Erinnerungsraum der "Initiative 19. Februar" für die Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau

Der Aachener Friedenspreis geht in diesem Jahr unter anderen an Angehörige der Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau. Mit der Initiative 19. Februar und der Bildungsinitiative Ferhat Unvar engagieren sie sich gegen Rassismus.

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Viele Blumenkränze und Kerzen stehen an dem provisorisch eingerichteten Gedenkort für Opfer des Anschlags in Hanau. In der Mitte des Arrangements Bilder von Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz und Fatih Saraçoğlu
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Zwei Antirassismus-Initiativen aus Hanau erhalten den diesjährigen Aachener Friedenspreis. Die Angehörigen der Opfer der rassistischen Morde sorgten mit der Initiative 19. Februar Hanau und der Bildungsinitiative Ferhat Unvar gemeinsam dafür, "dass rassistische Morde im Bewusstsein aller bleiben, damit sich das gesellschaftliche Klima verändert und rassistische Ressentiments nie wieder Menschenleben kosten", wie der Verein des Friedenspreises am Dienstag mitteilte.

"Verharmlosung von rechten Umtrieben nicht länger tolerieren"

Trotz eigener Betroffenheit und Traumata setzten sie sich für Frieden, Sensibilisierung und Aufklärung ein. Die beiden Initiativen teilen sich ein Preisgeld von 2.000 Euro. "Wir müssen uns jeden Tag selbst reflektieren, wo auch wir rassistische Muster in uns tragen", erklärte das Vorstandsmitglied des Vereins Aachener Friedenspreis, Benedikt Kaleß: "Wir dürfen aber auch die Verharmlosung von rechten Umtrieben nicht länger tolerieren."

Die Bildungsinitiative Ferhat Unvar will "allen Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und deren Eltern, die rassistische Erfahrungen im Alltag oder in der Schule machen, eine Anlaufstelle bieten". So möchte Ferhats Mutter Serpil Temiz Unvar das Gedenken an ihren Sohn aufrechterhalten. "Gemeinsam setzen wir uns aktiv gegen Alltags- und institutionellen Rassismus ein." Die Initiative bietet unter anderem in Schulen antirassistische Workshops an.

Initiative sieht "Kette des Versagens"

Die Initiative 19. Februar unterstützt nach eigenen Angaben nicht nur Überlebende und Hinterbliebene, sondern drängt auf eine öffentliche Aufarbeitung der Geschehnisse, wie Sprecherin Newroz Duman im Interview sagte. Die Initiative sieht eine "'Kette des Versagens' vor, während und nach der Tat", wie Duman im Hinblick auf den Untersuchungsausschuss des Landtags sagte.

Sie kritisierte, "dass staatlicherseits keine Verantwortung übernommen wird und dass es keine Konsequenzen geben wird". Hessen brauche einen Fonds, "der dezidiert für Opfer rechter Gewalt aufgelegt wird", forderte Duman zudem. In unmittelbarer Nähe zu einem der Tatorte schuf die Initiative ein soziales Zentrum als Ort für Begegnung und Beratung.

Die Linke im Landtag teilte mit, der Preis würdige "unermüdliche Aufklärungsarbeit". Die Kraft und Anstrengungen der Angehörigen und Initiativen sei beeindruckend, sagte die Obfrau der Fraktion im Untersuchungsausschuss, Saadet Sönmez. Sie betonte, es seien noch viele Fragen in Bezug auf die Tatnacht offen. "Die Aufklärung muss weitergehen."

Auszeichnung soll vor Repressionen schützen

Bei der Preisverleihung am 13. November in Aachen wird gemeinsam mit den Hanauer Initiativen auch die christlich-muslimische Fraueninitiative "Women's Interfaith Council (WIC)" aus Kaduna in Nigeria für ihren Einsatz für ein friedliches Zusammenleben geehrt.

Der friedenspolitische Verein zeichnet seit 1988 jedes Jahr Menschen und Gruppen im In- und Ausland aus, die an der Basis und oft aus benachteiligten Positionen heraus für Frieden und Verständigung arbeiten. Die Auszeichnung soll den Initiativen zu mehr öffentlicher Aufmerksamkeit verhelfen und dadurch die in schwierigen Bedingungen arbeitenden Gruppen vor Repressionen und Gewalt schützen.

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