Eine Broschüre des Bistums Fulda als Anleitung für Hausgottesdienste

Völlig überfüllte Weihnachtsgottesdienste - das war vor Corona. Diesmal ist in den Kirchen für viel weniger Besucher Platz. Die Andacht des Stadtpfarrers von Fulda geht auch zwischen Christbaum und Schrankwand.

Die Pandemie macht das Weihnachtenfeiern zum Problem. Die Kirchen, die eigentlich an Weihnachten einen Besucherandrang erleben, stehen vor der Frage: Was machen die vielen Menschen, die wegen der Corona-Regeln diesmal nicht in den Gottesdienst kommen können? Der Fuldaer Stadtpfarrer Stefan Buß schlägt als Alternative vor, die Messe einfach daheim zu lesen.

Der 58 Jahre alte katholische Geistliche nennt das "Andacht to go" und gibt mit einer Anleitung Tipps, wie es auch zu Hause zwischen Christbaum und Schrankwand besinnlich werden kann. Ein Zwölf-Punkte-Programm hat er in der Fuldaer Zeitung gerade veröffentlicht, das Bistum gibt dazu eine Broschüre heraus.

hessenschau.de: "Andacht to go" - das klingt doch ein bisschen abgefahren. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Stefan Buß: Gottesdienste sind nur unter strikten Hygiene- und Abstandsregeln möglich. Deshalb haben wir in der Weihnachtszeit bei Weitem nicht für alle potenziellen Besucher Platz. Man kann den Gottesdienst aber auch im kleinen Kreis feiern. Das bietet sich an, um selbst geschützt zu sein vor Infektionsrisiken. Und es entspannt die Nachfrage nach Plätzen in der Kirche.

hessenschau.de: An welche Zielgruppe wenden Sie sich mit Ihrer Idee vor allem?

Buß: Wir dachten in erster Linie an junge Familien mit Kindern. Jeder kann da kreativ werden und seinen Beitrag leisten.

hessenschau.de: Wie könnte so eine "Andacht to go" konkret ablaufen?

Buß: Die Idee ist, dass zum Beispiel eine Familie eine kleine gottesdienstliche Feier an Heiligabend abhält, zum Beispiel im Wohnzimmer neben dem Christbaum. Jeder kann eine Rolle übernehmen. Die Kinder können die Fürbitten sprechen. Oder sie musizieren. Die Oma liest vielleicht die Weihnachtsgeschichte, und der Vater erteilt den Segen.

hessenschau.de: Was gibt es dabei zu beachten?

Buß: Der Mittelpunkt der Andacht sollte immer das Weihnachtsevangelium sein, das man liest. Dann sind ein paar Fürbitten und Lieder vorgeschlagen, "O, Du Fröhliche" zum Start vielleicht und "Stille Nacht, Heilige Nacht" zum Abschluss. Das Gebet kann auch mal ein freies Gebet der Familie sein.

Fuldaer Stadtpfarrer Stefan Buß

hessenschau.de: Welche Rückmeldungen haben Sie bisher bekommen?

Buß: Es gibt einige Familien, die bewusst gesagt haben: Wir bleiben an Weihnachten zu Hause! Entweder wollen sie niemanden in der Kirche Plätze wegnehmen, oder es ist für sie diesmal in der Corona-Zeit stimmiger. Viele Familien sind dankbar für solche Ideen. Die Anleitung ist eine Hilfe für diejenigen, die nicht wissen, wie solch ein Gottesdienst aufgebaut ist.

hessenschau.de: Gab es auch Kritik? Es findet vielleicht nicht jeder angemessen, einen heiligen Akt wie einen Gottesdienst in die Hände von Laien zu geben und neben die heimische Schrankwand zu verlegen.

Buß: Nein, unser Bischof unterstützt das auch. Man kann in der Corona-Krise auch mal zu Hause bleiben und eigene Formen finden. Und Hauskirche ist ja auch der Ursprung der Kirche. Diese Form ist also "back to the roots".

hessenschau.de: Und was bleibt für diejenigen, die nicht in die Kirche kommen mögen, aber auch mit dem Heimgottesdienst unglücklich sind?

Buß: Wir haben seit Jahren täglich Livestreams. Das werden wir natürlich auch an Weihnachten anbieten. Darüber hinaus verbreite ich jeden Tag im Advent 'kleine Impulse', zum Beispiel über den WhatsApp-Messenger.

In der Stadtpfarrkirche Fulda müssen Besucher coronabedingt auf Abstand sitzen.

hessenschau.de: Wie erreichen Sie ältere Menschen ohne Handy und Internet?

Buß: Die täglichen Impulse können auch über Telefon abgehört werden. Die Abrufzahlen unter der 0661 - 20602482 steigen vor Weihnachten stark, täglich rufen Dutzende an.

hessenschau.de: Und wie lautet mitten in der Corona-Krise Ihre persönliche Weihnachtsbotschaft an die Menschen?

Buß: Fürchtet Euch nicht! Das ist mein Lieblingswort aus der Bibel. Es ist wichtig, respektvoll miteinander umzugehen, sich und andere zu schützen. Aber wir müssen keine Angst oder Panik haben. Die Botschaft des Glaubens ist ja, dass ich auch in schwierigen und dunklen Zeiten vertrauen kann.

Das Gespräch führte Jörn Perske.

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Vorschläge für einen Do-it-Yourself-Gottesdienst hat auch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau gemacht. Auf einer Internetseite werden Anregungen präsentiert.

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