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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Natürlich kann es auch in Bus und Bahn Infektionen geben"

Eine Frau sitzt mit Mund-Nase-Schutz in einer Straßenbahn

Der öffentliche Nahverkehr ist vom Teil-Lockdown nicht betroffen. Die Verkehrsbetriebe stellen das Infektionsrisiko in Bus und Bahn als gering dar. Manche Experten sehen das anders.

Ob im überfüllten Schulbus im Vogelsbergkreis oder in der Frankfurter U-Bahn während des Berufsverkehrs: Oft kommt man den Mitreisenden näher, als es einem in diesen Zeiten lieb ist. Und dann gibt es ja auch noch vereinzelt Maskenmuffel, die ihren Atem ungefiltert in den Raum pusten. Trotzdem beruhigen die Verkehrsverbünde: Die Ansteckungsgefahr in Bus und Bahn sei minimal. Stimmt das?

Sowohl der NVV im Norden als auch der RMV im Süden verweisen auf Statistiken des Robert-Koch-Instituts zu den Haupt-Ansteckungsorten. Dort spielt der Nahverkehr in der Tat nur eine Nebenrolle. Bei nur 0,2 Prozent aller Infektionen konnten demnach die Gesundheitsämter eine Infektion im ÖPNV nachweisen. Doch Experten halten diese Zahl für wenig aussagekräftig.

Wenige Infektionen - oder wenig Nachverfolgbarkeit?

Kaschlin Butt, die Leiterin des Wiesbadener Gesundheitsamtes, sagt: Infektionen in Bus und Bahn lassen sich überhaupt nicht nachverfolgen, weil die Situation dort anonym ist. Niemand könne im Nachhinein sagen, wem er in den Tagen vor einem positiven Test im ÖPNV begegnet sei. Auch das Robert-Koch-Institut selbst weist bei seinen Statistiken auf diesen Effekt hin – was die Verkehrsbetriebe allerdings verschweigen. 

Der Frankfurter Verkehrsbetrieb VGF geht sogar noch weiter. In seinen Corona-FAQ leugnet er die Gefahr durch Aerosole, also feinste, luftgetragene Partikel. Dort heißt es: "Das RKI geht von einer Tröpfchen-Infektion aus, nicht von einer Übertragung durch die Luft." Doch das ist schlicht falsch. Laut RKI "spielen Tröpfchen wie auch Aerosole, die längere Zeit in der Luft schweben können, eine Rolle."

Amtsleiterin sieht volle Busse und Bahnen mit Sorge

Experten sehen das aber zum Teil anders. Ein Risikoszenario seien vor allem volle Busse und Bahnen. Amtsleiterin Butt sagt: "Diese Situation ist aus infektiologischer Sicht unter Umständen nicht anders als bei privaten Zusammenkünften." Ebenso warnte der Virologe Christian Drosten kürzlich im NDR-Podcast: Auch in der U-Bahn könne es theoretisch Infektionscluster geben. In einer gut belüfteten U-Bahn, in der alle die Abstands- und Maskenregeln einhalten, sehen Experten hingegen keine große Ansteckungsgefahr.

Die Konsequenz kann für Amtsleiterin Butt nur lauten: Die Verkehrsbetriebe müssen verhindern, dass die Menschen dicht an dicht stehen - zur Not mit Ordnungskräften an den Haltestellen. Und die Hessische Landesregierung hat auch schon Handlungsbedarf erkannt: Sie hat 10,8 Millionen Euro für zusätzliche Busse und mehr Maskenkontrollen bereitgestellt.

Wofür das Geld genau verwendet wird, bleibt im Detail jedoch offen. Am Dienstag teilte das Verkehrsministerium auf hr-Anfrage mit, dass es nicht "nicht im einzelnen" sagen könne, wie die knapp elf Millionen verwendet werden. Das Geld werde auf Basis der bestehenden Verteilungsschlüssel an die drei in Hessen tätigen Verkehrsverbünde ausgezahlt. 8,3 Millionen gingen an den RMV, rund 2 Millionen an den NVV und etwa 350.000 Euro VRN. Diese geben sie an die regionalen und lokalen Verkehrsorganisationen weiter.

Update: Am Dienstag erklärte die Verkehrsgesellschaft Frankfurt, dass es sich bei den Informationen in ihren FAQs um eine veraltete Darstellung handelte: "Uns ist bei der Aktualisierung der FAQ auf der Homepage der Punkt mit den Infektionswegen aus dem Blick geraten, weshalb eine ältere Passage online geblieben ist", betonte ein Sprecher gegenüber dem hr. Er nannte das ganze "ärgerlich". Es sei keine bewusste Falschinformation gewesen.

Sendung: hr-iNFO, 2.11.2020, 6.15 Uhr