Äskulapnatter in einem Haus in Wald-Michelbach (Bergstraße)

Im Odenwald soll sich ungestört eine Population von Äskulapnattern aufbauen. Manchen Bürgern sind die zwar ungefährlichen, aber bis zu zwei Meter langen Schlangen jedoch etwas zu heimisch geworden: in ihren Gärten und Häusern.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bergstraßenbewohner beklagen Schlangenplage

Äskulapnatter
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Beim Gang durch ihren Garten in Unter-Schönmattenwag, einem Ortsteil von Wald-Michelbach (Bergstraße), richtet Martina Tavaglione den Blick immer nach unten. Denn in ihrem Garten leben seit etlichen Jahren bis zu zwei Meter lange Äskulapnattern. Diese Schlangenart ist in Deutschland bedroht und wird unter anderem seit 2009 durch ein Artenhilfsprogramm im Ulfenbachtal im Odenwald wieder angesiedelt.

Im vergangenen Jahr zählte die Arbeitsgemeinschaft Äskulapnatter rund 230 verschiedene Tiere im hessischen und baden-württembergischen Odenwald sowie im Rheingau bei Schlangenbad. Das Umweltministerium in Wiesbaden feiert in einer Broschüre die erfolgreiche Ansiedlung der gefährdeten Art und weist darauf hin, dass die größte Schlangenart in Mitteleuropa völlig ungefährlich und ohnehin ungiftig sei.

"Wer holt mir so ein zwei Meter langes Vieh raus?"

Martina Tavaglione findet die Zustände in ihrem Garten dennoch inzwischen untragbar. In diesem Sommer sei die Population der Äskulapnattern im Ulfenbachtal geradezu explodiert, dem trockenen Wetter geschuldet. "Wir haben das Problem, dass die gewohnte natürliche Distanz zwischen Schlangen und Menschen nicht mehr da ist", berichtet die Ortsbeirätin: "Wir haben die Schlangen mittlerweile in den Wohnungen und müssen sie aus den Wohnzimmern rausscheuchen, weil sie unter dem Tisch liegen. Das ist für alle Beteiligten nicht mehr so angenehm." Auch im Keller habe sie schon Tiere angetroffen. "Wer holt mir denn so ein zwei Meter langes Vieh da raus?", fragt Tavaglione.

Mehrmals schon trat sie in ihrem Garten auf eine Schlange. Äskulapnattern sind zwar friedlich, ungiftig und ernähren sich in der Regel von Mäusen und Vögeln. Trotzdem hat Martina Tavaglione Respekt vor den Tieren: "Die Äskulapnattern, die wir hier haben, sind teilweise zwei Meter lang und haben einen Durchmesser von meinem Unterarm. Und natürlich haben diese Tiere auch Zähne."

Keiner fühlt sich zuständig

Einfangen oder umsiedeln dürfen Taviaglione und ihre Nachbarn die Äskulapnattern nicht, weil sie unter Naturschutz stehen. Die Bürger im Ulfenbachtal fühlen sich mit dem Problem allein gelassen und haben sich nun an den Bergsträßer Kreistag gewandt.

"Wir erwarten Hilfe, damit wir, wenn wir wieder so ein Tier in der Wohnung haben, Ansprechpartner haben, die dann auch kommen", sagt Taviaglione. In der Vergangenheit hätten sie sich an die Polizei, einen Zoo und an Naturschutzbehörden gewandt - und immer als Antwort erhalten, man sei nicht zuständig.

Umweltdezernent will Schlangenbeauftragten finden

Der Umweltdezernent des Kreises Bergstraße, Karsten Krug, will nun nach einer Lösung suchen, die ein friedliches Zusammenleben von Menschen und Schlangen ermöglicht. Zunächst hat er eine Informationsveranstaltung für die Bürger angekündigt. Langfristig will Krug einen Schlangenbeauftragten für die Bergstraße finden. Der soll den Bürgern zur Seite stehen, wenn sich diese wieder von ihren kriechenden Mitbewohnern bedrängt fühlen.

Sendung: hr4, 16.08.2019, 18.15 Uhr