Gebündelte Zeitungen

Abgesagte Veranstaltungen, geschlossene Läden und Lokale: Den Tageszeitungen, Anzeigenblättern und Stadtmagazinen brechen in der Corona-Krise die Werbe-Erlöse weg. Einige Titel kämpfen bereits ums Überleben.

Die Notbremse zu ziehen, ist Timo Schadt nicht leicht gefallen. Seit 22 Jahren veröffentlicht der Verleger "Printzip" - ein Veranstaltungsmagazin mit politischem Anspruch für die Region um Fulda und Bad Hersfeld. Alle zwei Monate erschien "Printzip" bislang - zuletzt in einer Auflage von 13.000 Exemplaren. Damit ist nun vorerst Schluss - aufgrund der Corona-Krise.

"Das 'Printzip' wird vorerst nicht mehr erscheinen. Als Veranstaltungsmagazin macht das momentan einfach keinen Sinn", steht auf der Homepage des Magazins zu lesen.

Die aktuelle Ausgabe für März und April ist noch digital abrufbar. 16 Seiten voller Anzeigen und Veranstaltungstipps. Die meisten dort beworbenen Events sind längst abgesagt. Die nächste Ausgabe - wenn sie denn erscheinen würde - hätte fast gänzlich ohne Reklame auskommen müssen. "Der Anzeigenausfall beträgt fast 100 Prozent", sagt Schadt.

Lebensmitteldiscounter verzichten auf Werbung

Die Corona-Krise entwickelt sich immer mehr auch zur Medienkrise. Vor allem für diejenigen, die auf lokale und regionale Anzeigen angewiesen sind. Das sind in erster Linie gedruckte Tageszeitungen und Stadtmagazine.

Als "teils dramatisch" bezeichnet Manfred Moos vom Landesverband der Deutschen Journalisten Union (dju) die Einbrüche im Anzeigengeschäft bei den hessischen Printmedien. Neben dem Veranstaltungsmarketing seien vor allem auch die Anzeigen des lokalen Einzelhandels und der großen Lebensmitteldiscounter weggebrochen. "Bei Letzteren scheint man sich zu sagen: Die Leute rennen uns eh die Bude ein."

Auch Dirk Glock, Geschäftsführer beim Verband Hessischer Zeitungsverleger zeichnet ein ähnliches Bild der Lage. Der Anzeigenrückgang seit Beginn der Corona-Krise betrage je nach Titel zwischen 40 und 90 Prozent. "Das ist umso bitterer, als Print in den letzten Jahren für einige Anzeigenkunden wieder attraktiv geworden war."

Anzeigenblätter besonders schwer getroffen

Im Verband Hessischer Zeitungsverleger sind eigenen Angaben zufolge 33 Titel mit einem Jahresumsatz von 675 Millionen Euro organisiert. Besonders bedrohlich sei der Anzeigeneinbruch für die kostenlosen Anzeigenblätter. "Bei einigen Verlagen wird schon darüber nachgedacht, die Erscheinungsfrequenz herabzusetzen oder die Titel vorläufig einzustellen", sagt Glock. Konkrete Titel möchte er derzeit nicht nennen.

Fragt man bei den hessischen Verlagen direkt an, erhält man derzeit eher allgemein gehaltene Aussagen als Antwort: "Weite Teile unserer Anzeigenkunden hat Corona mit Wucht getroffen. Entsprechend leiden unsere lokalen und überregionalen Anzeigenmärkte über alle Medienmarken hinweg", erklärt etwa Achim Pflüger, Geschäftsführer der RheinMain-Media, die unter anderem für die Anzeigenvermarktung der Frankfurter Rundschau (FR), der Frankfurter Neuen Presse (FNP)und des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen verantwortlich ist.

Max Rempel, Geschäftsführer der Mediengruppe Frankfurt, zu der FR und FNP gehören, erklärt auf hr-Anfrage, dass man aktuell "in Gesprächen mit Mitarbeitern und Betriebsräten" sei, um "gemeinsame Lösungen zum Wohle der Mitarbeiter und des Unternehmens" zu finden.

Kurzarbeit, aber keine Entlassungen

Die "gemeinsame Lösung", die Rempel nicht beim Namen nennt, heißt Kurzarbeit. Aus Gewerkschafts- und Verlegerkreisen ist unter der Hand zu erfahren, dass sowohl bei den Titeln der Ippen-Gruppe (unter anderem FR, FNP, Offenbach-Post) als auch bei der Verlagsgruppe Rhein-Main (unter anderem Wiesbadener Kurier, Darmstädter Echo) bereits über Kurzarbeit verhandelt wird.

Zeitungsverleger-Geschäftsführer Glock bestätigt, dass sich viele Verlage bereits in Verhandlungen über Kurzarbeit befänden. "Wir rechnen damit in allen Bereichen." Entlassungen seien allerdings derzeit noch nirgends im Gespräch: "Arbeitsplatzabbau wäre nur die allerletzte Lösung."

An einen Blick in die Zukunft nach Corona wagt sich derzeit kaum jemand in der hessischen Medienbranche. "Dass alle Anzeigenkunden nach Ende der Krise wiederkommen, glaubt kaum jemand", sagt Glock.

Für einzelne Titel allerdings kann das bedeuten, dass sie gar nicht wiederkommen. Die Zukunft von "Printzip" jedenfalls ist ungewiss. "Wir haben das Erscheinen eingestellt", sagt Herausgeber Timo Schadt. "Vorläufig ist dabei nur eine Option."