Foto des Impfstoffes AstraZeneca, der gegen Covid-19 schützen soll. Zu sehen ist die Verpackung neben zwei kleinen Fläschen mit dem Impfstoff.

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca wird wegen möglicher Nebenwirkungen auch in Hessen in der Regel nur noch an Über-60-Jährige verimpft. Die vereinbarten Impftermine sollen aber wie geplant stattfinden. Allerdings werden die Zweitimpfungen verschoben.

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hs 19:30 31.03.2021 Thumbnails
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Die gute Nachricht des Tages kam vom hessischen Innenminister Peter Beuth (CDU): Alle Menschen, die in den kommenden Tagen einen Termin zur Corona-Erstimpfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff haben, sollen diesen wahrnehmen: "Kein Termin wird abgesagt", betonte Beuth auf einer Pressekonferenz der Landesregierung am Mittwochmittag in Wiesbaden. Für diese Menschen werde das Land die Impfstoffe von Biontech und Moderna zur Verfügung stellen.

Die Termine zur Zweitimpfung mit diesen Impfstoffen seien nicht gefährdet. "Wir greifen auf die Rückstellungen zurück, die wir in den vergangenen Wochen aufgebaut haben", sagte Beuth. Die Zweitimpfung für diejenigen Menschen, die schon mit Astrazeneca geimpft wurden, würden zunächst um drei Wochen in den Mai hinein verschoben. Rund die Hälfte der 208.000 Menschen, die bereits eine Erstimpfung mit Astrazeneca bekommen haben, sei unter 60 Jahren.

Umstellung führt nur kurz zu Absagen

"Bis dahin erwarten wir eine neue Empfehlung der Ständigen Impfkommission", sagte Beuth. "Ansonsten müssen wir schauen, ob der Impfstoff ersetzt werden kann." Das Worst-Case-Szenario sei, dass die Impfung von vorne beginnen müsste. "Der Schutz durch die Erstimpfung liegt aber schon bei rund 75 Prozent", betonte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

Kurz nach der Pressekonferenz berichteten hessenschau.de-Nutzer, entgegen Beuths Zusage seien ihre Termine abgesagt worden - etwa im DRK-Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle. Dies habe sich nach kurzer Zeit aber ergeben, schrieb Benedikt Hart, Leiter des Impfzentrums, auf Anfrage des hr. Schon am frühen Mittwochnachmittag habe man die gebuchten Termine regulär wieder aufnehmen können.

Hausärzte steigen mit Astrazeneca ein

Generell gelte weiterhin, dass sich niemand den gewünschten Impfstoff aussuchen kann, sagte Beuth. Wer über 60 Jahre alt sei und sich gegen Astrazeneca entscheide, müsse auf neue Lieferungen warten. Eine Öffnung der Impfreihenfolge gibt es laut dem Innenminister vorerst nicht. In den ersten zwei Prioritätsgruppen seien noch rund 650.000 Bürgerinnen und Bürger, denen Hessen ein Impfversprechen, aber noch keinen Termin gegeben habe.

Sozialminister Kai Klose (Grüne) sagte, es sei gut, dass der Astrazeneca-Impfstoff ab Mitte April überwiegend durch Hausärzte verimpft werde. Dort sei eine intensive Besprechung der Vor- und Nachteile am besten möglich. Die Anpassung der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zeige, dass alle Sicherheitsmechanismen griffen.

Mehrere Fälle von Blutgerinnseln

Am Dienstag hatte Deutschland die Corona-Impfungen mit dem Mittel von Astrazeneca für Menschen unter 60 Jahren weitgehend gestoppt. Nach einer aktuellen Empfehlung der Stiko hatten die Gesundheitsminister und Regierungschefs von Bund und Ländern entschieden, den Impfstoff uneingeschränkt nur noch an über 60-Jährige zu vergeben. Diesem Vorgehen schloss sich Hessen an. Hintergrund sind Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen.

In den 28 hessischen Impfzentren haben in den kommenden Tagen über 12.000 Menschen einen Termin zur Erstimpfung mit Asrazeneca, berichtete Innenminister Beuth. Insgesamt seien rund eine Million Impfdosen verabreicht worden. Beuth betonte, das Tempo der Impfkampagne werde in den kommenden Wochen Fahrt aufnehmen, da umfangreiche Lieferungen erwartet würden. "Die Zwei-Millionen-Marke wollen wir schneller erreichen."

"Werde Astrazeneca nehmen"

Ministerpräsident Bouffier warb für die Akzeptanz des Astrazeneca-Impfstoffs: "Ich halte es für wichtig, dass wir diesen Impfstoff den Menschen zur Verfügung stellen", sagte Bouffier. "Auch wenn es dann durch medizinische Erkenntnisse durchaus zu Verunsicherungen kommen kann und bestimmte Entwicklungen wieder verändert werden müssen."

Er wolle sich auch selbst den Impfstoff spritzen lassen, kündigte Bouffier an. "Ich werde selbstverständlich Astrazeneca nehmen, wenn ich an der Reihe bin."

Hersteller verteidigt Impfstoff und kündigt neuen Namen an

Der britisch-schwedische Hersteller Astrazeneca verteidigte inzwischen seinen Corona-Impfstoff. Die Zulassungsbehörden in Großbritannien und der Europäischen Union sowie die Weltgesundheitsorganisation seien zu dem Schluss gekommen, dass der Nutzen des Mittels die Risiken in allen Altersgruppen deutlich überwiege, erklärte das Unternehmen.

Gleichzeitig erklärte das Pharmaunternehmen, es werde seinen Impfstoff in der EU künftig unter dem Namen "Vaxzevria" vermarkten.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 31.03.2021, 16.45 Uhr