Mädchen geht Treppe hoch mit Abstandsschild

Ab Montag dürfen Kinder ab der vierten Klasse wieder in die Schule - unter strengen Corona-Auflagen und nur an einzelnen Tagen. Die Wiedersehensfreude wird durch Abstandsregeln getrübt. Ein Überblick.

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zum Video Wieder Klage gegen Schulöffnung für Viertklässler

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Hurra, die Schulen machen wieder auf? Für viele wird der nächste Schritt der Öffnungen der Schulen am Montag eher eine logistische und nervliche Herausforderung: Die Schulen müssen für Hygiene, Abstand und Unterricht im Schichtsystem sorgen, Eltern müssen weiter zu Hause beim Lernen helfen und bekommen nur tageweise Entlastung durch Unterricht an der Schule.

Und Schüler können zwar wieder in die Schule, bekommen aber ein sehr abgespecktes Programm, sowohl im Unterricht als auch sozial: Die Freude über das Wiedersehen mit Schulfreunden, Spielen auf dem Pausenhof - alles muss mit dem nötigen Abstand passieren. Aber wer darf nun am Montag überhaupt wann und wie in die Klassenräume zurück? Ein Überblick.

Wer darf ab Montag wieder in die Schule?

Schüler der Jahrgangsstufe 4 und an weiterführenden Schulen werden ab Montag wieder in Klassen unterrichtet, wenn auch nicht so wie vor der Corona-Krise. Dazu gehören auch Intensivklassen, Berufsschulen, Schulen für Erwachsene und Förderschulen. Die genaue Auflistung findet sich hier. Mit Präsenztagen solle zunächst ein "wichtiger Anker" geschaffen werden, heißt es vom Kultusministerium. Das heißt: Nicht jeder Schüler wird jeden Tag in der Schule sein, ergänzend soll weiter zu Hause gepaukt werden. In einem weiteren Schritt werden ab dem 2. Juni die Grundschulen für die ersten bis dritten Klassen geöffnet.

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Was halten Sie davon, dass die Schulen wieder geöffnet werden?

Seit 27. April dürfen die Abschlussklassen wieder in die Schule. Die Viertklässler, die am Montag starten, werden zunächst 20 Stunden in der Woche unterrichtet, allerdings nur für zwei Wochen. Wenn am 2. Juni die jüngeren Schüler kommen, wird der Präsenzunterricht auch für Viertklässler auf sechs Wochenstunden begrenzt.

Wie sieht der Unterricht unter Corona-Auflagen aus?

Es sollen nicht mehr als 15 Schüler in einem Raum unterrichtet werden und insgesamt nicht zu viele Schüler auf einmal in der Schule sein. Auch Pausen sollen im Schichtbetrieb abgehalten werden. Für die Schulen bedeutete das in den letzten Wochen Tüfteln: Klassen müssen geteilt und Unterricht tageweise im Schichtsystem organisiert werden. Notbetreuungen für Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen müssen aufrechterhalten werden.

Dazu kommt, dass die Schüler ausreichend in die Hygienevorschriften eingewiesen werden müssen, Corona wird Teil des Unterrichts sein: 1,50 Meter Abstand zu anderen, keine Berührungen, Umarmungen und kein Händeschütteln, 30 Sekunden Händewaschen, schreibt das Ministerium in einem neunseitigen Papier vor. Mund- und Nasenmasken müssen im Unterricht nicht getragen werden, dafür müssen alle Oberflächen regelmäßig desinfiziert werden. Und ja, Corona bedeutet auch die Einschränkung von hochprivaten Klo-Tuscheleien: Lehrer müssen an den Toiletten stehen und "Einlasskontrollen" machen. Und, manche wird es freuen: Der Sportunterricht fällt aus.

Schaffen die Schulen die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften?

Viele Schulen haben in den vergangenen Tagen schon lange Mails an Eltern geschrieben, um sie über die anstehenden Regeln zu informieren. Laut dem Ministerium gab es bisher keine Hilferufe von Schulen. Aber schon vor Corona waren Lehrermangel und Sauberkeitsfragen an Schulen ein kritisches Thema. Da Lehrer über 60 Jahre und mit Vorerkrankungen zur Risikogruppe gehören, wird es eher weniger Lehrer geben als normalerweise. Das erschwert die Organisation.

Für Schulen war es zuletzt wichtig, dass vom Kultusministerium verbindliche Regelungen kommen. Sonst könnte es etwa passieren, dass Eltern gegen die Schule klagen, weil Abstandsregeln oder Hygienevorschriften nicht eingehalten würden. Erschwerend kommt hinzu, dass Kinder bekanntlich keine Roboter sind und sich gerade mit Abstandsregeln schwer tun.

Was, wenn Schüler, Lehrer oder Familienmitglieder in der Risikogruppe sind?

Lehrer, die über 60 sind oder Vorerkrankungen haben, müssen nicht unterrichten - sie können es aber auf eigenen Wunsch hin tun. Risikopatienten müssen eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, wenn sie zu Hause bleiben. Schwangere und stillende Lehrerinnen dürfen nicht in die Klassen.

