlich wurde.

Die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt hatte den durch die ehemalige AWO-Führung entstanden Schaden vor rund zwei Wochen nach oben korrigiert. War die neue Chefin Petra Rossbrey im Juni noch von einem geschätzten Gesamtschaden von 4,5 Millionen Euro für die Jahre 2015 bis 2019 ausgegangen, berichteten der hauptamtliche Vorstand und das ehrenamtliche Präsidium zuletzt von 6,3 Millionen Euro.

Disclaimer: In einer früheren Version des Artikels war von 4,3 Millionen Euro Schaden durch AWO Protect die Rede. Dies ist nicht der Fall, bei der Summe handelt es sich um die Ersatzansprüche. Wir haben den Fehler korrigiert.

Sendung: hr-iNFO, 28.10.2020, 08.00 Uhr