Von links: Markus Hartmann, Deutsch-Israelische Gesellschaft, Elena Padva, Sara Nussbaum-Zentrum, Ilana Katz, Jüdische Gemeinde Kassel, Stefan Wunsch, Mobiles Beratungsteam Hessen. Der hebräische Schriftzug bedeutet "Leben“.
Von links: Markus Hartmann, Deutsch-Israelische Gesellschaft, Elena Padva, Sara Nussbaum-Zentrum, Ilana Katz, Jüdische Gemeinde Kassel, Stefan Wunsch, Mobiles Beratungsteam Hessen. Der hebräische Schriftzug bedeutet "Leben“. Bild © hr/Michael Przibilla

Die rechtsradikale Kleinpartei "Die Rechte“ sorgt derzeit mit einem Plakat zur Europa-Wahl für Wirbel. Für viele Beobachter ist der Spruch darauf klar antisemitisch. Eine Kasseler Initiative rund um ein jüdisches Kulturzentrum wehrt sich jetzt dagegen – und jeder kann die Aktion unterstützen.

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Kasseler Initiative druckt Plakate gegen rechten Wahl-Slogan

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Im Mittelpunkt des Gegen-Plakats steht ein Schriftzeichen: Die meisten Betrachter werden es nicht entziffern können, denn es entstammt dem hebräischen Alphabet. Es soll neugierig machen und ins Auge fallen - übersetzt bedeutet es "Leben", erläutert Elena Padva vom Kasseler Sara-Nussbaum-Zentrum. Völlig klar hingegen ist die Botschaft, die darüber steht: "Gegen jeden Antisemitismus“.

Mit diesem Plakat macht die Initiative rund um das jüdische Kulturzentrum in Kassel mobil gegen das Europawahl-Plakat der Partei "Die Rechte", das derzeit an vielen Orten zu sehen ist. Darauf ist zu lesen "Israel ist unser Unglück".

Als Israel-Kritik getarnter Antisemitismus

Als Ilana Katz dieses Plakat zum ersten Mal an einem Laternenmast in Fuldatal bei Kassel erblickte, lief es ihre kalt den Rücken runter. "Das tarnt sich als Israel-Kritik“, sagt die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Kassel, "aber wir wissen, was gemeint ist.“

"Stürmer"-Ausgabe aus Berliner Ausstellung mit der Fußzeile "Die Juden sind unser Unglück"
"Stürmer"-Ausgabe aus Berliner Ausstellung mit der Fußzeile "Die Juden sind unser Unglück" Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Ilana Katz verweist auf einen anderen Slogan, der älter ist. Während der Nazi-Zeit gab es den Spruch "Die Juden sind unser Unglück". Er war auf jeder Ausgabe des nationalsozialistischen Hetzblatts "Der Stürmer“ abgedruckt - die Parole "Israel ist unser Unglück“ ist nur eine leicht verbrämte Abwandlung.

Rechtsweg kaum erfolgversprechend

Trotz dieser offensichtlichen Parallele ist es schwierig, juristisch gegen das Parteiplakat vorzugehen. Im nordhessischen Neukirchen hatte der Bürgermeister die Anti-Israel-Plakate nach Protesten aus der Bevölkerung entfernen lassen. Die Partei "Die Rechte“ drohte daraufhin mit einer Klage und verwies auf eine Entscheidung der Staatsanwaltschaft Dortmund.

Die hatte Ermittlungen in derselben Sache eingestellt, weil sie den Tatbestand der Volksverhetzung nicht als erfüllt sah. Nachdem auch der Hessische Städte- und Gemeindebund von einer gerichtlichen Auseinandersetzung abriet, händigte der Bürgermeister von Neukirchen die Plakate wieder aus.

Plakate kostenlos erhältlich

Auch deshalb gibt es jetzt die Aktion des Sara Nussbaum-Zentrums für jüdisches Leben in Kassel, die von mehreren Gruppen unterstützt wird, darunter die Deutsch-Israelische Gesellschaft und das Mobile Beratungsteam gegen Rechtsextremismus und Rassismus (MBT Hessen).

"Wir wollen auf demokratische und legale Weise etwas gegen dieses Wahlplakat der Rechten unternehmen“, sagt Elena Padva vom Kulturzentrum. In der ersten Auflage wurden 650 Gegen-Plakate gedruckt. Sie können kostenlos beim Sara-Nussbaum-Zentrum angefordert werden.

Zeichen setzen

Die Hoffnung der Initiatoren ist, dass möglichst viele davon aufgehängt werden, nach Möglichkeit in direkter Nachbarschaft der rechtsradikalen Plakate, als erkennbare Antwort darauf. Denn der Jüdischen Gemeinde machen nicht nur die rechtsradikalen Plakate Sorgen. Sorge bereitet ihr auch der Umstand, dass es bislang kaum kritische Reaktionen darauf gibt.