Das Schwedler Carré auf dem ehemaligen Güterbahnhof Ost

Der Frankfurter Architekt Stefan Forster hat schon für tausende Menschen ein neues Zuhause gebaut. Sich mit einem Hochhaus zu verewigen, kam ihm noch nicht in den Sinn. Wichtiger seien bezahlbares und nachhaltiges Wohnen, sagt er.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel auf hr-inforadio.de Stefan Forster: "Würdiges Wohnen hinter Klinkerfassaden"

Stefan Forster
Ende des Audiobeitrags

In seinem Büro stehen drei historische Rennräder der Marken Bianchi und Peugeot. Eins davon ist immer in Benutzung. Stefan Forster kommt täglich mit dem Rad aus dem Frankfurter Ostend zur Arbeit ans Sachsenhäuser Mainufer. Unterwegs schaut er sich die Stadt genau an und ärgert sich. Überall Graffiti und Glasscherben. Es sei den Leuten offenbar egal, wie die Stadt aussieht. Mit dem öffentlichen Raum werde in Frankfurt "sorglos, gedankenlos und verantwortungslos umgegangen", klagt Forster. Vor allem die Plätze seien trist und "ohne Seele", Grün werde einfach "weggehackt".

Was Stefan Forster als Architekt schaffen will, sind Räume, in denen man sich zuhause fühlen kann. Und so hat er sich seit Gründung seines Architekturbüros 1989 in Darmstadt ganz dem Wohnungsbau verschrieben. Seit 1995 ist er in Frankfurt ansässig und hat hier in fast allen Stadtteilen seine Spuren hinterlassen, sein Büro gilt als eines der profiliertesten in Sachen Wohnungsbau.

Klinkerfassaden als Markenzeichen

Klinkerfassaden in warmen Farbtönen sind sein Markenzeichen, Loggien die tief in die Fassade eingeschnitten sind, abgerundete Ecken. "Das hat was Emotionales", sagt Stefan Forster. "Als Kind hat man so etwas mit Legosteinen gebaut." Der schönste Augenblick sei, wenn der Beton mit Klinkern verkleidet werde, "wenn das Haus plötzlich ein Kleid bekommt."

Solche Häuser könnten in Würde altern und seien auch nach Jahrzehnten noch schön, während die heute gängigen Putzfassaden mit Wärmedämmverbundsystem schnell "schäbig" aussähen. Ein Haus solle aber seine Bewohner überdauern und nicht nach dreißig Jahren wieder abgerissen werden, meint Forster. 

Die Oskar-Residence von Architekt Forster am Mainufer. Früher stand dort das Bordell Sudfass.

Verdichten und Aufstocken

Schöne Architektur und Materialien mit Qualität seien also ein Beitrag zur Nachhaltigkeit. Das müssten auch Bauherren einsehen, die mit Neubauten schnelles Geld machen wollten. "Hauptsache, es hat vier Wände und es regnet nicht rein" - nach dem Motto könne man heute in Städten wie Frankfurt fast alles teuer vermieten oder verkaufen.

Eines der Rezepte gegen die Wohnungsnot heißt: Verdichtung und Aufstocken. Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, baut Stefan Forster auch alte Gebäude um. Nicht mehr genutzte Bürohäuser zum Beispiel oder Siedlungen aus der Nachkriegszeit. Im Frankfurter Stadtteil Ginnheim hat er in der Siedlung Platenstraße den Zeilenbauten das Giebeldach abgenommen und zwei Etagen in Modulbauweise draufgesetzt. 

Der Vorteil: Die technische Versorgung war schon da, neue Grundstücke mussten nicht gekauft werden. Ergänzt um Tor- und Kopfbauten wird aus der tristen früheren Housing Area der US-Armee ein urbanes Quartier mit Kitas, Cafés und Läden.

Forster will kein Hochhaus bauen 

Wenn Stefan Forster aus seinem Bürofenster blickt, sieht er hinter dem Main die Frankfurter Skyline. Sich dort - wie viele seiner Berufskollegen - mit einem von ihm selbst entworfenen Hochhaus zu verewigen, ist ihm noch nicht in den Sinn gekommen: "Manchmal denke ich, dass ich gar kein richtiger Architekt bin, weil ein Architekt unbedingt ein Hochhaus bauen will. Diesen Drang verspüre ich merkwürdigerweise nicht."  Er hätte bereits zwei Hochhäuser saniert, dabei aber kein besonderes Glücksgefühl empfunden.

Statt über Ruhm und Ehre für einen neuen Wolkenkratzer freut sich Forster über Lob von Bewohnerinnen und Bewohnern der von ihm entworfenen Wohnhäuser. "Die kamen auf mich zu und sagten: Hier möchten wir sterben. Das klingt merkwürdig, bedeutet aber: Wir möchten hier immer und ewig bleiben. Und das ist das allerbeste, was man als Architekt erfahren kann."

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen