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Leck im Fernwärmenetz gefunden: Hoffnung für Anwohner im Wetzlarer Westend

Nur kaltes Wasser und keine Heizung: Ein defektes Fernwärmenetz sorgt in Wetzlar seit drei Monaten für Frust und Gänsehaut. 70 Anwohner sind betroffen. Nun wurde die Ursache endlich gefunden - behoben ist sie allerdings noch nicht.

Es ist ein unterirdisches Problem, im wahrsten Sinne des Wortes. Rund 70 Bewohnerinnen und Bewohner einer Wohnsiedlung im Wetzlarer Westend (Lahn-Dill) haben derzeit keinen Zugang mehr zu warmem Wasser, auch heizen können sie nicht. Ihre Häuser verbindet ein gemeinsames Fernwärmenetz, das von einer Privatfirma betrieben wird. Zum Teil sind die Häuser schon seit August komplett ohne Wärme.

Nach Monaten, in denen unklar war, woher der Defekt rührt und wann er behoben werden kann, wurde nun offenbar die Ursache gefunden: Eine Spezialfirma lokalisierte zwei Lecks im unterirdischen Rohrsystem, wie Anwohner dem hr bestätigten. Nun müsse eine Tiefbaufirma an den betroffenen Stellen den Asphalt aufbaggern, um an die Rohre zu gelangen. Wann das passiert, ist weiterhin unklar. Zuerst hatte die Wetzlarer Neue Zeitung über die Entwicklung berichtet.

Neben den Privathäusern ist auch ein Nachbarschaftszentrum mit Kita betroffen. Die Häuser werden derzeit zum Teil notdürftg mit elektrischen Lüftern beheizt, manche Anwohner gehen zum Duschen ins Schwimmbad oder ins Fitnessstudio.

Betreiber seit Monaten in der Kritik

Die Betreiberfirma, die Energieanlagen Betriebsgesellschaft mbH (EAB), steht in Wetzlar schon seit Jahren in der Kritik. Immer wieder sei es zu Ausfällen und fehlerhaften Abrechnungen gekommen, hatte Energiedezernent Norbert Kortlüke (Grüne) im Oktober berichtet. Anwohner kritisieren außerdem die mangelhafte Kommunikation. Auch für den hr war die Firma nicht für eine aktuelle Stellungnahme erreichbar, die Internetseite ist derzeit einem Hinweis zufolge "unter Bearbeitung".

Die Stadt Wetzlar, die mit dem Nachbarschaftszentrum selbst Kundin der EAB ist, teilte dem hr mit: Auch sie habe keine näheren Informationen von Seiten der EAB erhalten und wisse ebenfalls nicht, wann die Reparaturarbeiten starten können.

Anwohner hoffen auf schnelle Reparatur

Weil Fernwärme, anders als etwa die Versorgung mit Strom und Gas, nicht gesetzlich reguliert wird, haben die Anwohnerinnen und Anwohner vergleichsweise wenig Handhabe, um juristisch gegen den Betreiber vorzugehen. Viele haben inzwischen Anwälte engagiert und gehen zivilrechtlich gegen die EAB vor, so auch die Stadt Wetzlar.

Anwohner Heinz-Werner Michel hat zudem Strafanzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung gestellt. Er habe sich wegen der fehlenden Wärme schwer erkältet. Dem hr sagt er: Seine Frau und er seien beide über 70 Jahre alt, er sorge sich um ihre Gesundheit. Nun sei er trotzdem hoffnungsvoll, dass bald wieder Wärme in den Häusern ankommen wird. "Wenn jetzt die Lecks gefunden sind, sollte die Reparatur fix gehen", so Michel.

Jacqueline Bredereck, Tochter einer Anwohnerin, ist dagegen weniger optimistisch: "Ich glaube es erst, wenn es wieder läuft." Bredereck berichtet: Im Haus ihrer Mutter betrage die Zimmertemperatur teilweise nur noch 16 Grad, auch Schimmel sei in den ausgekühlten Häusern ein zunehmendes Problem. Auch Jaqueline Bredereck, die selbst Juristin ist, zieht weitere rechtliche Schritte in Betracht, zum Beispiel, eine mögliche Insolvenzverschleppung prüfen zu lassen.

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