Klima-Aktivisten blockierten am Sonntag mehrere Zugänge zur IAA

Klimaaktivisten haben am Sonntag über mehrere Stunden Zugänge zur Automesse IAA in Frankfurt blockiert. Nach Ende der Blockade zogen sie ein positives Fazit. Trotz des massiven Protest-Wochenendes zeigte sich auch der Veranstalter der IAA zufrieden.

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hs
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Mehrere hundert Demonstranten des Bündnisses "Sand im Getriebe" hatten am Sonntag von 9 Uhr an mehrere Zugänge der IAA in Frankfurt blockiert - unter anderem den Haupteingang. Gegen 15.30 Uhr erklärten die Aktivisten ihre Blockade für beendet.

Die Veranstalter der Blockaden gingen am Nachmittag von rund 1.000 Protest-Teilnehmern aus. Die Polizei sprach von mehreren hundert Demonstranten. Am späten Nachmittag schlossen sich die Aktivisten zu einer Spontan-Demonstration durch Frankfurt zusammen. Die Polizei war über die Demo informiert. Um kurz nach 18 Uhr endete die Demo am Kurfürstenplatz.

Bündnis und VDA zeigen sich zufrieden

Das Bündnis "Sand im Getriebe" äußerte sich zufrieden mit dem Verlauf der Blockade-Aktion. "Eine IAA in dieser Form wird es sicher nicht mehr geben. Die Zeiten, in denen VW, Daimler, BMW und Co. sich und ihre zerstörerischen Blechkisten ungestört feiern, sind vorbei", sagte Sprecherin Marie Klee.

Zum Bündnis gehören die globalisierungskritische Organisation Attac sowie die Gruppierungen "Climate Justice Frankfurt" und "Critical Mass Mainz". Sie fordern autofreie Städte, kostenlosen öffentlichen Nahverkehr sowie einen massiven Ausbau von Fahrradinfrastruktur.

Die IAA rief ihre Besucher während der Blockade über Twitter auf, auf freie Eingänge auszuweichen. Ungeachtet der Proteste zog der Verband der Automobilindustrie (VDA) als Veranstalter der Automesse eine positive Bilanz des ersten Besucher-Wochenendes und sprach von gut gefüllten Messehallen.

So seien am ersten Besuchertag am Samstag 60.000 Interessierte gekommen. Auch der Sonntag sei ein Tag mit guten Besucherzahlen, so ein Sprecher. "Dieser Sonntag ist eine Abstimmung mit den Füßen für das Automobil", erklärte der scheidende VDA-Präsident Bernhard Mattes. Die Messe dauert noch bis zum 22. September.

Rangeleien und Verbal-Attacken

Die Demonstranten hatten sich am Sonntagmorgen vor dem Haupteingang zusammengefunden. In weißen Anzügen hielten sie Plakate hoch - mit Forderungen wie "Autos sind überholt", "Autokonzerne entmachten" und "Die Straße ist besetzt - Verkehrswende jetzt". Einige Demonstranten umkreisten das Gelände auch mit dem Fahrrad und sorgten so für Behinderungen.

Aktivisten von "Sand im Getriebe" blockieren auch den westlichen Eingang der IAA.

Insgesamt verliefen die Proteste weitgehend friedlich. Vereinzelt kam es aber zwischen Umweltaktivisten und Besuchern der IAA am Messegelände zu Rangeleien und Verbal-Attacken. Wie die Polizei über Twitter mitteilte, wurden Aktivisten wegen Körperverletzung angezeigt. Ein Messebesucher soll verletzt worden sein. Außerdem gerieten einige Demonstranten mit der Polizei aneinander. Eine Sprecherin sagte, unter den Beamten gebe es zwei Leichtverletzte. Die Verletzungen waren aber so leicht, dass sie ihren Dienst fortsetzen konnten.

Am Nachmittag lösten die Einsatzkräfte eine Blockade im Bereich des benachbarten Einkaufszentrums Skyline Plaza auf. Dort seien Rettungs- und Fluchtwege versperrt und trotz mehrmaliger Aufforderung nicht freigehalten worden, teilte die Polizei auf Twitter mit.

Tausende radeln für Verkehrswende und Klimaschutz

Schon am Donnerstag, am Rande des traditionellen Rundgangs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), hatte es in der IAA-Halle Proteste gegeben. Greenpeace-Aktivistinnen waren auf Autos geklettert und hatten Plakate mit der Aufschrift "Klimakiller" hochgehalten.

Am Samstag demonstrierten Tausende vor den Toren der Messe für eine rasche Verkehrswende und mehr Klimaschutz demonstriert. Nach Polizeiangaben waren 15.000 Menschen dabei. Die Veranstalter bezifferten die Teilnehmerzahl auf 25.000, unter ihnen seien allein 18.000 Radfahrer gewesen, die sich an einer großangelegten Sternfahrt aus dem Rhein-Main-Gebiet beteiligten. Dafür wurden vorübergehend auch Abschnitte der Autobahnen 661 und 648 gesperrt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 15.09.2019, 19.30 Uhr