Abzuschiebende Flüchtlinge besteigen ein Flugzeug, bewacht von Polizisten

Ein aus Hessen abgeschobener Straftäter ist zurück in Deutschland. Die afghanischen Behörden ließen den 23-Jährigen am Dienstag nicht einreisen - wegen Zweifeln an Identität und Gesundheitszustand. Hessen und Bund reagierten überrascht.

Nachdem Afghanistan einen aus Hessen abgeschobenen Straftäter wieder zurückgeschickt hat, sind weitere Details bekannt geworden. Das Bundesinnenministerium teilte am Mittwoch auf hr-Anfrage mit, dass die afghanischen Behörden in Kabul Zweifel an der Identität und am Gesundheitszustand des 23-Jährigen hatten. Deshalb sei ihm am Dienstag die Einreise verweigert worden.

Bedenken auch wegen Fußverletzung

Man sei überrascht über das Verhalten, sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Ein Arzt habe die Reisetauglichkeit des Mannes bescheinigt, und seine Papiere seien von afghanischen Behörden ausgestellt worden. Auch vom hessischen Innenministerium hieß es, das afghanische Generalkonsulat habe die Identität des 23-Jährigen im Vorfeld bestätigt.

Konkret sollen die Behördenvertreter in Kabul Bedenken wegen einer Fußverletzung des Mannes gehabt haben. Nach Darstellung des Bundesinnenministeriums konnte der abgeschobene Afghane nach dem Flug von München nach Kabul nicht mehr laufen. Einen ähnlich gelagerten Fall habe es in den vergangenen Jahren nur einmal gegeben - und zwar im Jahr 2017.

23-Jähriger bald wieder in Hessen in Haft

Im aktuellen Fall musste die Bundespolizei den Mann mit zurück nach München nehmen. Dort sitzt er demnach im Gefängnis und soll in Kürze nach Hessen verlegt werden. Der 23-Jährige verbüßte hier bis zu seiner Abschiebung eine Haftstrafe, so ein Sprecher des hessischen Innenministeriums. Er sei mehrfach vorbestraft - unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, besonders schweren räuberischen Diebstahls und versuchter Nötigung.

Am Montag hatte er zusammen mit 35 weiteren Männern von München aus abgeschoben werden sollen. In dem Flieger saß ein zweiter Mann aus Hessen. Der 38-Jährige war ebenfalls vorbestraft. Ihn nahmen die afghanischen Behörden auf.

Sendung: hr-iNFO, 09.01.2019, 17.00 Uhr