Eine rotes Schild an einer Glastür. Darauf steht geschrieben "2G Regel - Geimpft, Genesen". Und daneben Symbole für ein Coronavirus und eine Spritze.

2G im Restaurant, 3G am Arbeitsplatz, ausgeweitete Maskenpflicht: Gegen die vierte Corona-Welle versucht es die hessische Landesregierung mit einem Bündel an verschärfenden Maßnahmen. Ein Überblick.

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hessenschau vom 25.11.2021
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Die Corona-Fallzahlen steigen, die Zahl der Schwerkranken auf Intensivstationen steigt auch: In dieser Lage hat Hessen die verschärften Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie übernommen, die der Bund-Länder-Gipfel in der vergangenen Woche beschloss. Sie treten an diesem Donnerstag in Kraft.

2G flächendeckend

Damit gilt in Hessen auf vielen Gebieten flächendeckend 2G, also nur noch Zugang für Genesene und Geimpfte - oder eben Menschen, die sich per Attest bestätigt nicht impfen lassen können, aber einen aktuellen Test vorlegen. Ausschlaggebend sind festgelegte Belastungsstufen in den Kliniken - Maßstab ist die Hospitalisierungsrate (die finden Sie hier).

Liegt diese Rate über der Stufe von 3, müssen Freizeit-, Kultur- und Sportveranstaltungen, Gastronomie sowie körpernahe Dienstleistungen und Hotels die 2G-Regel anwenden. Bisher war das eine Option. Auch weitere Beschlüsse zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wurden gefasst.


Gastronomie, Sport, Kultur und Freizeit

Hier greift künftig die 2G-Regel. Somit haben nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt zu Freizeit- und Kulturveranstaltungen, Sport in Innenräumen, Spielbanken und der Gastronomie. Zusätzlich gilt eine Maskenpflicht an Sitzplätzen, etwa im Kino oder Theater. Einzige Ausnahme stellt der Restaurantbesuch dar. Hier können die Gäste ihre Maske am Platz selbstverständlich abnehmen.

Betriebe können auf Wunsch aber noch strenger werden und die 2G-plus-Regel einführen. Das bedeutet: Geimpfte und Genesene benötigen zusätzlich einen aktuellen Corona-Test. Grund dafür: Die Immunreaktion lässt, wie inzwischen bekannt ist, nach einigen Monaten nach - und damit auch der Schutz vor dem Virus nach Impfung oder überstandener Krankheit. Unter den 2G-plus-Bedingungen dürfen die Besucher auf Maske und Abstand verzichten – das gilt allerdings nicht für Betriebe der Grundversorgung, Bordelle und Clubs.

Hotels

In Hotels gilt ebenfalls, dass in aller Regel nur noch Geimpfte und Genesene (2G) dort übernachten dürfen. Eine Ausnahme gilt für diejenigen Gäste, die beruflich bedingt reisen. Diese dürfen unter der 3G-Regel weiterhin einchecken.

Körpernahe Dienstleistungen

Auch bei körpernahen Dienstleistungen, die medizinisch nicht notwendig sind, gilt 2G. Davon ausgenommen sind Friseure, die Teil der Grundversorgung in Hessen sind. Es gilt eine FFP2-Maskenpflicht.

Schulen und Hochschulen

Die 3G-Regelung soll fortan in Hochschulen gelten. Darauf hat sich das Corona-Kabinett verständigt. Bislang gab es in Hochschulen dafür keine Vorschrift – die Hochschulen selbst konnten bestimmen, welche Regeln vor Ort gelten.

In Schulen gilt weiterhin die 3G-Regelung, die Schüler müssen dreimal die Woche getestet werden. Bis zu den Weihnachtsferien gilt in den Schulen außerdem eine Maskenpflicht – auch am Sitzplatz.

Clubs und Bordelle

Wegen des besonderen Ansteckungsrisikos soll in Clubs und Bordellen die 2G-plus-Regel greifen. Das bedeutet: Es haben nur geimpfte und genesene Personen Zutritt. Diese benötigen zusätzlich einen tagesaktuellen Test.

Weihnachtsmärkte und Volksfeste

Die Landesregierung verzichtet auf einheitliche Vorgaben für Weihnachtsmärkte. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte, grundsätzlich blieben die Märkte erlaubt. Die Regeln müssten die Kommunen selbst festlegen.

Auf Weihnachtsmärkten und Volksfesten soll eine Maskenpflicht überall dort gelten, wo es besonders eng wird. Stände zum Essen und Trinken sollen in einem abgezäunten Bereich sein, hier greift die 2G-Regel. Für die Sicherheit soll es stichprobenartige Kontrollen geben, um die Einhaltung der Corona-Maßnahmen zu überprüfen.

