Feuerwehr Frankfurt

Fast eine halbe Million Überstunden hat die Frankfurter Feuerwehr bereits angehäuft. Damit die immer wachsende Arbeit nicht an immer weniger Leuten hängen bleibt, sucht sie dringend nach Verstärkung. Doch das ist nicht so einfach.

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hessenschau vom 28.11.2019
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Wenn es brennt, müssen Marc Steinmann und seine Kollegen von der Berufsfeuerwehr Frankfurt ausrücken. Dafür sind sie da. In letzter Zeit müssen sie aber immer häufiger ran, denn die Einsätze häufen sich, die Zahl der verfügbaren Kollegen aber nicht. Die Folge: Rund 420.000 Überstunden haben sich über die vergangenen Jahre bei den Brandbekämpfern angehäuft.

200 Feuerwehrleute fehlen

Etwa 1.200 Menschen arbeiten aktuell bei der Frankfurter Feuerwehr. Nicht genug: In den nächsten Jahren brauche man 200 weitere Feuerwehrmänner und -frauen, um die anstehenden Aufgaben bewältigen zu können, rechnen die Brandbekämpfer vor. Die Stadt hat bereits grünes Licht für eine personelle Aufstockung gegeben, doch die Suche nach Verstärkung gestaltet sich schwierig.

Dabei bewegen sich die aktiven Feuerwehrleute am Limit. "Darunter leidet die Freizeit. Aktivitäten, die man geplant hat, können einfach nicht stattfinden", klagt Steinmann, der seit neun Jahren für die Feuerwehr im Einsatz ist. "Ich habe ein achtjähriges Kind, und das möchte halt auch Freizeit mit seinem Vater verbringen."

Steinmann hat bereits 300 Überstunden auf dem Konto, im Schnitt sind es bei den Kollegen sogar 600. Und die Arbeit wird nicht weniger. In der Leitstelle gehen jährlich rund zwölf Prozent mehr Notrufe ein. Immer mehr Menschen ziehen nach Frankfurt, die Bevölkerung wird älter, zudem wählen die Menschen deutlich häufiger den Notruf.

Ausbildung gestaltet sich schwierig

Um dem Personalmangel auch perspektivisch entgegenzuwirken, setzt die Frankfurter Feuerwehr auf den eigenen Nachwuchs. Die Zahl der Auszubildenden soll jährlich von 48 auf 75 steigen. Diese Zahl ist Teil eines Konzepts, das im Oktober im Frankfurter Stadtparlament verabschiedet wurde und den Kräftemangel bis 2040 nachhaltig in den Griff bekommen soll.

Auch in den Schulen bietet die Feuerwehr vom Land geförderte AGs an. Allerdings sei es laut stellvertretendem Amtsleiter Thomas Jackel immer schwieriger, körperlich fitte Auszubildende zu finden. Die Bewerber würden immer häufiger am Sporttest oder bei der amtsärztlichen Untersuchung scheitern.

Und selbst wenn er genug Auszubildende findet, sei es schwierig, diese auch zu halten. Kleine Gemeinden auf dem Land werben den Feuerwehr-Nachwuchs gezielt ab, denn auch dort fehlen ehrenamtliche Feuerwehrleute an allen Ecken und Enden. Die ländlichen Kommunen stellten deswegen verstärkt ausgebildete Kräfte in der Verwaltung ein, die dann im Notfall auch ausrücken können, so Jackel.

Pendler setzen Freiwilligen Feuerwehren zu

Auch für die rund 2.600 Freiwilligen Feuerwehren wird es zunehmend schwierig, die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. Vor allem der hohe Pendler-Anteil unter den etwa 72.000 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten bereite Probleme. "Die Leute arbeiten nicht mehr am Wohnort und stehen in dieser Zeit in der Regel nicht zur Verfügung", sagte Harald Popp, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbands Hessen.

In Ginsheim-Gustavsburg (Groß-Gerau) hat man aufgrund des Personalmangels kürzlich sogar in Erwägung gezogen, Einwohner zum ehrenamtlichen Dienst in der Feuerwehr zu verpflichten. Das erlaubt das hessische Brandschutzgesetz. "Die Einrichtung einer Pflichtfeuerwehr sollte aber immer nur die letzte Möglichkeit sein, um den Brandschutz und die Allgemeine Hilfe innerhalb einer Gemeinde sicherzustellen", sagte Marcus Gerngroß, Sprecher des hessischen Innenministeriums.

Neu wäre das nicht: In Lindenfels (Bergstraße) wurden im Ortsteil Seidenbuch im Jahr 2002 ebenfalls Einwohner für den Feuerwehrdienst herangezogen. Nach zwei Jahren sei die Freiwillige Feuerwehr in diesem Ort wieder funktionsfähig gewesen.

Für Marc Steinmann ist und bleibt Feuerwehrmann trotz aller Probleme und Sorgen sein Traumberuf: "Der Beruf ist sehr vielseitig. Wir wissen morgens nicht, was wir tagsüber erleben. Jeder Tag ist anders, und das ist das Spannende." Er freut sich jedenfalls auf die neuen Kollegen, wenn sie denn dann irgendwann mal da sind.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 28.11.2019, 16.45 Uhr