Corona-Test-Röhrchen

Werden Lehrer vergebens auf das Corona-Virus getestet, weil ihre Abstriche im Labor zu lange liegenbleiben und unbrauchbar werden? Eine Arztpraxis aus Wettenberg übt scharfe Kritik an der Test-Methode der Landesregierung.

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zum Video Probleme bei Testung von Erziehern und Lehrkräften

hs
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Das Kultusministerium hat Vorwürfe zurückgewiesen, Corona-Tests von Lehrern und Erziehern würden möglicherweise zu spät untersucht und seien damit nicht aussagekräftig. In einem Facebook-Post hatte eine Gemeinschaftspraxis aus Wettenberg (Gießen) genau diesen Umgang mit Corona-Abstrichen kritisiert.

Demnach ist für die Tests von Lehrkräften aus ganz Hessen nur ein Labor in Frankfurt zuständig, für die von Erziehern ein Labor in Darmstadt. Träfen in Frankfurt Proben am Freitagnachmittag ein, würden diese erst montags untersucht, da das Labor am Wochenende nicht arbeite, schreibt die Praxis. Durch eine Verzögerung von mehr als 72 Stunden sei das Virus unter Umständen nicht mehr nachweisbar. "Abgestriche Personen mit negativem Befund könnten in Wahrheit mit dem SARS-CoV2-Virus infiziert sein, ohne es zu wissen", warnt die Praxis.

Lösungsvorschläge unterbreitet

Ein großes Problem sei dabei der von der Landesregierung vorgesehene Versand der Proben per Post. Einen speziellen Kurierdienst gebe es nicht, so die Praxis. Da Lehrer vormittags arbeiteten, könnten meist erst nachmittags Abstriche gemacht und abends zur Post gebracht werden. So könne es passieren, dass selbst Teststreifen vom Mittwoch erst freitags ankämen.

Weitere Informationen

Corona-Tests für Lehrer und Erzieher

Laut einer Verordnung der Landesregierung haben Lehrer und Erzieher bis zu den Herbstferien die Möglichkeit, sich alle 14 Tage einem kostenlosen Corona-Test zu unterziehen.

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Als Lösung schlägt die Arztpraxis vor, die Abstriche wie bei allen Nicht-Lehrkräften an ein hauseigenes Labor zu schicken. Per Kurierdienst seien die Ergebnisse seien dann "innerhalb von 48 Stunden vorrätig - und die entnommenen Abstriche vor allen Dingen schnell ausgewertet".

Labore, mit denen Arztpraxen kooperieren, seien durchaus auch qualifiziert, versichert der Arzt Martin Bayer auf Nachfrage von hessenschau.de. Das sonst genutzte Labor bearbeite sonst Corona-Abstriche für die Uniklinik Gießen.

"Wollen einheitlichen Qualitätsstandard gewährleisten"

Das Kultusministerium schreibt dazu in einer Stellungnahme, es habe sich bewusst dafür entschieden, die Untersuchungen der Proben durch nur ein Labor in Hessen durchführen zu lassen: "Damit können wir einen einheitlichen Qualitätsstandard gewährleisten, ein landesweit einheitliches Verfahren, können jederzeit nachsteuern und verfügen über einen tagesaktuellen Überblick über die Zahl der Testungen."

Den Versand mit der Post habe das Ministerium aus logistischen Gründen gewählt, da derzeit viele Praxen dezentral testeten. Dem Vorwurf, dass Tests möglicherweise nicht mehr aussagekräftig seien, entgegnet das Ministerium, es habe "mit der Kassenärztlichen Vereinigung und dem beauftragten Labor detaillierte Vereinbarungen getroffen, um einen möglichst genauen, sicheren und zeitnahem Ablauf zu gewährleisten".

Auf diese Vereinbarungen verweist auch der Virologe Martin Stürmer, Leiter des besagten Labors in Frankfurt, auf Nachfrage. Zudem fänden im Einzelfall mitunter auch Tests am Wochenende statt.

Um Tests von Montag bis Donnerstag gebeten

Die Regelungen seien "durchaus Diskussionsthema unter Kollegen", berichtet ein Sprecher des Hausärzteverbandes Hessen. Dass ein zentrales Labor ausgewählt worden sei, sei aus organisatorischen Gründen nachvollziehbar, berge aber die Gefahr von Kapazitätsproblemen.

Ob Proben nun auch nach 72 Stunden noch untersucht würden, hänge vom Einzelfall ab, schreibt wiederum das Ministerium. Man habe die Praxen und die Lehrkräfte darum gebeten, die Tests in der Zeit von Montag bis Donnerstag durchzuführen, um eine längere Postlaufzeit zu verhindern. Die Ergebnisse würden innerhalb von spätestens 72 Stunden an die Arztpraxen berichtet.

Ministerium nimmt Labore in die Pflicht

Es könne jedoch nicht sicherstellen, "dass die Lehrkräfte dann unmittelbar kontaktiert werden", räumt das Ministerium ein. Lange Wartezeiten hatte zuletzt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beklagt. "Wichtig ist, dass positive Tests sofort durch das Labor an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden", betont das Ministerium. Es werde beobachten, ob die Regelungen noch einmal nachgearbeitet werden müssten, wenn es zu größeren Verzögerungen komme.

Dass diese nicht ausbleiben, zeigt das Beispiel einer Oberstudienrätin am Gymnasium Philippinum in Weilburg. Sie berichtete hessenschau.de, sie habe sich als Risikopatientin extra vor dem Ende der Sommerferien testen lassen. Dies sei am 12. August geschehen. Auf eine Rückmeldung wartete die Lehrerin auch am Sonntag noch vergeblich.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 27.08.2020, 19.30 Uhr