ein Pager - technisches Gerät im Personenrufsystem

Volle Wartezimmer bergen gerade in Corona-Zeiten ein hohes Infektionsrisiko. Um das zu vermeiden, setzt eine osthessische Arztpraxis auf sogenannte Pager. Patienten werden zur Sprechstunde hereingepiepst. Die Idee könnte Schule machen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Pieper für Patienten

Ein Mann hält einen Pager in der Hand.
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Ein längerer Aufenthalt im Wartezimmer beim Arzt ist in aller Regel eine lästige Geduldsprobe. Während der Corona-Zeit kommt zusätzlich die Sorge vor einem höheren Infektionsrisiko hinzu. Um das Aufkommen an Wartenden in den Innenräumen zu reduzieren, hat sich deshalb eine Gemeinschaftspraxis in Ehrenberg-Wüstensachsen in der Rhön etwas einfallen lassen.

Die Patienten bekommen einen sogenannten Pager und können die Wartezeit außerhalb der Praxis verbringen. Die Zeit im Wartezimmer abzusitzen, bleibt ihnen erspart.

Pager auch in der Gastronomie verwendet

Pager sind kleine technische Geräte und dienen als digitales Personen-Rufsystem. Sie sind unter anderem in der Gastronomie verbreitet. Der Gast bekommt das Gerät bei der Bestellung - wenn sie fertig ist, piept, vibriert und leuchtet es. So läuft es auch in der Rhöner Arztpraxis: Ist der Patient an der Reihe, bekommt er sein Startsignal.

"Wir halten überall Abstand. Nur in den Wartezimmern geht das nicht so gut", erklärt der Ehrenberger Mediziner Wolfram Beres die Idee für sein neuartiges Pager-Konzept. "Die Patienten haben Angst, in die Praxis zukommen. Und damit umgehen wir dieses Problem." Das Praxis-Personal habe sich deswegen Gedanken gemacht. Heraus kam die Idee vom Pieper.

Auto wird zum Wartezimmer

Patienten bekommen das kleine Gerät an der Anmeldung oder gleich an der Eingangstür. Die Reichweite des Rufsystems beträgt etwa 100 Meter, wie die Praxis erklärt. Die Resonanz ist positiv. Patient Edgar Bär etwa verbringt die Wartezeit im Auto, hat die Fensterscheibe geöffnet und liest Zeitung. "Hier kann man genauso warten wie drinnen", sagt er.

Um den erneuten Gebrauch des Piepers hygienisch zu gestalten, werden die Geräte in Plastiktüten gesteckt und diese danach entsorgt. Das System wirkt einfach und durchdacht. Und mit Anschaffungskosten in Höhe von 100 Euro pro Pager hat die Praxis Geld zum Wohle der Patienten investiert.

"Eine spannende Idee"

Ein Beispiel, das durchaus Schule machen könnte, findet auch der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Hessen, Karl Roth. "Vergleichbares ist mir nicht bekannt", so Roth: "Letztlich ist alles, was Infektionen vermeidet und gleichzeitig die ambulante Versorgung ermöglicht, sinnvoll. Und das ist sicher eine spannende Idee."

Neben der technischen Lösung führt Roth weitere Konzepte aus, um die Patienten während der Pandemie möglichst zu separieren. "Die Trennung der Regelversorgung von der Behandlung von Infektpatienten, ist auf jeden Fall eine sinnvolle Maßnahme, zum Beispiel durch spezielle Infekt-Sprechstunden", erläutert der KV-Sprecher. Darüber hinaus seien viele niedergelassene Hausärzte dazu übergegangen, statt offener Sprechstunden Bestell-Sprechstunden mit festen Terminen einzurichten. Dadurch könne erreicht werden, dass die Wartezimmer in der Regel nicht so voll sind wie sonst.

App "Warts-Ab" verringert Wartezeiten

Auch die Landesärztekammer Hessen begrüßt die Idee der Rhöner Praxis. Der Einsatz von Pagern könne zu einer Verringerung des Ansteckungsrisikos führen. Neben der Fernbehandlung durch Telefon- oder Video-Anrufe spiele die Digitalisierung in der aktuellen Corona-Pandemie eine wesentliche Rolle.

So gibt es bereits seit 2018 eine Handy-App namens "Warts-Ab", die von der Hochschule Mittelhessen entwickelt wurde. Sie folgt einem ähnlichen Prinzip, soll Wartezeiten verkürzen und Ansteckungsgefahren verringern. Konzept ist, dass sich der Patient persönlich oder auch online in der Praxis meldet, einen Barcode erhält und anschließend über die App von der Praxis informiert wird, dass er jetzt zur Behandlung kommen kann.

Neben der App können auch konsequentes Lüften sowie die Verwendung von Luftreinigungssystemen eine wichtige Rolle bei der Vermeidung von Infektionen in Wartezimmern spielen, wie die Landesärztekammer erklärte. Und auch das Aufstellen von Zelten vor der Praxis an der frischen Luft könne eine Option sein.

Warten unterm Zeltdach draußen

Hausarzt Uwe Popert aus Kassel hat sich genau dafür entschieden und sorgt so für räumliche Trennung der Patienten. Seine Sprechstunden-Hilfen befragen die Patienten erstmal durchs Fenster zum Krankheitsbild. Wartende können die Zeit dann draußen unterm Zeltdach verbringen.

Sendung: hr4, 21.10.2020, 15.30 Uhr