Offenbach von oben

Die Stadt Offenbach hat weiterhin mit steigenden Corona-Infektionszahlen zu kämpfen. Am Sonntag wurde eine neue Warnstufe überschritten. Auf drastische Maßnahmen will die Stadt aber wohl vorerst verzichten.

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Die Zahl der Corona-Infektionen ist in der Stadt Offenbach weiter angestiegen. Derzeit seien so viele Offenbacher zeitgleich mit dem Virus infiziert wie nie zuvor, erklärte die Stadt am Sonntagnachmittag. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wurden am Montag wie schon am Sonntag 35,3 Fälle pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen registriert. Damit hat Offenbach die zweite Warnstufe überschritten und Phase 3 des Eskalationskonzeptes der hessischen Landesregierung erreicht.

Ab 35 Neuinfektionen greift ein weiteres Bündel von Maßnahmen des vom Sozialministerium erarbeiteten Einsatzplanes. Schritte wie strengere Kontaktbeschränkungen und Schließungen sind möglich. Auch die Einbindung des Planungsstabs Covid-19 des Sozialministeriums ist zu erwarten.

Stadt arbeitet an Maßnahmenkonzept

Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) sagte dem hr am Sonntag, dass die zu erwartenden Maßnahmen keine Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage haben sollen: "Wir werden keine Betriebe oder Unternehmen schließen." Er nehme die Situation jedoch sehr ernst. Es müsse alles getan werden, was nötig sei, aber gleichzeitig auch Augenmaß behalten werden.

Wie die Maßnahmen aussehen könnten, konnte Schwenke noch nicht sagen. Am Montag werde der Krisenstab der Stadt beraten und in Abstimmung mit dem Land über konkrete Maßnahmen entscheiden, erklärte die Stadt. Entscheidend sei, "ob wir alle Infektionsketten nachvollziehen können", sagte Schwenke.

Das Eskalationskonzept beinhaltet ein gestuftes Vorgehen zur Bekämpfung der Pandemie

OB appelliert: "Verschieben Sie alle Kontakte"

Würde Offenbach sogar die Schwelle von 50 Neuinfizierten auf 100.000 Einwohner überschreiten, sähe die Stufe vier des Eskalationskonzeptes der Landesregierung die umfangreichere erneute Schließung von öffentlichen Einrichtungen und Betrieben vor. Daher appellierte der Oberbürgermeister am Sonntag eindringlich an die Bürger: "Warten Sie nicht bis zum letzten Tag auf Verbote! Verschieben Sie auch jetzt schon alle Kontakte, die Sie verschieben können um zunächst einmal 14 Tage." Das sei nicht nur eine Frage der Gesundheit, sondern es gehe auch um Arbeitsplätze, Kultur, Gastronomie und Sport.

Für die vorherige Phase des Eskalationskonzepts, in der sich Offenbach am Samstag noch befand, setzt das Landeskonzept insbesondere auf die Information der Bürger. Zudem beschloss die Stadt strengere Regeln bei Sportveranstaltungen und in der Gastronomie.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Weiterer Corona-Anstieg in Offenbach

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Am Freitag war in der Stadt Offenbach mit 21,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen erstmals die Warnstufe von 20 Fällen in Hessen überschritten worden. Am Samstag waren es dann 29,9 Fälle gewesen.

Infektionsrisiko durch Urlaubsreisen

Schwenke nannte unter anderem Reiserückkehrer als Ursache für die gestiegene Zahl an Infektionen. Dabei liege ein "leichter Schwerpunkt" auf den Balkanstaaten. Außerdem gab es nach Angaben der Stadt einen zweiten Ausbruchsherd, eine Busreise zur Besichtigung einer Käsefabrik in den Niederlanden. Daneben gibt es laut Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Grüne) allerdings zunehmend Fälle, in denen der Ursprung der Ansteckung unbekannt ist.

Die Stadt rät Rückkehrern aus dem Urlaub, sich testen zu lassen - unter anderem auf mehrsprachigen Handzetteln, die verteilt wurden. Außerdem stellte die Stadt klar: Das Problem sei nicht die Urlaubsreise an sich, sondern wie man sich im Urlaub verhält.

Rheingau-Taunus-Kreis erreicht Warnstufe

Auch der Rheingau-Taunus-Kreis überschritt mit den Zahlen von Montag einen Schwellenwert. Hier wurden laut RKI-Angaben 22,4 Fälle pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche gezählt. Damit hat der Kreis Stufe 2 des Einsatzplanes der Landesregierung für lokale Corona-Ausbrüche erreicht, was eine Anpassung der Schutzmaßnahmen erforderlich macht.

Die hohe Zahl stehe in Verbindung mit Tests in einem Pflegeheim in Niedernhausen, teilte der Kreis auf Anfrage mit. Dort seien in der vergangenen Woche 27 Infektionen festgestellt worden. Dies betreffe 19 Bewohner und acht Mitarbeiter. In dem Heim seien Maßnahmen wie etwa ein Besuchsverbot getroffen worden. Alle Kontaktpersonen seien identifiziert worden.

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Mehrstufiges Eskalationskonzept

Das Konzept des Sozialministeriums zur Eindämmung lokaler Coronavirus-Ausbrüche sieht mehrere Stufen vor:

  • Bis 20 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche gibt es keine verschärften Maßnahmen.
  • Ab 20 Neuinfektionen gelten eine erhöhte Aufmerksamkeit, verstärkte Informationspflicht sowie bedarfsgerecht angepasste Maßnahmen.
  • Ab 35 Neuinfektionen gelten wieder strengere Kontaktbeschränkungen. Betriebe und Einrichtungen, in denen das Coronavirus aufgetreten ist, werden geschlossen. Zusätzliche Krankenhausbetten werden geschaffen.
  • Ab 50 Neuinfektionen kommt es zu weitgehenden Einschränkungen: Einrichtungen und Betriebe müssen geschlossen, Zusammenkünfte untersagt und auch der ÖPNV eingeschränkt werden.
  • Ab 75 Neuinfektionen übernimmt zusätzlich der Krisenstab des Sozialministeriums die Steuerung der Maßnahmen.
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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 03.08.2020, 16.45 Uhr