Protest gegen ein Treffen von Burschenschaftern

Rund 750 Menschen haben in Marburg gegen eine Konferenz bei der Burschenschaft "Germania" protestiert. Das Motto des Protests lautete: "Nazivillen dicht machen! Europa entnazifizieren!" Unterstützung gab es aus der Politik.

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Hessenschau vom 26.10.2019
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Rund 750 Menschen zogen laut Polizei am Samstag durch die Marburger Innenstadt, um gegen eine Konferenz der "Neuen Rechten" zu demonstrieren. Die Konferenz fand in Räumen der völkischen Burschenschaft "Germania" statt.

Die Demonstranten zogen mit lauter Musik und Plakaten durch die Oberstadt und versammelten sich anschließend vor dem Verbindungshaus der "Germania". Das Motto des Protests lautete: "Nazivillen dicht machen! Europa entnazifizieren, in Marburg anfangen!" Wie die Polizei am Abend mitteilte, verlief die Protestaktion friedlich.

Gäste aus verschiedenen rechten Spektren hatten ihr Kommen zu der Konferenz angekündigt - beispielsweise Vertreter der vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung oder Mitglieder der neonazistischen Kleinstpartei "Der III.Weg". Die Burschenschaft hatte drei Redner aus der rechtsextremen Szene nach Marburg eingeladen, um auf der Konferenz mit dem Thema "Junges Europa" zu sprechen.

Abgrenzung zu "alten und neuen Nazis"

An der Protestaktion gegen die rechtsextreme Konferenz nahmen zahlreiche Politiker und Vertreter von Gewerkschaften und Verbänden teil, darunter auch der Marburger Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD). "Wir sehen mit großer Sorge, dass Neonazi-Kader hier ihre Treffpunkte haben", sagte Spies dem hr. "Umso wichtiger ist es, dass wir das deutlich machen." Deswegen habe der Magistrat beschlossen, dass er die Demonstration gegen Rechtsextremismus "begrüßt und unterstützt".

Es gehe den Magistratsmitgliedern um eine klare Abgrenzung zu "alten und neuen Nazis". Spies sieht darin eine "Position der Verantwortung": Man müsse zusammenstehen, es reiche nicht, wenn diejenigen, die seit Jahrzehnten gegen Faschisten kämpften, das alleine machen müssten. "Hier sind wir alle gefordert, deswegen sind wir hier", sagte der Oberbürgermeister.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hatten wir berichtet, dass der AfD-Politiker Thorben Braga sein Kommen zu der Konferenz angekündigt hatte. Diese Angabe war nicht korrekt, wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Sendung: hr-iNFO, 26.10.2019, 18:12 Uhr