Für die Erweiterung eines Steinbruchs soll in Mörlenbach ein Waldstück samt Naturdenkmal weichen. Anwohner, die schon jetzt unter den ständigen Sprengungen für den Granitabbau leiden, sind in großer Sorge - und kämpfen für das beliebte Naherholungsgebiet.

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Audioseite Granitabbau oder Naturschutz? Die Abrisskante kommt immer näher.

Bildkombo: Kleines Felsenmeer und Schutzwald bei Heppenheim
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Der Ort Mörlenbach (Bergstraße) liegt idyllisch auf einer Anhöhe, umgeben von Wald. Aber jeden Dienstag und Donnerstag wird die so genannte Juhöhe massiv erschüttert. Immer dann, wenn Mitarbeiter der nahe gelegenen Firma Röhrig ein Stück mehr vom Steinbruch Gehrenberg wegsprengen, sagt Anwohnerin Monika Rapp, "fallen Bilder von den Wänden, Gläser fallen um, Herde fangen an zu wackeln, Küchenmöbel sind in manchen Häusern schon umgefallen." Schlimm sei das, man gewöhne sich auch nicht daran.

Baustoffe und Arbeitsplätze sichern

Monika Röhrig lebt einen halben Kilometer von der Abbruchkante des Steinbruchs entfernt. Sie und viele Menschen in der Umgebung sind in Sorge, denn die Firma Röhrig, die hier seit vielen Jahren Granit unter anderem für den Häuser- und Straßenbau gewinnt, möchte das Areal nun erweitern. Direkt angrenzend an den Steinbruch gibt es ein 6,2 Hektar großes Areal. Kernbohrungen hätten gezeigt, dass der Granit dort von einer guten Qualität sei, sagt Geschäftsführer Marco Röhrig. "Wenn das Regierungspräsidium Darmstadt die Genehmigung erteilt, dann sind die nächsten 25 Jahre gesichert, möglicherweise sogar noch die kommenden 50“, sagt Marco Röhrig.

In den vergangenen 15 bis 20 Jahren seien vier heimische Abbaubetriebe geschlossen worden, aber da der Bedarf an Baumaterialien nach wie vor sehr hoch sei, spräche viel für eine Erweiterung, erklärt Röhrig. "Man müsste keine Rohstoffe aus dem Ausland importieren, die CO2-Bilanz wird dadurch nicht belastet, man hat viel kürzere Transportwege und wir sichern dadurch langfristig 90 Arbeitsplätze."

Wald, Wanderwege und das kleine Felsenmeer in Gefahr

Das Problem bei der geplanten Erweiterung des Steinbruchs: Das Gesicht der Juhöhe würde sich für immer verändern. Ein Schutzwald, der zwischen den Anwohnern und dem Steinbruch liegt, müsste verschwinden, dazu Wanderwege, ein Rastplatz und das ehemalige Naturdenkmal kleines Felsenmeer.

Die Firma Röhrig will dafür 6,3 Hektar neuen Wald anlegen und eine 40 Hektar große Fläche zwischen Anwohnern und Steinbruch als Bannwald deklarieren - die höchste Schutzkategorie im Hessischen Waldgesetz.

Bürgerinitiative mit gut 10.000 Unterstützern

Doch die Anwohner sind damit nicht zufrieden. Sie wollen, dass ihr Schutzwald und das kleine Felsenmeer erhalten bleiben. "Der Schutzwald erfüllt nicht nur für die Menschen, Tiere und Umwelt eine ganz besondere Funktion, sondern er ist auch ein Konsens zwischen Politik, Naturschutzverbänden, Bürgern und Unternehmen", erklärt Benjamin Höfle, Sprecher der Bürgerinitiative "Für Schutzwald und kleines Felsenmeer". Jetzt breche einer der Partner aus dieser Vereinbarung aus und pflanze dafür Kilometer weit weg kleine Setzlinge an. "Dieser Wald wird aber unwiderruflich zerstört."

Mittlerweile hätten sich über 10.000 Unterstützer gefunden, die sich für den Erhalt des Schutzwaldes einsetzen, indem sie Geld oder Unterschriften sammeln oder Veranstaltungen organisieren. Wie beliebt die Region sei, zeige sich nicht nur an den vielen neu hinzugezogenen Familien, so Höfle. "Jedes Wochenende kommen hunderte Menschen aus Mannheim, Ludwigshafen oder auch Frankfurt zu uns, um sich zu erholen."

Und deshalb wolle man den Wald nicht kampflos aufgeben. Das Regierungspräsidium Darmstadt veröffentlicht die Erweiterungs-Pläne der Firma Röhrig einen Monat lang online, danach können Einwände gegen die Pläne eingereicht werden.

Sendung: hr4, 20.04.2021, 15.30 Uhr.