Collage: Zwei Studenten füttern Hühner, Maden in Großaufnahme
Proteinreich und leicht zu züchten: Die Maden eignen sich zum Beispiel als Futter für Hühner. Bild © hessenschau.de

Fischmehl und Soja sind als Tierfutter weltweit gefragt, doch die Produktion schadet der Umwelt. Aus Hessen kommt nun eine vielversprechende Alternative - Frankfurter Studenten haben sie entdeckt.

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Wenn Florian Gloger den Deckel der kleinen weißen Zuchtbox anhebt, sieht man außer ein bisschen Erde und ein paar Gemüseresten erst einmal nicht viel. Doch sobald er mit der Hand die Erde vorsichtig zur Seite schiebt, kommen Dutzende kleiner weißer Maden zum Vorschein.

Ekel sieht man dem Studenten dabei nicht an, vielmehr die Faszination für die Eigenschaften der unscheinbaren Tiere. Mit ihrer Hilfe will er ein hochgestecktes Ziel erreichen: "Wir haben mit dem Projekt den Traum vor Augen, einen kleinen Regenwald zu retten. Das halten wir auch für sehr realistisch", sagt Gloger.

Schwarze Soldatenfliege hilft

Was utopisch klingt, hat einen einfachen Hintergrund, wie Projektmitarbeiter Benjamin Dorbert erklärt: "In Afrika, Südamerika und Südostasien werden großflächig Regenwälder für die Sojaproduktion abgeholzt. Ein sehr großer Teil davon wird für Tierfutter benutzt." Auch Fischmehl, das oft verfüttert wird, sei wegen der Überfischung der Meere ungeeignet: "Wir haben uns überlegt, dass es da eine Alternative braucht."

Großaufnahme der Maden in der Box
Nebenbei produzieren die Maden frischen Humus. Bild © hessenschau.de

Durch ein anderes Umweltprojekt, bei dem Papier aus Elefantendung hergestellt werden sollte, stoßen sie zufällig auf die Made der schwarzen Soldatenfliege. "Diese Made ist optimal, weil sie so gut wie alles frisst und dabei super proteinreich ist", erklärt Benjamin Dorbert.

Maden anfangs ausgebüxt

Vor gut zwei Jahren beginnen die beiden Studenten zusammen mit anderen, aus dieser ersten Entdeckung ihr Projekt "Green Grubs", auf Deutsch "Grüne Maden", zu entwickeln. Sie testen, welche Ansprüche die Made hat und was sie im Laufe ihrer weiteren Entwicklung zur Fliege braucht.

Anfangs ist die Madenzucht problematisch: "Es fing mit Plastikeimern in einer WG in Frankfurt an und endete damit, dass die Maden drei Stockwerke tiefer aufgetaucht sind", erzählt Gloger. Mit diesen Erfahrungen und etwas Tüftelei entwickeln sie eine Zuchtbox. "Uns war von Anfang an klar, dass niemand Lust hat, die Maden groß anzufassen und mit den Händen im Dreck rumzuwühlen" sagt Gloger.

Zuchtbox mit zwei Kammern

Herausgekommen ist eine Box, die aus zwei Kammern besteht und an die Lebensstadien des Insekts angepasst ist. Im Madenstadium halten sich die Tiere in der Hauptkammer auf, wo es dunkel und feucht ist. "Dann haben sie irgendwann Lust sich an einem Ort zu verpuppen, wo es hell und trocken ist."

Madenzucht
Die Zuchtbox besteht aus zwei Kammern - eine für die Maden, die andere für Puppen und die Fliege. Bild © hessenschau.de

Den finden sie in der zweiten Kammer, die über eine Rampe mit der ersten verbunden ist. Dort kann ein Teil der Maden entnommen werden. Die restlichen Tiere entwickeln sie sich nach ein paar Tagen zur Fliege, paaren sich und fliegen zur Eiablage wieder in die Hauptkammer. Die Fliegen sterben, aus den Eiern entwickeln sich neue Maden.

Futter für Fische, Kühe und Hühner

Ein Kreislauf, der viel proteinreiche Nahrung abwirft und bei dem zusätzlich wertvoller Humus entsteht. Die Maden ernähren sich von Biomüll und sind dabei nicht wählerisch: Von Gemüseresten über Kaffeesatz, trockenem Brot bis hin zu alten Zitrusfrüchten fressen sie praktisch alles, wie die Studenten festgestellt haben.

"Und die Maden setzen das Futter gut um", erklärt Florian Gloger. "Aus einem Kilogramm Futter entsteht ein halbes Kilogramm Maden." Etwa eine Hand voll kann man davon täglich aus der Box entnehmen, ohne dass der Kreislauf zusammenbricht.

Idee für Selbstversorger

Für die vier Hühner, die bei Benjamin Dorbert im Garten wohnen, reicht das allemal. Doch auch für Kühe könnten die Maden als Futterbeimischung dienen, selbst Hunde haben sie schon probiert, erzählen die Studenten. "Prinzipiell kann jeder die Box verwenden, der Fische, eine Katze, Hühner oder andere Tiere hat", sagt Gloger.

Momentan richte sich das Projekt vor allem an Selbstversorger. Sie können die Box und eine Maden-Startpopulation im Internet bestellen. Eine ihrer Green Grubs-Boxen hat es sogar nach Afrika zu einer Selbstversorger-Gemeinschaft geschafft und ernährt dort die Fische.

Mehrfach ausgezeichnet

Für ihre Idee und die Umsetzung sind die Studenten um Gloger und Dorbert mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Hessischen Nachhaltigkeitspreis. Neben den beiden Wirtschaftswissenschaftsstudenten sind auch angehende Biologen und ein Produktdesigner beteiligt. Geld verdienen sie mit Green Grubs nicht, es ist ein Non Profit-Projekt.

Die zwei Studenten füttern ihre Hühner mit den Maden
Beliebtes Futter: Den Hühnern von Benjamin Dorbert schmecken die Maden. Bild © hessenschau.de

Ihr Weg geht in eine andere Richtung: "Mein Wunsch wäre, dass wir es hierzulande und international gut verbreiten können", sagt Dorbert. Gloger ergänzt: "Gerade weil die meisten Bauern und Selbstversorger nicht in Deutschland, sondern in Entwicklungsländern leben. Es kann für sie durchaus Geld sparen, die Box zu nutzen, und es schützt gleichzeitig die Umwelt."

Sendung: maintower, hr-fernsehen, 16.4.2019, 18.00 Uhr