Schüler, die zur Risikogruppe gehören, müssen nicht in die Schule. Das gleiche gilt für Lehrer und Schüler, die mit Risikopatienten zusammen leben - auch sie können daheim bleiben, um diese Menschen nicht zu gefährden.

Vor welchen Herausforderungen stehen Lehrer und Eltern?

Bisher mussten Lehrer den Unterricht zu Hause aus der Ferne organisieren. Viele Eltern können ein Lied davon singen, dass das mal besser und mal schlechter funktionierte. Das Problem wird bleiben: Die wenigen Präsenztage schaffen das Homeschooling nicht ab. Jetzt müssen Präsenztage, Onlineangebote und Notbetreuung gleichzeitig organisiert werden.

Der Ganztagsanspruch bleibt in weiter Ferne, selbst die Präsenztage sind kurz, was gerade für berufstätige Eltern wenig Entlastung und weiter viel Organsiation bedeutet. Lehrer haben allerdings nun wieder die Möglichkeit, danach zu schauen, wie es sozial eher benachteiligten Kindern ergangen ist, die in den vergangenen Wochen vom Radar der Schulen verschwunden sind.

Woran scheiterte die Klage einer Viertklässlerin?

Eine Klage verhinderte die Öffnung der Schulen für Viertklässler im April, auch dieses Mal klagte das Mädchen vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH), machte aber einen Rückzieher, wie am Freitagnachmittag bekannt wurde. Sie hatte sich auf Belange des Infektions- und des Gesundheitsschutzes berufen, die in Zeiten der Corona-Pandemie nicht hinreichend gewährleistet seien, sagte ein Sprecher des VGH.

Das letzte Mal konnten Viertklässler kurzfristig doch nicht in die Schule. Gegen die aktuelle Klage hatten Eltern eine Petition ins Netz gestellt, die großen Zuspruch fand. "Sorgen haben wir alle, aber die meisten Schüler und Eltern befürworten einen Schulstart der 4. Klassen", heißt es darin.

Und wie lange werde die Schulen noch im Corona-Ausnahmemodus bleiben?

Da für die Politik wie für alle anderen derzeit kaum abzuschätzen ist, wie die Corona-Lage in Wochen und Monaten aussieht, bedeutet das auch für Schulen Unsicherheiten und offene Fragen. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) geht davon aus, dass es erst mal so oder so ähnlich bleiben wird: "Wir müssen mindestens bis zum Ende des Schuljahres und voraussichtlich auch darüber hinaus auf einen Wechsel von Präsenztagen in der Schule und unterrichtsersetzenden Lernsituationen zu Hause setzen", schreibt er zu den Schulöffnungen am Montag.

Das Wichtigste sei, kein Kind auf diesem Weg zurück zu lassen. Kritiker der Schulöffnung befürchten, dass die Wahrscheinlichkeit einer neuen Corona-Welle dadurch steigt - und dass das wieder zu einer Verschärfung aller Maßnahmen führen könnte.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 14.05.2020, 19.30 Uhr

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67 Kommentare

  • Es muss einkalkuliert werden,dass Kinder keinen Abstand halten können. Vor allem die ersten Klassen werden doch total verunsichert.Wenn Eltern Risikopatienten sind,sollten die Kinder zu Hause bleiben dürfen.Aber die anderen Kinder sollten ihr Leben zurück bekommen.Lieber keine Schule als so eine verkrampfte Veranstaltung.Im Februar war die Gefahr viel größer,aber da waren alle noch beim Fasching und überall.

  • Wir haben 3Kinder ,2.Klasse,5.Klasse & 8.Klasse.Die zwei großen bekommen ihre HA übers Internet,der kleinste da hole ich Sie in der Schule ab und es gibt ein Padlet von der Grundschule. Online Unterricht findet auch nicht statt,fwir ginden das auch sehr schade.Mein Mann und ich sind beide im Elternbeirat und wissen das die Schulen auf sich gestellt sind.Unsere Lehrer leisten tolle Arbeit, jedoch wünschten wir uns auch Online Unterricht. Und einmal die Woche für 4Std ist eindeutig zuwenig. Zumal die 2 großen mit dem öffentlichen Bus fahren müssen.Wir hätten unsere Kinder auch lieber noch zuhause, außerdem haben wir das Glück das ich schon seit der Geburt der Kinder zuhause bin .Aber leider fragt uns keiner,was wir Eltern wollen. Oder es wird gesagt man müsse zum normalen Leben zurückkehren. Anstatt zu warten was die ganzen neuen Lockerungen bringen.

  • Unsere busse bekommen keine Entlastung. Was hilft es mir wenn ich in der schule mit 1,50m abstand sitze und mich sonst mit allem zurückhalte und im selben Atemzug jeden tag mit nichtmal 30cm abstand neben immer fremden menschen sitze oder stehr?

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