Osteoporosepatien Margit Weimer bespricht mit ihrem Arzt am Schreibtisch ihre Untersuchungsergebnisse.
Osteoporose-Patientin Margit Weimer wird von ihrem Arzt mit Anabolika behandelt. Bild © Sophia Luft

Osteoporose ist eine Volkskrankheit, doch nach Ansicht eines Frankfurter Facharztes werden die meisten Betroffenen falsch behandelt. Er empfiehlt eine vergleichsweise neue Therapie. Sie könnte bald deutlich günstiger werden.

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Eigentlich wollte Margit Weimer aus Staufenberg (Gießen) nur mit dem Hund raus, eine Runde im Schnee drehen. Doch an diesem Tag im Februar 2015 übersieht sie das Eis auf ihrem Weg. Sie rutscht aus, stürzt auf den Rücken und auf ihren Arm. "Der ist gleich weggesackt", erinnert sie sich. Was sie im Schock nicht bemerkte: Auch ein Halswirbel war gebrochen.

Dass die Staufenbergerin sich bei ihrem Sturz derart schwer verletzte, hat einen Grund: Margit Weimer hat Osteoporose. Das bedeutet Knochenschwund, die Knochen verlieren ihre Dichte. Während gesunde Knochen im Inneren ein stabiles Geflecht aus dicken Stämmen und Verästelungen bilden, werden die Knochen bei Osteoporose löchrig und porös. Besonders gefährdet sind Frauen nach den Wechseljahren und Menschen im hohen Alter.

Osteoporose als Volkskrankheit

Im Schnitt brechen sich in Deutschland laut einer vom Bildungs- und Forschungsministerium geförderten Studie aus dem Jahr 2012 jeden Tag mehr als 300 Menschen aufgrund von Osteoporose einen Knochen. Insgesamt leiden bundesweit zwischen sechs und acht Millionen Menschen an der Krankheit - die Zahl basiert auf Hochrechnungen, vielen ist gar nicht klar, dass sie betroffen sind. Selbst Brüche bleiben zum Teil unentdeckt, meist Wirbelfrakturen wie bei Margit Weimer. Und ohne Behandlung bleiben die Schmerzen.

"Teilweise konnte ich kaum Strümpfe anziehen, da musste ich mich morgens erst mal warmlaufen", erzählt die 66-Jährige. Als sie die Behandlung beim Frankfurter Osteologen Peyman Hadji begann, stellte er fest, dass ihre Knochendichte im Bereich der Lendenwirbel nur noch 50 Prozent betrug. Von da ab ging es jedoch aufwärts mit Margit Weimers Gesundheit.

Studie: Nicht mal die Hälfte der Patienten richtig behandelt

Nach einem Oberschenkelhalsbruch, der fast immer osteoporosebedingt ist, stirbt ein Drittel der Patienten im ersten Jahr nach dem Bruch. Margit Weimers behandelnder Arzt Hadji hat als zweiter Vorsitzender des Dachverbands Osteologie die Gründe für die Sterblichkeit und die Folgebrüche in einer Studie erforscht. Sein Ergebnis: "Nur 40 Prozent der Patienten mit einer osteoporosebedingten Fraktur werden leitliniengerecht medikamentös behandelt."

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Osteoporose-Patientin Margit Weimer sitzt in ihrer Wohnung am Tisch un schält sich einen Apfel.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schmerzen und Knochenbrüche: Millionen Menschen leiden unter Osteoporose

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Das heißt: die Ärzte versorgen zwar den Bruch, verschreiben den Patienten aber nicht die richtigen Medikamente gegen die Osteoporose. Dadurch heilt der Bruch, aber die Knochen bleiben instabil und brechen immer wieder. "In einem Industrieland ist das indiskutabel", sagt Hadji. Vorstellen wird er seine Studie auf der "Osteologie 2019", dem wichtigsten Kongress für Osteoporose-Ärzte im deutschsprachigen Raum, der von diesem Donnerstag bis Samstag in Frankfurt stattfindet.

Anabolika sollen die Knochen wieder aufbauen

Wirksame Medikamente gibt es längst, die meisten halten den Abbau der Knochen auf. Eine noch nicht sehr verbreitete Therapie baut sogar mithilfe von Anabolika im Inneren der porösen Knochen neue Strukturen auf, dadurch kann Patienten auch in schweren Fällen geholfen werden. Problem: Die Mittel sind verhältnismäßig teuer, entsprechend zögern die Krankenkassen, sie zu bezahlen.

Inzwischen haben mehrere Studien die Wirksamkeit der Anabolika-Therapie belegt. Und im Laufe des Jahres sollen günstigere, gleich wirkende Medikamente (Generika) auf den Markt kommen. Die Therapie wird dann günstiger und womöglich öfter als bisher angewendet. Bis jetzt bekommen nur fünf Prozent der Patienten Anabolika - unter ihnen Margit Weimer.

Margit Weimers Schmerzen sind fast verschwunden

Ihre Knochen haben sich wieder aufgebaut, wie die Untersuchungen ihres Arztes zeigen. Hadji schwärmt von der "wunderschönen Mikroarchitektur" in Weimers Knochen. Sie bestätigt, dass die Schmerzen fast verschwunden seien. Sie fühle sich wieder sicherer. "Dadurch, dass die Knochendichte so zugenommen hat, braucht man keine Angst mehr vor Stürzen zu haben", sagt sie.

Trotzdem mahnt Hadji zur Vorsicht. "Das Bewusstsein für Osteoporose ist sehr gering", sagt der Arzt. Die Patienten müssten sich um sich kümmern und zur Vorsorge zum Arzt gehen. Dann könnten noch viel mehr Knochenbrüche verhindert werden.