Attac-Aktivisten vor der Frankfurter Paulskirche
Die Attac-Aktivisten nach der friedlichen Räumung der Paulskirche. Bild © Attac Deutschland

Globalisierungskritiker von Attac haben die Besetzung der Frankfurter Paulskirche beendet. Oberbürgermeister Feldmann zeigt sich erleichtert. Die deeskalierende Strategie der Stadt sei erfolgreich gewesen.

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Attac-Aktivisten in der Paulskirche

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Protestaktion von Attac-Aktivisten in der Paulskirche

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"Es ist gut, dass sich unter den Demonstranten die Friedfertigen durchgesetzt haben und so eine Eskalation vermieden werden konnte", sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Sonntag zum Ende der Protestaktion von Attac-Aktivisten in der Paulskirche in Frankfurt. Seit dem Start der Aktion am Samstagnachmittag sei eine deeskalierende Strategie gefahren worden. Die Abstimmung zwischen den Behörden und der Polizei habe zu dem guten Ende geführt.

Die Aktivisten hatten kurz vor 9 Uhr die Paulskirche geräumt und sich damit an die Vorgabe der Stadt gehalten, das Gebäude bis dahin besenrein zu übergeben. Nach Angaben eines Polizeisprechers sei alles friedlich verlaufen. Zuvor war es auch in der Nacht zu Sonntag ruhig geblieben.

Ein Sprecher der Stadt lobte, dass sich die Aktivisten an die Vereinbarungen hielten und die Kirche weder beschädigten, noch Müll hinterließen.

Aktivisten schliefen in der Kirche

Nach Angaben von Attac verbrachten 28 Aktivisten die Nacht in der Paulskirche. Etwa 100 Globalisierungsgegner hatten am Samstag gegen 14 Uhr die Kirche besetzt. Die Aktion war von der Stadt geduldet worden, nachdem Vertreter der Stadt vor Ort sich von der ruhigen Lage überzeugt hatten.

Auch die Aktivisten zogen zunächst eine positive Bilanz: "Wir sehen unsere Aktion als großen Erfolg", sagte Attac-Sprecherin Frauke Distelrath am Sonntag dem hr. Die Aktivisten würden jedoch die Vorgabe der Stadt kritisieren, dass die Paulskirche während der Aktion geschlossen bleiben musste. "Viele Interessierte konnten deshalb nicht an der Diskussion im Gebäude teilnehmen und mussten diese von außen auf einem Livestream verfolgen", so Distelrath.

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hs

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Attac fordere die Stadt auf, die Paulskirche an einem Tag für eine breite Debatte über Demokratie für alle Bürger offen zu lassen. "Das wollen wir nachholen", kündigte die Attac-Sprecherin an. Weitere Aktionen seien aber an diesem Wochenende nicht mehr geplant. Die Kirche wurde am Sonntagmittag für Besucher wieder regulär geöffnet.

Aktion an "Geburtsstätte der Verfassung"

Die Aktivisten hätten die Paulskirche besetzt, "um an dieser Geburtsstätte der deutschen Verfassung nachdrücklich daran zu erinnern, dass staatliches Handeln und politische Entscheidungen dem Geist der Verfassung verpflichtet sind", erklärte Distelrath. "Her mit der Demokratie!" war auf einem Banner zu lesen, das die Aktivisten ausrollten.

Der Tag der Demokratie am Samstag war der Anlass für ihre Aktion: "Die Grundpfeiler unserer Demokratie sehen wir an vielen Stellen erheblich gefährdet", hieß es in einer Erklärung, die die Demonstranten im großen Saal der Paulskirche vortrugen. Neben Attac-Mitgliedern waren auch Vertreter des Bündnisses Seebrücke bei der Besetzung dabei.

Bulle und Bär durch die Innenstadt gezogen

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Vor der Aktion in der Paulskirche hatten am Samstag rund 200 Demonstranten an den Beginn der globalen Finanzkrise vor zehn Jahren erinnert. Verkleidet als "graue Sklaven der Finanzmärkte" und mit den Börsen-Symboltieren Bulle und Bär zogen sie durch das Bankenviertel bis zum Börsenplatz. Zwischenfälle gab es laut Polizei nicht. Aufgerufen zu der Veranstaltung hatte Attac im Rahmen einer europaweiten Aktion unter dem Motto "Finance for the People!".

Attac-Demonstration in Frankfurt
Symbolischer Protest: Graue Sklaven ziehen den Börsen-Bullen. Bild © hessenschau.de

"Die Jagd nach Rendite und das Konkurrenzprinzip breiten sich immer weiter aus", sagte der Attac-Finanzexperte Alfred Eibl. "Schulen, Pflegeheime und Krankenhäuser werden in Anlageobjekte umgewandelt, die Profite bringen müssen" Es sei höchste Zeit, das Finanzsystem in den Dienst aller Menschen zu stellen. Für die Kosten einer neuen schweren Krise müssten alle Bürger aufkommen.