Frau radelt im Stadtverkehr
Im hessischen Verkehr fühlen sich viele Radfahrer unsicher. Bild © picture-alliance/dpa

Die Zufriedenheit der Fahrradfahrer in Hessen hat sich einer Umfrage zufolge verschlechtert. Die besten Noten bekamen kleinere Städte. Baunatal landete auf Platz 1. Die Großstädte schnitten schlechter ab.

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Der Fahrradklima-Test 2018

An der ADFC-Befragung nahmen deutschlandweit 170.000 Menschen teil, in Hessen gab es rund 12.700 Teilnehmer. Sie beurteilten mithilfe von 32 Fragen, wie angenehm, oder unangenehm sie das Fahrradfahren in ihrer Kommune empfinden. Vergeben wurden Schulnoten von 1 bis 6. Die Befragung ist nicht repräsentativ. Ausgewertet wurden die Ergebnisse aus 71 Städten.

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In vielen hessischen Städten machen eine schlechte Infrastruktur, auf Radwegen parkende Autos oder die Zusammenführung von Auto- und Radverkehr vielen Fahrradenthusiasten das Leben schwer. Das zeigt die neueste Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). "Das Fahrradklima trübt sich ein in Hessen, obwohl die Leute mehr mit dem Rad unterwegs sein wollen. Die grundsätzliche Tendenz ist, dass die Städte von Jahr zu Jahr schlechter benotet werden", sagt Torsten Willner vom Landesverband Hessen.

Nur sieben hessischen Kommunen gelang es, ihre Noten leicht zu verbessern. Dagegen haben sich elf leicht und zehn sogar deutlich verschlechtert.

Hessenranking zum Fahrradklima
Top oder Flop - Hessische Städte im Fahrradklima-Vergleich. Bild © hessenschau.de

Am besten bewertet wurde Baunatal (Kreis Kassel, Note 2,67). Radfahrer lobten in der Umfrage eine gute Wegweisung und viele Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Auch in Kriftel (Main-Taunus-Kreis, Note 3,09) und Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau, Note 3,17) macht Radfahren offenbar gute Laune. Am schlechtesten wurde Bad Homburg (Hochtaunuskreis, Note 4,54) bewertet.

Wiesbaden und Offenbach zählen zu den "Aufsteigern". Der ADFC lobt vor allem den spürbaren politischen Willen der Landeshauptstadt, das Fahrradklima zu verbessern. Die Stadt habe mehr Geld für den Radverkehr bereitgestellt, ein Radbüro eingerichtet und die Radwegweisung erneuert. Auch Offenbach habe große Fortschritte gemacht. Daran Anteil hätten verbesserte Radverkehrsanlagen entlang des Mains und ein neues Fahrradstraßenkonzept.

Bundesvergleich Fahrradklima
So schneiden hessische Städte im Bundesvergleich ab. Bild © hessenschau.de

Frankfurt schnitt schlechter ab als früher (3,94), liegt aber bundesweit auf Platz vier aller Städte mit mehr als einer halben Million Einwohner - nach Bremen, Hannover und Leipzig. Positiv finden die Radfahrer die geöffneten Einbahnstraßen, größtes Problem sind die vielen Falschparker und zu schmale Radwege.
Darmstadt (Note 3,8) liegt hessenweit im Mittelfeld, Kassel (Note 4,18) schafft es gerade mal auf Platz 57 von 71 Städten.

ADFC fordert "konkrete, sichtbare, erfahrbare Maßnahmen"

Am meisten leiden die Radfahrer in ganz Hessen laut ADFC unter "Mischverkehr": Sie wünschen sich eine klare Trennung von Rad und Auto. In fast allen Städten ärgern sie sich über Falschparker und darüber, dass die Kommunen zu wenig dagegen tun - Frankfurt bekommt hier die schlechtesten Noten in ganz Hessen. 

Und Eltern, die ihre Kinder mit dem Rad fahren lassen, haben oft kein gutes Gefühl. "Hier brauchen wir bessere, sichere Radwege von den Wohngebieten zu den Schulen und wir wünschen uns einen weitgehenden Verzicht auf das Elterntaxi", so Willner. Der ADFC fordert "konkrete, sichtbare, erfahrbare Maßnahmen - und zwar nicht im gemächlichen Tempo der letzten Jahre, sondern schnell".

Hessenweiter Radentscheid geplant

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sichert zu, den Radverkehr im Land weiter kräftig zu unterstützen. Für den Ausbau des Radwegenetzes werde die Landesregierung in den kommenden Jahren eine Rekordsumme bereitstellen, sagte der Minister der Nachrichtenagentur dpa in Wiesbaden.

In Frankfurt, Darmstadt und Kassel hatten sich in den vergangenen Jahren Bürgerbegehren zu einem Radentscheid formiert. Gefordert wurde eine bessere Infrastruktur für Fahrradfahrer. In Kassel war das Vorhaben jüngst gescheitert. Auch in Frankfurt steht der Radentscheid vor dem Aus. Darmstadt hatte das Bürgerbegehren schon 2018 abgelehnt.

Der ADFC kritisierte, dass die Kommunen sich auf Formalitäten zurückziehen: Der ADFC und andere Initiatoren bereiten jetzt einen hessenweiten Radentscheid vor. Dafür müssen laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) aber erst auf Landesebene die rechtlichen Möglichkeiten geschaffen werden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 09.04.2018, 19.30 Uhr