Zur Kundgebung in der Marburger Oberstadt kamen tausende Menschen.
Zur Kundgebung in der Marburger Oberstadt kamen tausende Menschen. Bild © Jochen Schmidt (hr)

"Wir sind mehr" in Marburg: Mehrere tausend Menschen haben gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass demonstriert. Aufgerufen hatten die Stadt und etliche Unterstützer. Verwirrung gab es unterdessen um den Aufruf zu einer angeblichen "Wir sind mehr"-Demo in Frankfurt.

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Nach dem "Wir sind mehr"-Konzert in Chemnitz haben am Freitag unter dem selben Motto tausende Menschen in Marburg gegen Rechtsextremismus demonstriert. Die Polizei sprach von rund 7.500 Teilnehmern, die sich am Nachmittag nach einem Protestzug von der Stadthalle durch die Innenstadt am Historischen Rathaus in der Oberstadt versammelten.

Zu der Kundgebung "Marburg gegen Rechtsextremusmus" hatte die Stadt aufgerufen. Innerhalb von zwei Tagen hätten weit über hundert Firmen, Vereine und Gruppen ihre Unterstützung bekundet, wie die Stadt auf ihrer Homepage mitteilte.

OB: Klares Zeichen gegen Rechts

Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) sagte: "Das ist bereits jetzt ein deutliches Signal der Marburger Stadtgesellschaft in dieser für unsere Demokratie so existenziell wichtigen Frage." Die Ereignisse von Chemnitz müsse man ernst nehmen.

Die Veranstaltung hatte das Stadtparlament vor einer Woche mit den Stimmen aller Fraktionen beschlossen. Man habe nach den Ereignissen in Chemnitz in Marburg ein starkes Zeichen gegen Gewalt und Rassismus setzen wollen. Daher sei die Demonstration sehr kurzfristig organisiert worden.

In Chemnitz war es nach der Tötung eines Deutschen vor knapp zwei Wochen zu Aufmärschen rechter Gruppen gekommen. Teilnehmer sollen den Hitlergruß gezeigt und ausländisch aussehende Menschen angegriffen haben. Auch Journalisten wurden attackiert. Die Ereignisse lösten bundesweite Diskussionen und massive Gegenproteste aus. Zum "Wir sind mehr"-Konzert in Chemnitz unter anderem mit Kraftklub und den Toten Hosen waren am Montag rund 65.000 Besucher gekommen.

Fake-Aufruf zu "Wir sind mehr" in Frankfurt

Verwirrung gab es am Freitag um einen Aufruf auf Facebook zu einer angeblichen "Wir sind mehr / Frankfurt"- Demo am 30. September. Dazu aufgerufen hatte eine "Antifa Büdingen". Zwischenzeitlich hatten sich über 6.200 Menschen für die Veranstaltung interessiert. Es deutet jedoch einiges jedoch darauf hin, dass es sich bei dem Aufruf um ein Falschmeldung handelt.

Die Facebook-Seite hat nur 14 Likes. Sie hieß bis Ende August "Antifa Offenbach" und hatte unter diesem Namen schon einmal zu einer Anti-AfD-Demo in Altenstadt aufgerufen, die sich als Fake herausstellte. Weder das "Büdinger Bündnis für Demokratie und Vielfalt" noch die "Antifa Bildungsinitiative" in Friedberg haben auf Nachfrage von einer "Antifa Büdingen" bisher gehört. Auch ist nach Angaben des Frankfurter Ordnungsamts bisher keine Anmeldung einer Demonstration eingegangen.

Es drängt sich daher der Verdacht auf, dass jemand die Namen von Personen abgreifen wollte, die auf eine Demo gegen Rechtsextremismus gehen möchten.