Collage: Toilettenfrau Angelika Mantler und zwei Schüler aus der 5. Klasse sowie eine "10Cent Toilette"
Toilettenfrau Angelika Mantler nimmt pro Klogang zehn Cent - dafür sind ihre Toiletten besonders sauber. Bild © Anna Spiess

An vielen hessischen Schulen sorgen schmutzige Klos für Frust. Nicht so an der Alfred-Wegener-Gesamtschule bei Marburg. Hier kümmert sich eine Toilettendame und nimmt pro Klogang zehn Cent. Der Landeselternbeirat hält diesen Weg für falsch.

Audiobeitrag
Notizzettel und Kleingeld auf dem Tisch der Klofrau

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So funktioniert die Toilettengebühr an einer Kirchhainer Gesamtschule

Ende des Audiobeitrags

Zehn Cent kostet der Gang zum besten stillen Örtchen an der Alfred-Wegener-Gesamtschule in Kirchhain (Marburg-Biedenkopf). Dafür können Schüler die betreute Toilettenanlage aufsuchen, wo Toilettendame Angelika Mantler nach dem Rechten schaut. Sie sitzt vor den Toiletten an einem Tisch, hinter ihr ein Schrank mit Klopapier, Mülltüten und Papiertüchern zum Nachfüllen.

Auf dem Tisch liegt ein kleines Heft, in dem sie aufschreibt, welcher Schüler wann die zehn Cent bezahlt hat. Wenn ein Kind kommt, dem es nicht gut geht, darf es auch so schnell aufs Klo. "Dann sage ich: Dann könnt Ihr es morgen oder übermorgen bringen", erzählt Mantler.

Es gibt noch drei weitere Toilettenanlagen an der Schule, sie sind kostenfrei. Doch während die Bezahl-Variante nach jeder großen Pause gereinigt und das Toilettenpapier neu aufgefüllt wird, werden die anderen nur einmal täglich geputzt. Bezahlt wird die Toilettenfrau zum einem Teil von den Einnahmen, zum anderen vom Landkreis.

Erprobtes Konzept an drei Schulen

Seit 2005 gibt es das Modell an der Gesamtschule mit inzwischen über 1.500 Schülern. Es wird gerne angenommen: "Ich finde es gut, dass die Toiletten hier so sauber sind", erzählt ein Schüler der fünften Klasse. "Wenn ich manchmal auf die andere Toilette gehe, dann sieht es da immer sehr dreckig aus und da ekele ich mich manchmal vor. Aber hierfür kann man ruhig zehn Cent bezahlen." Auch sein Klassenkamerad findet, dass das Geld gut angelegt ist: "Weil man auch jemanden hat, wenn mal etwas ist."

Für Schulleiter Matthias Bosse ist die betreute Toilette ein Erfolgskonzept: "Weil es nachhaltig ist und effizient. Alles andere funktioniert nicht so gut." Die zehn Cent sieht er eher als eine Art Gebühr denn als Bezahlung: "Und wenn man einmal mittags über den Schulhof geht, sieht man viele Mehrweg- und Einwegverpackungen, deren Pfand höher ist als zehn Cent."

Den Vorwurf einiger Kritiker, man würde dadurch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft fördern, kann Bosse deshalb nicht nachvollziehen. Das Konzept funktioniere auch an zwei anderen Schulen im Kreis sehr gut.

"Kein rechtsfreier Raum zum Blödsinn machen"

Funktioniert das Bezahl-System wirklich so gut? Der Elternbeiratsvorsitzende der Schule, Gunther Martin, beteuert, er habe noch keine Beschwerden gehört, dass Kinder sich den Besuch der betreuten Toilette nicht leisten könnten. Er sieht in dem Angebot vor allem Vorteile: "Es ist immer ein Ansprechpartner da und die Toilette ist damit auch kein rechtsfreier Raum zum Blödsinn machen - das ist ja ein grundsätzliches Problem über Generationen hinweg."

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf als Schulträger begrüßt diese Idee der Schulen, wie Pressesprecher Stefan Schienbein betont. Trotzdem sehe man sich in der Pflicht, wenn es Sanierungsbedarf bei Schul-WCs gebe. Das Bezahlsystem mit Toilettenfrau sei ein gutes System, um die WCs möglichst lange in gutem Zustand zu halten.

Landeselternbeirat fordert grundsätzlich häufigere Reinigungen

Der Vorsitzende des Landeseltenbeirats Hessen ist gegen ein Bezahlsystem wie an der Alfred-Wegener-Gesamtschule. Er fordert, dass Schultoiletten grundsätzlich häufiger gereinigt werden sollten. "An meiner Schule in Hanau gibt es mehr als 2.000 Schüler und die Toilette wird nur einmal am Tag gesäubert“, erzählt Reiner Pilz. "Da muss man sich nicht wundern.“

Das System Schule habe sich verändert. Es gebe zunehmend Ganztagskonzepte und die Schüler verbrächten häufig noch den Nachmittag an der Schule. "Wenn die Toiletten auch noch einen gewissen zeitlichen Zenit überschritten haben, kriegt man den Gestank nicht mehr heraus“, kritisiert Pilz. Deswegen sei nicht nur ein häufiger Reinigungszyklus an Schultoiletten nötig, sondern auch notwendige Sanierungsarbeiten.

Frankfurter hoffen auf Sanierung

Gebührenpflichtige Toiletten - eine Lösung, die nach Ansicht des Vorsitzenden des Frankfurter Stadtelternbeirates fragwürdig ist. "Ich halte nichts von dem Einsatz einer Klogebühr", sagte Eckhard Gathof. "Gerade die Familien, die nicht so reich mit Geld gesegnet sind, würden in meinen Augen diskriminiert."

Auch in Frankfurt kennt man den Kampf gegen schmutzige Schülertoiletten. Hier fordern die Eltern mit Nachdruck die Sanierung von Schultoiletten und regelmäßige Reinigung. Demnächst soll eine entsprechende Petition an die Stadt übergeben werden. Sie hat rund 4.600 Unterstützer aus Frankfurt, berichtet Gathof. "Wir hoffen, dass alles saniert wird."

Ihre Kommentare Toiletten-Gebühr an Schulen - eine gute Idee?

28 Kommentare

  • Ich finde die Idee mit den "Klodamen" perfekt! Und wundere mich das das nicht schon längst die Regel ist...?? Neben den hygienischen Vorteilen hat das auch Sicherheitstechnische Vorteile, die Toiletten waren auch früher schon fast rechtsfreier Raum, das wird wohl heute nicht besser geworden sein...!
    Die Vorschläge das die Kinder selbst kontrollieren usw. sollen sind völliger Unsinn, und führen nur zu Mobbing und Verdruss.
    Bei manchen Leuten klaffen zwischen Wunschvorstellung und Realität, wie so oft ganze Welten ;-)

  • Ich finde das eine tolle Idee und wollte das an unserer Schule auch anregen, denn für eine hygienische Toilette zahlt jeder gerne und wer das nicht gut findet, kann die anderen Toiletten aufsuchen. Hier wird man jedem gerecht.

  • Ich würde sogar einen festen Monatsbeitrag zahlen. Meine Kinder gehen beide auf eine IGS in Frankfurt und gehen nur im Notfall auf die Schultoilette. Ich finde es furchtbar, dass sie wirklich lieber den ganzen Tag versuchen den Toilettengang zu vermeiden und erst mittags ab 16:00 auf die Toilette zu Hause gehen. Das ist ja wohl alles andere als gesund.

Alle Kommentare laden