Veranstaltungen

Bei Veranstaltungen mit mehr als 25 Gästen in Innenräumen gilt die 2G-Regel – außerdem Maskenpflicht und Abstandsregeln. Veranstaltungen mir mehr als 1.000 Gästen müssen genehmigt werden. Bislang konnten Feste mit bis zu 5.000 Gästen ohne eine Genehmigung stattfinden.

Arbeitsplatz und Homeoffice

Automatisch seit Inkrafttreten des Bundesinfektionsschutzgesetzes am 24. November gilt in Hessen ebenfalls die 3G-Regel am Arbeitsplatz. Wer bei der Arbeit mit Menschen in Berührung kommt, muss geimpft oder genesen sein oder sich täglich testen lassen. Arbeitnehmer müssen dann einen Nachweis vorlegen, der Arbeitgeber ist zur Kontrolle verpflichtet. Beschäftigte, die sich weigern, müssen im Homeoffice arbeiten oder anderswo eingesetzt werden.

Generell gilt wieder eine Homeoffice-Pflicht. Beschäftigten mit "Büroarbeiten oder vergleichbaren Tätigkeiten" muss Homeoffice ermöglicht werden - es sei denn, es geht aus betrieblichen Gründen nicht, wie etwa beim Bearbeiten von Post.

Fern- und Nahverkehr

Aufgrund des Bundesinfektionsschutzgesetzes gilt die 3G-Regel im öffentlichen Personennahverkehr und im Fernverkehr. Nur noch geimpfte, genesene oder getestete Personen sollen dann Bus und Bahn in Anspruch nehmen können.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) kündigten jedoch an, die 3G-Regel im öffentlichen Nahverkehr lediglich stichprobenartig zu kontrollieren. Anders sei dies nicht realisierbar. Die Stichproben würden gemeinsam mit der Polizei und den Ordnungsbehörden der Kommunen durchgeführt, wie es bei der Maskenpflicht auch der Fall sei.

Alten- und Pflegeheime, Kliniken, Arztpraxen

Zudem gilt laut Bundesinfektionsschutzgesetz eine Testpflicht in Pflege- und Altenheimen und Kliniken. Wer dort arbeitet und nicht geimpft ist, muss sich täglich testen lassen, geimpfte oder genesene Beschäftigte müssen zweimal die Woche Selbsttests machen. Alle Besucherinnen und Besucher müssen einen negativen Nachweis vorlegen. Schnelltests dürfen nicht älter als 24 Stunden sein, PCR-Tests maximal 48 Stunden alt sein.

Die Einrichtungen sind zu einem Testangebot vor Ort verpflichtet – ein überwachter Selbsttest ist dabei zulässig. Es kann jedoch auch ein Test in einer anerkannten Teststelle gemacht werden.

In Arztpraxen verändert sich für Patienten auch nach der Aktualisierung des Bundesinfektionsschutzgesetzes vorerst nichts. Sie sind weiterhin zum Tragen einer medizinischen Schutzmaske verpflichtet. Einen Genesenen- oder Impfnachweis sowie einen tagesaktuellen negativen Corona-Test müssen sie nicht vorweisen. Dasselbe gilt für Begleitpersonen, wie die Kassenärztliche Vereinigung Hessen auf hr-Nachfrage klarstellte.

Impfpflicht

Ob es eine Impfpflicht geben wird, war zunächst unklar. Einen Tag nach den Bund-Länder-Gesprächen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) "zeitnah" eine Entscheidung über eine mögliche Impfpflicht für die Mitarbeiter von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen in Aussicht gestellt. Die Bundesländer hatten die Regierung gebeten, eine Impfpflicht für alle Menschen einzuführen, die Kontakte zu besonders gefährdeten Personen haben.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) betonte nach dem Corona-Gipfel am 18. November, es solle sich nicht um eine berufsabhängige Impfpflicht handeln. Sie betreffe alle Mitarbeiter "bis zur Reinigungskraft", die zum Beispiel in Krankenhäusern oder Altenheimen mit den vulnerablen Gruppen in Kontakt kämen.

Hospitalisierungsinzidenz über 6 und 9

Bei Überschreiten der Hospitalisierungsinzidenz von 6 werden die Maßnahmen zusätzlich verschärft. "An Orten mit einer sehr hohen Infektionsgefahr" werde dann auch von Geimpften und Genesenen ein aktueller Antigen-Schnelltest verlangt, erklärte Bouffier.

Noch nicht abschließend geregelt ist die Frage, welche zusätzlichen Maßnahmen ab der dritten Eskalationsstufe greifen - also bei Überschreiten der Hospitalisierungsrate von 9. Dann sollen die Länder auch härtere Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen oder Einschränkungen und Verbote von Veranstaltungen verhängen können.

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