Viele Patienten sitzen in einem Wartezimmer einer Arztpraxis.
Viele Patienten sitzen in einem Wartezimmer einer Arztpraxis. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Während der Wartezeit beim Arzt noch etwas erledigen, statt sinnlos herumzusitzen: Das soll eine App künftig möglich machen. "Warts-Ab" informiert Patienten über das Smartphone, wenn sie tatsächlich dran sind.

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Patienten müssen in Arztpraxen zuweilen sehr viel Geduld aufbringen, ehe sie aufgerufen werden. Um die Zeit bis dahin besser zu überbrücken, fördert das Land ab kommendem Jahr die Smartphone-App "Warts-Ab", die von der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) entwickelt wird.

Ziel ist nach Mitteilung des Sozialministeriums, Wartezeiten zu minimieren oder besser zu nutzen. "Mit Warts-Ab gehören künftig lange Wartezeiten in Gesundheitseinrichtungen der Vergangenheit an", verspricht das Ministerium.

Nummer statt Name wahrt Datenschutz

Informatiker Thomas Friedl vom Fachbereich Gesundheit der THM sagt: "Das System ist für den Anwender recht einfach." Über ein Tablet werde eine Nummer generiert, die eindeutig, aber dem Patientennamen nicht zuzuordnen sei. Der Patient könne während der Wartezeit nach Hause oder zur Arbeit gehen. Über die App erfährt er seinen Wartestatus und, wann er an der Reihe sein wird. Durch Verwendung eines Barcodes werde der Datenschutz gewährt, sagt Friedl. Denkbar sei, später auch die Standardkommunikation zwischen Arzt und Patienten über die App laufen zu lassen, etwa die Terminvergabe.

Das Sozialministerium nennt "Warts-Ab" als eines von mehreren E-Health-Projekten. Minister Stefan Grüttner (CDU) sagt, Technik müsse den Praxisbetrieb ergänzen. Sie werde ihn nicht ersetzen.

Software auch in Behörden einsetzbar

Beteiligt sind nach Angaben der Hochschule zunächst 150 Arztpraxen und sechs Kliniken. Das Land fördert die App in den Jahren 2019 und 2020 mit insgesamt rund 319.000 Euro. Beteiligt ist die Techniker Krankenkasse. Geplant sei, die Software als "Open Source" kostenlos zur Verfügung zu stellen, sagt Friedl. Im Januar solle die Entwicklung beginnen, der Einsatz ist ab Mai geplant. Denkbar sei, die Software später überall dort einzusetzen, wo gewartet wird, etwa in der Zulassungsstelle oder in der Ausländerbehörde.

Eine Studie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung aus dem Jahr 2013 hatte nach Angaben des Sozialministeriums gezeigt, dass neun Prozent der Patienten zwei oder mehr Stunden in einer Arztpraxis warten, 16 Prozent warteten wenigstens eine Stunde.