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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Armut in Westdeutschland gestiegen

Eine Rentnerin versorgt sich bei einer Tafel in der Kirche St. Lioba mit Nahrungsmitteln

Der Anteil der von Armut bedrohten Menschen ist in den vergangenen zehn Jahren fast nirgends so stark gestiegen wie in Hessen. Zum zweiten Mal in Folge lag das Land 2019 über dem Bundesschnitt. Besonders betroffen waren junge Frauen.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Bedrohung durch Armut in Hessen bundesweit am zweitmeisten gestiegen. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. In den Jahren 2009 bis 2019 kletterte die Zahl der von Armut bedrohten Menschen in Hessen demnach um 3,7 Prozentpunkte. Nur Bremen verzeichnete mit 4,8 Prozentpunkten einen noch höheren Zuwachs, so die Statistiker. Wie sich die Corona-Krise auf das Armutsrisiko auswirkt, ist noch unklar.

Als armutsgefährdet gelten laut der EU-weit angewandter Definition Personen, die monatlich weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung haben. In Deutschland lag diese Schwelle 2019 bei 1.074 Euro für einen Singlehaushalt. Es ist ein Konzept relativer Armut, das die Möglichkeit eines gewissen Maßes an Teilhabe am regulären Leben ausdrücken soll.

Junge Frauen besonders betroffen

In Hessen ist der Anteil der von Armut gefährdeten Personen von rund jedem Achten (12,4 Prozent) in 2009 auf rund jeden Sechsten (16,1) im Jahr 2019 gestiegen. Im bundesweiten Vergleich landet Hessen damit auf dem zehnten Platz und rangiert im zweiten Jahr in Folge über dem Bundesdurchschnitt. Dieser lag 2019 bei 15,9 Prozent. Die wenigsten Menschen waren in Bayern (11,9) und Baden-Württemberg (12,3) betroffen, die meisten in Bremen (24,9).

Das größte Risiko arm zu sein, weisen laut dem Statistischen Landesamt Erwerbslose auf. Im Jahr 2019 galt mehr als die Hälfte (51,7 Prozent) von ihnen als von Armut bedroht. Danach folgen die Alleinerziehenden mit einer Armutsgefährdungsquote von 43,0 Prozent.

Mit Blick auf die Altersgruppen sind junge Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren mit 25,9 Prozent am stärksten von Armut bedroht - und hier sind junge Frauen mit einer Quote von 28,2 Prozent stärker betroffen als die gleichaltrigen Männer (23,8 Prozent). Das geringste Risiko (11,3 Prozent) bestand bei den 50- bis unter 65-Jährigen. Bei den über 65-jährigen Menschen waren 15,9 Prozent von Armut bedroht.

Armutsrisiko im Westen gestiegen

Auch Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit oder mit Migrationshintergrund lagen mit einer Armutsgefährdungsquote von 32,6 bzw. 27,0 Prozent über dem Durchschnitt der hessischen Bevölkerung.

In den vergangenen zehn Jahren ist das Risiko von Armut bedroht zu sein, in allen westlichen Bundesländern gestiegen. In den östlichen Bundesländern hat das Risiko dagegen abgenommen. Diese Bundesländer weisen allerdings insgesamt noch immer ein im Schnitt höheres Armutsrisiko auf.

Sendung: hr-iNFO, 13.08.2020, 12.00 Uhr