Bildkombo: Kinder sitzen auf einer Treppe, Senioren sitzen auf einer Bank
Kinder und Senioren sind in Bad Nauheim zusammen gewachsen. Bild © Anne-Katrin Hochstrat

Kindergeschrei statt Ruhe - in eine Seniorenwohnanlage in Bad Nauheim ist vorübergehend ein Kindergarten eingezogen. Was für alle anfangs ungewohnt war, empfinden viele nun als Bereicherung.

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Kinder spielen im Garten

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Jung und Alt raufen sich in Bad Nauheim zusammen

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Eigentlich ist das Elisabethhaus im Diakoniewerk in Bad Nauheim ruhig. In dem mehrstöckigen Apartmenthaus wohnen vor allem Senioren, ein Erlebnisgarten der Stadt und der Südpark liegen vor der Haustür. Doch mit der Ruhe ist es nun erst mal vorbei – zumindest tagsüber.

Seit Anfang August ist in dem Apartmenthaus für Senioren vorübergehend der Kindergarten aus dem benachbarten Stadtteil Nieder-Mörlen untergebracht – etwa hundert Kinder und ihre Erzieherinnen. Nun hören die Bewohner bis in den Nachmittag hinein spielende Kinder – eine ungewohnte Beschallung.

Wasserschaden zwang zum Umzug

Zu dem Umzug kam es, weil der Kindergarten "an der Christuskirche" in Nieder-Mörlen in seinen eigenen Räumen einen Wasserschaden hat. Die Räume sind nach Angaben der Kita-Leitung nicht benutzbar – und das auf Monate.

Wohin nun mit den Kindern? Kita-Leitung, Elternvertreter, die evangelische Kirche als Träger der Kita, Erzieherinnen und die Stadt Bad Nauheim suchten gemeinsam nach einer Lösung: eine andere Kita, Turnhalle, Familienbildungsstätte – alles erwies sich als ungeeignet, sagt Kita-Leiterin Evelin Langesiepen. Schließlich sei man auf das Elisabethhaus in Bad Nauheim gekommen, in dem Räume leer standen, wie der Leiter der Einrichtung Stefan Fuchs bestätigt.

Langer, warmer Sommer kam allen entgegen

Die Kita-Leiterin findet die Grundidee, Jung und Alt auf diese Art zusammenzubringen, mittlerweile richtig gut, aber "natürlich nicht so, wie hier". Die Räume sind nicht schallisoliert und nicht für kleine Kinder ausgestattet. Draußen gibt es kaum Spielgeräte. Aber die Erzieherinnen machten das Beste daraus und der lange Sommer habe auch geholfen, weil die Kinder in die umliegenden Parks ausweichen konnten. Das habe die Lärmbelastung im Haus niedrig gehalten.

Auch auf Seiten der Senioren sei man froh über den langen und warmen Sommer, sagt Stefan Fuchs. Denn anfangs hätten es viele Bewohner gar nicht gut gefunden, dass laute Kinder in dem ruhigen Wohnhaus untergebracht werden sollen.

Von Skepsis zu Begeisterung

Nach anfänglichen Berührungsängsten hätten sich Jung und Alt im Elisabethhaus angefreundet. "Die meisten Bewohner freuen sich über die Kinder", sagt die Kita-Leiterin. Viele Bewohner kämen inzwischen regelmäßig bei den Kindern vorbei, hätten schon mit ihnen gesungen oder einfach nur beim Spielen zugeschaut. Die Kinder winkten den "Mitbewohnern" immer fleißig, wenn sie vorbeigehen.

Eine 78-jährige Bewohnerin findet es nach eignen Angaben "richtig toll", dass die Kinder da sind. Und sie betont, was für alle in diesem Provisorium der entscheidende Punkt zu sein scheint: "Das ist ja nur vorübergehend". Im November sollen die Räume der Kinder in Nieder-Mörlen fertig saniert sein und die Kita zieht zurück.

Ihre Kommentare Kindergarten in Seniorenwohnanlage - eine gute Idee?

21 Kommentare

  • Kreative Ideen entstehen selten durch Planung. Fruchtbare und gute Ideen aber durch Zufälle, wie dieses Beispiel zeigt.
    Kinder sehen Ihre Großeltern zum Teil nur selten oder vielleicht sogar überhaupt nicht.
    Für ältere Menschen trifft das, was das Sehen der Enkelkinder betrifft, genauso zu.

    Durch dieses Projekt entsteht für beide Gruppen ein Gewinn!

    Weiter so, Mut zur Kreativität!

  • Ich bin Tagesmutter und habe eine Wohnung in einer Seniorenwohnanlage für die Betreuung der Kinder angemietet. Nach anfänglicher Skepsis finden es die Bewohnerinnen und Bewohner ganz toll dass wir da sind. Wir sind nun schon fast 9 Jahre da. Solche Projekte sollte es viel öfter geben!

  • Gute Chance für integration und Inklusion!
    Weiter so!
    Sicher nicht nur provisorisch, sondern mit Planung und Ausstattung.

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