Die Realschüler Fabio Catalano (links) und Fritz Wagner und die Hauptschülerin Melisa Amet-Moumin

Die Abschlussprüfungen für Haupt- und Realschüler haben begonnen. Rund 30.000 Schülerinnen und Schüler kommen unter Pandemiebedingungen zu den zentralen Tests zusammen. Drei von ihnen berichten hier, wie sie sich vorbereitet haben.

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hs vom 07.06.2021
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Er habe ganz schön Bammel, sagt Fabio Catalano. Der 16-jährige Realschüler aus Hainburg im Kreis Offenbach schreibt an diesem Montag seinen letzten Test in Deutsch: die erste von drei zentralen Abschlussprüfungen. Er habe sich zwar vorbereitet. Aber durch den Unterricht in geteilten Klassen und das lange Lernen zu Hause zu Beginn der Corona-Krise sei eben vieles anders als sonst. "Wir haben nicht den Lernstand, den wir ohne Corona hätten. Aber immerhin sind wir nah dran", findet Fabio Catalano.

Fabio Catalano, Realschüler aus Hainburg

Landesweit begannen am Montag laut Kultusministerium für rund 18.000 Realschülerinnen und Realschüler die Prüfungen. Erst in Deutsch, dann in der ersten Fremdsprache. Am Freitag in Mathe. Die etwa 12.000 Schülerinnen und Schüler der Hauptschulen fingen mit Mathematik an. Anschließend müssen sie in Deutsch und Englisch ran.

Einen Vorteil hatte die Pandemie

Anders als zu Beginn der Pandemie hatten die Abschlussklassen das gesamte Schuljahr über durchgehend Präsenzunterricht. Unter verschärften Hygienebedingungen, also mit Mund-Nase-Masken, mit Mindestabstand und in kleineren Gruppen. Eine gute Sache, die aber auch Nachteile hatte, sagt Fabio Catalano: Manche Klassenteile seien durch weniger vertraute Lehrerinnen und Lehrer unterrichtet worden.

Catalano besucht die Kreuzburgschule in Hainburg. Die Lehrerinnen und Lehrer hätten sich richtig reingekniet, lobt der Schüler. Geholfen habe ihm auch der Zusammenhalt in seiner Klasse - trotz reduzierter Kontakte. "Alles wurde durch Corona verstärkt. Wir haben aufeinander geachtet", sagt der 16-Jährige. Wenn die Pandemie einen Vorteil gehabt habe, dann diesen: "Wir können uns jetzt viel unkomplizierter austauschen."

Mehr Faulheit zu Hause

Die Hauptschülerin Melisa Amet-Moumin hatte vor den Sommerferien noch Homeschooling und darunter gelitten, wie sie erzählt: "Zu Hause sitzt man im Bett, hört die Lehrer sprechen. Ob ich es verstehe, ist egal." Die 16-Jährige besucht im Abschlussjahr die Werner-Heisenberg-Schule in Rüsselsheim. Dort macht sie nun den qualifizierten Hauptschulabschluss, legt also eine zusätzliche Prüfung ab.

Melisa Amet-Moumin, Hauptschülerin aus Rüsselsheim

Nach dem Jahr jetzt mit Präsenzunterricht fühlt die Schülerin sich gut vorbereitet. "Ich bin glücklich, dass wir jetzt wieder die Chance hatten, zur Schule zu gehen", sagt sie: "Wenn man eine Frage hat, kann der Lehrer das dort besser erklären. Zu Hause ist jeder fauler."

"Vor Corona wurde viel getrödelt"

Die Lehrkräfte hätten sich Mühe gegeben, attestiert auch Landesschulsprecher Dennis Lipowski. Jedoch habe Corona eben die Bildungsungleichheit verstärkt.

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Die Realschüler Fabio Catalano (links) und Fritz Wagner und die Hauptschülerin Melisa Amet-Moumin
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Gerade zu Beginn der Pandemie seien Bildungseinrichtungen kalt erwischt worden, sagt Lipowski über die technische Ausstattung und den mangelnden Netzausbau an Schulen: "Da wurde vor Corona viel getrödelt. Das Lernportal wurde verzögert, Schulen mussten eigene Konzepte erarbeiten und Lehrkräfte dafür einsetzen. Das ist allen auf die Füße gefallen."

Längst ans Lernen mit iPad gewöhnt

Was die Technik angeht, ist die Mittelpunktschule Wohratal im Kreis Marburg-Biedenkopf gut aufgestellt. Ab der 7. Klasse bis zum Abschluss wird hier auf dem iPad gelernt. Realschüler Fritz Wagner hat nach eigener Aussage früh angefangen, locker für die anstehenden Prüfungen zu lernen. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, habe seine Klasse einen Abschlusstest aus den Jahren davor geschrieben: "Da konnte man gut feststellen, wo es noch hakt, wo man noch mal was lernen muss."

Fritz Wagner, Realschüler aus Wohratal

In Englisch fühlt sich der 16-Jährige am sichersten, auch in Mathe erwartet er kein großes Problem. Nur bei Deutsch habe er ein "mulmiges Gefühl", sagt er. 200 Minuten Schreibzeit könnten ihn vielleicht unter Druck setzen.

Nach den Prüfungen geht das Lernen weiter

Und nach den Prüfungen? Melisa Amet-Mounin hat klare Vorstellungen, sie bewirbt sich als Medizinisch-Technische Angestellte in Frankfurt. Fritz Wagner will künftig in der freien Wirtschaft arbeiten und besucht im kommenden Schuljahr die kaufmännische Schule Marburg.

Fabio Catalano ist etwas wehmütig, dass Abschlussfahrt und Abschlussparty wohl ausfallen. So endet die Schulzeit für ihn abrupt. Aber auch er hat ein festes Ziel: Anfang August beginnt die Ausbildung beim Finanzamt Offenbach. Der 16-Jährige will Finanzwirt werden. Und vorher mit ein paar Freunden noch etwas Urlaub machen.

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