Das regionale Impfzentrum Wiesbaden ist im RheinMain CongressCenter.

Rund 400.000 Menschen ab 80 Jahren können sich jetzt für eine Corona-Impfung anmelden - theoretisch. Denn die Systeme kamen erst einmal zum Erliegen. Auch in den kommenden Tagen soll das kaum besser werden.

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Nach dem Start der Impf-Anmeldung in Hessen am Dienstag um 8 Uhr ist es laut Innenministerium zur "erwarteten Überlastung der Systeme" gekommen. Demnach gab es innerhalb kürzester Zeit mehrere Millionen Zugriffsversuche auf die Internetseite impfterminservice.de und die Hotlines 116 117 oder 0611 505 92 888. Die Kapazitätsgrenze sei erreicht worden, was eine technische Störung zur Folge hatte.

Um eine dauerhafte Blockade des Online-Anmeldeverfahrens zu verhindern, habe das System zwischenzeitlich heruntergefahren werden müssen, teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit. Das habe sich auch auf die Buchungsmöglichkeiten in den Callcentern ausgewirkt. Viele hessenschau.de-Nutzer berichteten von ihren erfolglosen Versuchen, einen Termin zu vereinbaren.

Den Angaben des Ministeriums zufolge konnten am Dienstag ab 15 Uhr über die Hotlines wieder Termine vergeben werden. "Angesichts der anfänglichen Störungen" waren die Telefonnummern am Dienstag zwei Stunden länger - also bis 22 Uhr - erreichbar. Doch auch am Dienstagabend kam es bei dem Online-Anmeldeverfahren immer wieder noch zu Überlastungsanzeigen. Das Ministerium wies am Nachmittag darauf hin, dass es wegen des sehr hohen Interesses auch in den nächsten Tagen erneut zu Störungen im System kommen könne.

Fehlermeldung technische Probleme Impftermin Homepage

Beuth: "Das kann kein Call-Center der Welt leisten"

Mehr als 400.000 Frauen und Männer in Hessen, die 80 Jahre und älter sind, kommen aktuell für eine Terminvereinbarung in Frage. Wegen noch fehlenden Impfstoffs können laut Innenminister Peter Beuth (CDU) zunächst aber nur rund 60.000 Termine vergeben werden. Bis zum Dienstagnachmittag wurden rund 4.000 Termine für eine Erstimpfung registriert.

Beuth hatte bereits im Vorhinein um Geduld gebeten. "Das kann natürlich kein Call-Center der Welt dann auch leisten, alle auf einmal in Empfang zu nehmen", sagte der Minister dem Sender Hit Radio FFH. Hessen habe seine Kapazitäten basierend auf den Erfahrungen anderer Bundesländer erhöht.

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Die Opposition im Landtag kritisierte die technischen Probleme bei der Anmeldung für einen Impftermin scharf. Sprecher von SPD und FDP sprachen von einem Chaos. Es wurde gefordert, den Einsatz mobiler Teams zu verstärken und auch Hausärzte in die Impfinfrastruktur einzubinden. Aus den Kommunen gab es die Forderung, in der kommenden Woche alle regionalen Impfzentren im Land zu öffnen. Bislang sind 28 Impfzentren vorgesehen.

Impfstart nur in sechs Zentren

Die Impfung startet am kommenden Dienstag (19. Januar) in den sechs regionalen Impfzentren in Kassel, Gießen, Fulda, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt. Allerdings können sich die Senioren kein Impfzentrum aussuchen, sondern müssen in dem für den Wohnort zuständigen Zentrum einen Termin vereinbaren. Die Zuständigkeiten sind wie folgt:

  • Kassel: Stadt und Landkreis Kassel, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg, Werra-Meißner
  • Fulda: Vogelsberg, Fulda, Hersfeld-Rotenburg
  • Gießen: Wetterau, Stadt und Landkreis Gießen, Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf
  • Frankfurt: Frankfurt, Stadt und Landkreis Offenbach, Hochtaunus, Main-Kinzig, Main-Taunus
  • Wiesbaden: Stadt Wiesbaden, Rheingau-Taunus, Limburg-Weilburg
  • Darmstadt: Stadt Darmstadt, Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Odenwald

Wann die übrigen regionalen Impfzentren öffnen werden, steht noch nicht fest. Innenminister Beuth hatte am Montag in hr4 angekündigt, es sei eher eine Frage von Wochen als von Monaten. "Wenn wir dann die 22 weiteren Impfzentren geöffnet haben, werden wir dort ebenfalls Impftermine vergeben können", so Beuth.

Bestätigung per Post oder Mail

Bei der Terminvergabe über die Telefon-Hotlines wird der Termin per Post bestätigt. Mit dem Brief erhalten alle Impfwilligen auch weitere Unterlagen, wie etwa ein Aufklärungsmerkblatt zur Corona-Schutzimpfung. Sollten die Bürger ihren Termin vergessen haben, können sie diesen telefonisch ebenfalls noch einmal erfragen.

Bei der Online-Terminvergabe ist eine Terminbestätigung per E-Mail vorgesehen. Die Impfung ist für alle Bürger kostenfrei. Angehörige oder Betreuer dürfen die Impfberechtigten ins Impfzentrum begleiten.

Anfangs noch keine mobilen Impfteams

Das Land Hessen informiert alle über 80-Jährigen schriftlich über die Anmeldungen. Auch ein Erfassungsverfahren für häusliche Impftermine startet. Denn wer nicht mehr mobil ist, soll Besuch von einem mobilen Impfteam bekommen. Bis Hausbesuche landesweit erfolgen können, wird es aber noch eine Weile dauern. Das Land hat die Kommunen deshalb gebeten, nach Möglichkeit Fahrdienste einzurichten, um ältere Menschen ins Impfzentrum zu bringen, wenn sie diese nicht in eigener Regie erreichen können.

Weitere Informationen

Informationen des Landes

Das Land Hessen informiert auf dieser Internetseite über die Anmeldung zur Impfung.

Ende der weiteren Informationen

Aus dem Info-Schreiben an die Senioren geht auch hervor, dass das Land die Kosten für die Fahrt zum Impfzentrum für solche Menschen übernimmt, die nicht mehr selbst mobil sind, nicht von Angehörigen oder Freunden gebracht werden können und deren Krankenkasse eine Fahrt nicht bezahlt.

Lieferung mit 4.800 Dosen Moderna-Impfstoff

Mehr als 57.475 Hessen haben bereits eine Corona-Impfung erhalten, wie aus einer Erhebung des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag hervorgeht. Hessen liegt dabei deutschlandweit im Mittelfeld: Von 1.000 Einwohnern sind 9,1 gegen das Virus geimpft. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 8,3. Unter den Geimpften in Hessen sind laut RKI rund 22.059 Pflegeheimbewohner und 33.237 Menschen, die wegen ihres Berufs in der Medizin oder Pflege zur höchsten Priorisierungsgruppe zählen.

Begrenzender Faktor bleibt weiterhin der Impfstoff. Hessen erhielt am Dienstag eine erste Lieferung mit 4.800 Dosen des Corona-Impfstoffs des US-Herstellers Moderna. Unmittelbar nach der Auslieferung könne die Hälfte der angelieferten Menge an die Impfzentren verteilt werden, um dann durch die mobilen Teams gespritzt zu werden, teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit.

Wie bisher wird nach seinen Angaben auch beim Moderna-Impfstoff die Hälfte der verfügbaren Menge auf Anraten des Bundes zunächst sicher im Verteilzentrum des Landes eingelagert, um in jedem Fall die wichtige Zweitimpfung mit demselben Impfstoff gewährleisten zu können.