Klimaaktivistin Clara von Glasow nimmt digital an Klimakonferenz teil

Klimaaktivistin Clara von Glasow segelte zum Klimagipfel nach Chile, als die UN ihn kurzfristig nach Madrid verlegen mussten. Wie die Aktivisten am Kurs festgehalten und dennoch Zugang zur Konferenz gefunden haben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie Klimaaktivistin Clara online am Klimagipfel in Madrid teilnimmt

Klimaaktivistin Clara von Glasow
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Clara von Glasows großer Moment ist gekommen. Die Jurastudentin aus Wiesbaden nimmt an der UN-Klimakonferenz in Madrid teil, während sie selbst im 6.000 Kilometer entfernten Martinique in der Karibik sitzt. Ein großer schwarzer Bildschirm hängt in einem Konferenzraum. Über einen Livestream spricht Clara von Glasow zu mehreren Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

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Reportage im hr-fernsehen

Am Dienstag um Mitternacht läuft im hr-fernsehen der 30-minütige Beitrag "Die deutsche Greta Thunberg - Klimaaktivistin auf Mission". Er ist auch in der ARD-Mediathek abrufbar.

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Ihnen präsentiert die 25-Jährige Forderungen zum nachhaltigen Reisen. Ideen, die sie an Bord des Segelschiffs "Regina Maris" während ihrer achtwöchigen Überfahrt über den Atlantik erarbeitet hat - zusammen mit 32 weiteren europäischen Klimaaktivistinnen und -aktivisten. Dazu zählen, so Clara von Glasow: "eine Kerosinsteuer, eine europaweite Infrastruktur für Nachtzüge und ein Flugverbot zu Zielen, die innerhalb von sechseinhalb Stunden mit dem Zug erreichbar sind".

Mit Motor wollen sie nicht fahren, also halten sie Kurs

Nach wenigen Minuten ist ihr Auftritt vorbei. Der Livestream nach Martinique wird ausgeschaltet. Klimaaktivisten aus Europa übernehmen das Wort. Im Anschluss werden die Forderungen der Aktivisten mit Vertreten des Bundesumweltministeriums, des Entwicklungshilfeministeriums und der Klimabewegung "Fridays for Future" diskutiert.

Dass Clara von Glasow nicht persönlich bei der UN-Klimakonferenz in Madrid ist, hat mehrere Gründe. Anfang Oktober brach sie mit den anderen Klimaaktivisten von Amsterdam nach Chile auf, wo der UN-Klimagipfel ursprünglich stattfinden sollte. Wenige Wochen nach ihrer Abfahrt erfahren sie, dass Chile den Gipfel wegen politischer Unruhen im Land abgesagt hat. COP25 wird nach Madrid verlegt.

Die Klimaaktivisten sind zum damaligen Zeitpunkt bei den Kapverdischen Inseln, westlich vor Afrika. Nach langen Diskussionen entscheiden sich gegen eine Umkehr nach Madrid, denn das hätte bedeutet, gegen den Strom und gegen die Winde mit Motor zu fahren, wie Clara von Glasow berichtet.

In Martinique steht sie jeden Morgen um 3 Uhr auf

Vor kurzem kam die Wiesbadenerin auf der französischen Karibikinsel Martinique an. Von dort nimmt sie seit Samstag digital an der UN-Klimakonferenz teil. Über Livestreams und Video-Telefonate hält sie Kontakt zu 20 europäischen Klimaaktivisten in Madrid. Für Clara von Glasow bedeutet das: Jeden Morgen um 3 Uhr aufstehen, einen funktionierenden Wifi-Spot in Cafés, Bars und Restaurants finden und dann mit den Vertretern in Spanien sprechen. "Ohne deren Unterstützung wäre eine Teilnahme sehr schwierig geworden", sagt sie.

Segelschiff "Regina Maris" in Martinique

Am Freitag endet die UN-Klimakonferenz in Madrid. Zurück nach Europa will sie im Februar mit demselben dreimastigen Segelschiff reisen, das sie nach Amerika brachte.

Ihr Fazit der Reise? Da muss Clara von Glasow nicht lange nachdenken: "Es war die Reise meines Lebens." Der lange Segeltrip habe sich definitiv gelohnt, sie wolle im Klimaschutz aktiv bleiben. Während ihrer achtwöchigen Segelreise habe sie sich "zu einer Expertin im nachhaltigen Reisen entwickelt", findet Clara von Glasow.

Als nächstes will sie mit jungen Menschen aus dem Amazonasgebiet ein Klimaschutzprojekt auf die Beine stellen. Diese sollen mit ihr nach Europa reisen und im Mai bei einer Vorbereitungskonferenz in Bonn dabei sein, auf der sie ihre Positionen für den UN-Klimagipfel in Glasgow im kommenden Jahr abklären.

Sendung: hr-iNFO, 10.12.2019, 11.35 Uhr