Florian Reifschneider in seinem Homeoffice

Mit der Homepage und dem Hashtag #StayTheFuckHome ruft der Frankfurter Florian Reifschneider dazu auf, sich in freiwillige Quarantäne zu begeben. Innerhalb weniger Tage ist sein Aufruf zu einer internationalen Bewegung geworden.

Mit seiner Homepage staythefuckhome.com will der Frankfurter Florian Reifschneider helfen, die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Er ruft dazu auf, sich möglichst rasch in freiwillige Quarantäne zu begeben.

Innerhalb weniger Tage haben 1,5 Millionen Menschen sein Selbst-Quarantäne-Manifest gelesen. Freiwillige aus aller Welt fertigen Übersetzungen in verschiedene Sprachen. Auch der Hashtag #StayTheFuckHome verbreitet sich über Instagram und Twitter rasend schnell. Ein Erfolg, den der 29-Jährige nicht erwartet hat. Ihm ging es anfangs um Selbstschutz und die Gesundheit seiner Mitarbeiter.

Seit Mitte Februar freiwillig in Quarantäne

Reifschneider ist Mitgründer und Technischer Direktor des Frankfurter Software-Unternehmens Rocketloop. Zehn Mitarbeiter beschäftigt das Start-Up. "Wenn da alle Leute gleichzeitig krank sind, das können wir uns nicht leisten."

Bereits Mitte Januar als in Deutschland noch keine Gefahr vom Coronavirus auszugehen schien, habe er mit Sorge auf die Entwicklung in China geblickt "Ich fand die Informationen darüber, welche Eigenschaften das Virus hat, sehr beunruhigend." Reifschneider recherchierte, las medizinische Studien und fing dann an, sein direktes Umfeld davon zu überzeugen, dass Corona zu einem Problem werden könnte.

Aus Selbstschutz wird internationale Bewegung

Mitte Februar dann, als die Situation in Italien immer bedrohlicher wurde, schickte er seine komplette Belegschaft ins Homeoffice. In seiner selbst gewählten Quarantäne kam dem 29-Jährigen dann der Gedanke, dass er nicht nur sein persönliches Umfeld warnen und schützen möchte. Die Idee zu #StayTheFuckHome war geboren.

Sein 12-Punkte-Manifest speist sich aus recherchierten Informationen und "gesundem Menschenverstand", so Reifschneider. Hände waschen, Reisen minimieren, Interaktionen möglichst auf Telefonate oder Videochats verlagern - alles keine neuen Ideen. Doch in dieser komprimierten Form kommt der Aufruf bei den Menschen offenbar an. Die Abrufzahlen schnellen in die Höhe, der Hashtag steht bei Twitter so hoch im Kurs wie ein weiterer Trend-Hashtag: #flattenthecurve.

Von Erfolg überrollt

"Genau darum geht es", betont Reifschneider. Die Virus-Verbreitung aufzuhalten, damit das Gesundheitssystem mit der Anzahl an Patienten zurecht kommt und nicht zusammenbricht. "Und jeder kann seinen Teil dazu beitragen."

Dass die Internet-Community großartig funktioniert und ihren Teil dazu beiträgt, bekommt der Frankfurter seit einigen Tagen zu spüren. Er sei von Mails aus aller Welt überrollt worden. "Viele Freiwillige haben sich gemeldet, die Seite in alle möglichen Sprachen zu übersetzen." Zwölf sind es aktuell, zehn weitere Übersetzungen seien fast fertig.

Gefragt nach guten Tipps, wie man sich denn die Zeit in der selbst gewählten Quarantäne vertreiben könne, sagt Reifschneider lachend: "Gründen Sie eine internationale Bewegung, das ist echt zeitintensiv." Wem das nicht behage, der könne ja die Zeit nutzen, mal richtig zu Hause durchzuputzen.