ein Protestbanner mit Stinkefinger hängt im Dannenröder Forst

Militanten Gegnern des A49-Ausbaus gehen die bereits gewalttätigen Proteste im Dannenröder Forst nicht weit genug. Sie wollen Eskalation. Im Internet ist die Rede von "Bullenkarre anzünden" und heftigeren Angriffen gegen die Polizei.

Im Konflikt um die Räumung und Rodung des Dannenröder Forstes vergeht selten ein Tag ohne Gewalt. Aus der uneinheitlichen Gruppe der Waldbesetzer flogen bereits Steine, Flaschen, Rauchbomben und Raketen. Die Einsatzkräfte sehen sich Ekel-Attacken mit Fäkalien ausgesetzt. Mit friedlichem Protest und zivilem Ungehorsam gegen den genehmigten Ausbau der Autobahn 49 hat das nichts mehr zu tun.

Nun gibt es eine Art Brandbrief aus dem mutmaßlich linken Spektrum - mit offenem Aufruf zu Krawall und Gewalt gegen Polizisten.

Screenshot von der Internetseite "Wald statt Asphalt", auf der Aktivisten angeheuert werden.

Ermunterung: "Bullenkarre anzünden"

Auf der globalisierungskritischen Plattform indymedia.org, die im Fokus des Verfassungsschutzes steht, wurde anonym ein Beitrag veröffentlicht, der von der Gruppe "Wald statt Asphalt" weiterverbreitet wurde. Die Herkunft ließ sich zunächst nicht zweifelsfrei klären.

Der Artikel schließt mit dem Appell: "Also auf in den Danni!" Man müsse den "Cops" zeigen, "was Krawalltourismus wirklich bedeutet." Um der Winter-Kälte zu begegnen, wird unter anderem empfohlen, eine "Bullenkarre" anzuzünden.

Screenshot von der Internetseite, auf der Aktivisten angeheuert werden. Farbig markiert ist die Textpassage: "Wenn es zu kalt ist, kann mensch ja ein Lagerfeuer anzünden, oder eine Bullenkarre. Von denen stehen hier eh zu viel rum."

Mehr oder minder deutlich wird zu Vandalismus animiert: Es gebe interessante Ziele. Etwa "Bau- und Rodungsmaschinen, Harvester, Bulldozer, Hebebühnen, ziemlich viel teuren Scheiß."

"Heftigere Angriffe fehlen"

Der oder die Verfasser vermissen heftigere Attacken gegen die Polizei. "Ab und zu fliegen auch Steine oder Scheißeeimer auf Bullen, aber koordinierte Angriffe sind selten." Es fehle an heftigeren Angriffen.

In dem Online-Pamphlet heißt es weiter, dass man den "Wald ohne wirksame Militanz nicht retten können" werde: "Gewaltlosigkeit führt zu Waldlosigkeit." Bedauert wird: Es gebe nicht so viele Leute mit Erfahrung für verschärfte Gegenwehr. Oder sie trauten sich nicht.

Screenshot von der Internetseite, auf der Aktivisten angeheuert werden.

Tipps zum Eintauchen in Waldbesetzer-Szene

Im Text werden Tipps gegeben, wie man sich den Waldbesetzern anschließen könne und was zu beachten sei. Es sei leicht, in die Anonymität der Szene einzutauchen. Und die eigene Identität lasse sich verschleiern - mit vermummten und bemalten Gesichtern. Waldbesetzer hätten Fingerkuppen und Handflächen eingeritzt und mit Sekundenkleber beschmiert, damit keine Fingerabdrücke genommen werden könnten, heißt es.

Demonstrant mit Banner: "Hallo, Verpiss dich!"

Gegner des A49-Ausbaus verbreiteten den Gewaltaufruf in ihrem Blog "Wald statt Asphalt" weiter. Die Veröffentlichung sei nicht mit der ganzen Besetzung abgesprochen. Es gebe halt keine autorisierte Gruppe und kein beschlussfähiges Gremium, heißt es in einem vorangestellten Kommentar. "Die Menschen in der Besetzung und ihrem Umfeld haben vielfältige und teils kontroverse Meinungen." Doch Meinungsvielfalt solle nicht zensiert werden, deswegen können dieser Beitrag gleichberechtigt dazu gestellt werden.

Der Blog "Wald statt Asphalt" ist nicht identisch mit dem Bündnis "Wald statt Asphalt". Darin sind unter anderem Gruppen wie Fridays for Future , attac und extinction rebellion organisiert.

Im Dannenröder Forst gibt es zudem ein heterogenes Feld an Demonstranten und Unterstützern. Es sind viele unterschiedliche Gruppen zu beobachten, die sich mehr oder minder heftig, legal oder illegal gegen das Vorgehen der Einsatzkräfte stemmen. Die meisten Teilnehmer protestieren friedlich.

Polizei: Auch Straftäter unter den Demonstranten

Nach Einschätzung der Polizei, die vor Räumungsbeginn geäußert wurde, befinden sich aber auch Straftäter unter den Waldbesetzern. Sie stammten aus der Umgebung, seien zum Teil aber auch aus dem benachbarten Ausland extra angereist - Krawalltouristen eben.

Die Polizei berichtete im Vorfeld, dass sie sich auf gewalttätige Gegenwehr einstelle. Die Prognose bewahrheitete sich. "In den vergangenen Wochen kam es immer wieder zu gewalttätigen Aktionen oder aggressivem Verhalten durch die Ausbaugegner gegenüber der eingesetzten Polizeikräfte." Steinwürfe, Pyrotechnik, Fäkalienbewurf sowie Zwillenbeschuss und Flaschenwürfe. Dieses Verhalten Einzelner gehe deutlich über das Demonstrationsrecht hinaus, berichtete die Polizei am Mittwoch. Zu dem Gewalt-Aufruf im Internet nahmen die Beamte nicht explizit Stellung.

Die Polizisten sind aber nicht die Einzigen, die Gewalt wahrnehmen. Ihnen wird von Waldbesetzern vorgeworfen, rabiat und unverhältnismäßig mit den Demonstranten umzugehen.

Botschaft der Demonstranten: ACAB - All cops are bastards (Alle Polizisten sind Bastarde)

Die Polizei beobachtet Online-Hetze gegen die Einsatzkräfte. "Die Anonymität des Internets ermöglicht es leider vielen, sich unsachlich zur Sache zu äußern. Teilweise wird sogar zu Straftaten aufgerufen", berichtete ein Polizeisprecher auf Anfrage von hessenschau.de.

Und wie ist die Wahrnehmung im Dannenröder Forst? Eine Aktivistin sagte dem hr: "Man merkt, dass die Stimmung auf beiden Seiten extrem angespannt ist." Es sei nicht so, dass die ganze Gruppe im Wald gewalttätig sei. Sie spricht von "vereinzelten Leuten". Viele würden hier friedlich protestieren.

Ein anderer Demonstrant beobachtet, dass sich beide Seiten hochschaukeln. Er will weder der Polizei noch den Aktivisten die Schuld geben, sieht aber bei den Uniformierten besondere Verantwortung. Er habe Schlagstock-Einsätze gegen Demonstranten gesehen und verurteile Gewalt.